Datum07.05.2026 08:40
Quellewww.spiegel.de
TLDRDas Institut der deutschen Wirtschaft (IW) senkt seine Wachstumsprognose für 2026 auf 0,4 Prozent und liegt damit unter der der Bundesregierung. Als Hauptgrund nennt das IW, dass der Iran-Krieg die deutsche Wirtschaft stark beeinträchtigt. Steigende Energiepreise, Lieferstörungen und ein Verlust an Wettbewerbsfähigkeit führen zu sinkender Erwerbstätigkeit, stagnierendem Konsum und schrumpfenden Exporten. Die Inflation wird voraussichtlich bei drei Prozent liegen. Die IW-Prognosen sind mit hoher Unsicherheit behaftet, abhängig von der Dauer des Krieges.
InhaltDas arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft ist für dieses Jahr noch etwas pessimistischer als die Bundesregierung. Das Wachstum könnte demnach sehr gering ausfallen. Konjunkturforscher des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) rechnen in diesem Jahr nur noch mit einem Wachstum von 0,4 Prozent. Das zeigt eine Auswertung, die der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Noch im Dezember hatte die Prognose bei 0,9 Prozent gelegen. "Der Iran-Krieg hat die zaghafte Erholung der deutschen Wirtschaft abgewürgt. Steigende Energiepreise und Lieferstörungen treffen ein Land, das nach drei Jahren Rezession und Stagnation kaum noch Puffer hat", sagte IW-Ökonom Michael Grömling. Das minimale Plus komme vor allem durch staatliche Konsumausgaben und Investitionen in die Verteidigung zustande. Die Bundesregierung ist nur minimal optimistischer: Sie rechnet derzeit mit einem halben Prozent Wachstum. Der Krieg konfrontiert nach IW-Einschätzung die gesamte Weltwirtschaft mit schwer kalkulierbaren ökonomischen Belastungen. Davon sind alle Bereiche der deutschen Wirtschaft betroffen. Infolge des Energiepreisschocks wird im Jahresdurchschnitt 2026 eine Inflationsrate von drei Prozent erwartet. Die EU strebt zwei Prozent an. Laut Auswertung sinkt so die Erwerbstätigkeit, die Anlageinvestitionen gehen zurück und der private Konsum stagniert. Das Auslandsgeschäft leidet ebenfalls. "Die deutschen Exporte schrumpfen zum vierten Mal in Folge, während der Welthandel wächst", sagte Grömling. Die deutsche Konjunktur koppele sich immer stärker von den Weltmärkten ab. Das spreche für einen gravierenden Verlust an Wettbewerbsfähigkeit. Die Prognose ist Grömling zufolge jedoch mit hoher Unsicherheit behaftet. Die tatsächlichen Auswirkungen hingen von der Dauer des Krieges ab. Für das Gesamtjahr 2025 wurde ein Mini-Wachstum von 0,2 Prozent errechnet. 2023 (minus 0,9 Prozent) und 2024 (minus 0,5 Prozent) war Deutschland in die Rezession gerutscht. Zu Jahresbeginn ist die deutsche Wirtschaft trotz aller Krisen leicht gewachsen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im ersten Quartal zum Vorquartal um 0,3 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Daten mitteilte. Außerdem hat die deutsche Industrie im ersten Monat nach Beginn des Irankriegs überraschend viele Aufträge erhalten, vor allem aus anderen Staaten der Eurozone. Das Neugeschäft wuchs im März um insgesamt 5,0 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Im Februar hatte es lediglich einen Zuwachs von 1,4 Prozent gegeben. Die positive Entwicklung vom März verteilte sich auf fast alle Wirtschaftsbereiche. Besonders starke Zuwächse meldeten die Hersteller von elektrischen Ausrüstungen (+21,5 Prozent zum Vormonat), die Maschinenbauer (+6,9 Prozent) sowie die Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten, elektronischen und optischen Erzeugnissen (+14,4 Prozent). Die Folgemonaten dürften allerdings stärker vom Irankrieg beeinflusst sein. Der versprochene Aufschwung ist verschoben, die Prognosen sind düster, Ökonomen alarmiert: Welche Maßnahmen die Bundesregierung jetzt dringend umsetzen muss, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, lesen Sie hier .