Datum07.05.2026 05:42
Quellewww.spiegel.de
TLDRRussische Agenten agieren dreist in Deutschland, was die Sicherheitsbehörden unter Druck setzt. Außenminister Wadephul zeigt sich trotz Rissen in den deutsch-amerikanischen Beziehungen optimistisch. Weiterhin gibt es Unklarheiten bezüglich eines Wals in der Nordsee und dessen Umfeld. Markus Söder bringt neue Pläne für Schulabschlussfeiern ins Gespräch.
InhaltIn Deutschland agieren russische Agenten zunehmend hemmungslos. Im Verhältnis zu den USA zeigt sich Außenminister Wadephul unerschütterlich optimistisch. Und irgendwo in der Nordsee schwimmt ein Wal. Das ist die Lage am Donnerstagmorgen. Die zahlreichen Operationen russischer Agenten in Deutschland fordern die hiesigen Sicherheitsbehörden heraus. Die Beschwichtigungsversuche von Außenminister Johann Wadephul können nicht über den tiefen Riss im deutsch-amerikanischen Verhältnis hinwegtäuschen. Und es gibt zwar keine Neuigkeiten vom Buckelwal, aber sein menschliches Umfeld bleibt interessant. Deutschland befindet sich im Fadenkreuz russischer Geheimdienste, das ist schon lange keine Neuigkeit mehr. Fast scheint man sich hierzulande schon daran gewöhnt zu haben, regelmäßig von Ausspähversuchen, Drohnenüberflügen und Sabotageaktionen zu lesen, die offenbar von Moskau gesteuert sind. Dabei ist es keineswegs normal oder alltäglich, was da gerade passiert: Russische Agenten operieren zunehmend dreist und schamlos in der Bundesrepublik. Wladimir Putins Angriff auf unsere Demokratie ist in vollem Gange. Meine Kollegen Tobias Großekemper, Ulrich Kraetzer, Sven Röbel, Marcel Rosenbach, Fidelius Schmid und Wolf Wiedmann-Schmidt haben die mutmaßlich russischen Aktionen der vergangenen Jahre und Monate zusammengetragen. Sie berichten von plötzlich aufgetauchten Überwachungskameras unbekannten Ursprungs, die ihre Aufnahmen per Mobilfunk weitergeben, von ausgespähten deutschen Rüstungsunternehmen und vom Angriff auf Signal-Nutzerkonten deutscher Spitzenpolitiker. Und wie wehrt sich Deutschland? Bisher waren die hiesigen Dienste einigermaßen zahnlos. Das soll sich nun ändern, verspricht BND-Chef Martin Jäger. Man müsse Moskau zeigen, "dass wir in der Lage sind, sehr ähnliche Dinge zu tun, damit auch die andere Seite den Schmerz spürt". Außenminister zu sein, das darf man sich als eine hochinteressante Aufgabe vorstellen: Wer sonst reist beruflich so oft und weit, wer verhandelt auf derart hohem Niveau, wer lernt so viele mächtige Menschen kennen? Und doch verlangt der Job bisweilen einen hohen Preis, wie man am bisweilen verkniffen wirkenden Gesichtsausdruck des aktuellen Amtsinhabers Johann Wadephul abzulesen meint: Der Mann muss aus Gründen der Diplomatie manchmal offenkundigen Unsinn von sich geben. Friedrich Merz sagt, Iran habe die USA gedemütigt? Das sei doch eine "klare Warnung an Teheran" gewesen, fabulierte daraufhin Wadephul. In Washington hat man das durchaus anders verstanden. Meine Kollegen Matthias Gebauer, Paul-Anton Krüger, Christoph Schult und Gerald Traufetter analysieren den prekären Zustand der deutsch-amerikanischen Beziehungen. Sie beschreiben den geradezu aufreizenden Gleichmut Wadephuls – und beobachten, wie das stete Bemühen des deutschen Außenamtschefs um Beschwichtigung an seine Grenzen stößt. Womöglich haben sich alle zu früh gefreut, die dachten, mit der – je nach Lesart – Freilassung beziehungsweise Verklappung, jedenfalls dem Verschwinden des vormals an der deutschen Ostseeküste gestrandeten Buckelwals habe diese unendliche Geschichte (und das Leid des Tieres) endlich einen Abschluss gefunden. Weit gefehlt: Das skurrile menschliche Personal der Wal-Saga bleibt uns erhalten und liefert weiterhin Neuigkeiten. Zuletzt mussten wir etwa erfahren, dass der gefühlige Walfreund und Landesminister Till Backhaus (SPD) zwar dem aktuell in Deutschland berühmtesten aller Meeressäuger jede Hilfe gewähren wollte. Den Schutz anderer, ihm persönlich mutmaßlich unbekannter Wale, behindert er aber eher (mehr dazu hier ). Und dann stellt sich auch noch heraus, dass die die Walfahrt begleitende Tierärztin Kirsten Tönnies zwar einen Peilsender an dem großen Tier angebracht haben will, von dessen Handhabung jedoch nur wenig Ahnung zu haben scheint. Der Wal bleibt folgerichtig verschwunden. Mein Kollege Martin Schlak klärt darüber auf, welche Gerätschaften gemeinhin zur Walverfolgung eingesetzt werden, wie diese funktionieren und was es bedeuten könnte, dass jenes am Wal des Interesses angebrachte Gerät nur sporadisch sendet. Hand aufs Herz: Sie haben doch auch bisher jeden Wal-Text gelesen, geben Sie es ruhig zu, da kommt es auf diesen jetzt auch nicht mehr an. Er ist interessant, versprochen! Wir können allerdings nicht versprechen, dass es der letzte ist. Noch mehr Rätsel wie Viererkette, Wordle und Paarsuche finden Sie bei SPIEGEL Games. …ist Markus Söder. Um den CSU-Chef und bayerischen Ministerpräsidenten war es in letzter Zeit merkwürdig still geworden. Zuletzt wirkte der umtriebige Nürnberger ungewohnt defensiv und empfahl etwa nicht sich selbst für die Nachfolge im höchsten Staatsamt, sondern eine Frau: Seine Parteifreundin Ilse Aigner solle nächste Bundespräsidentin werden. Ob er sich mit diesem Wunsch durchsetzt, ist noch unklar. Jetzt hat es Söder aber mit der Umsetzung eines anderen, musikalisch-patriotischen Ansinnens wieder in die Schlagzeilen gebracht. Auf den Abschlussfeiern an bayerischen Schulen, so will es der Ministerpräsident, sollen künftig mindestens zwei Hymnen gespielt werden. Verpflichtend dabei: die Bayernhymne. Manche Menschen malen sich Schreckliches aus – und versuchen, die Angst durch exzessives Zählen oder Händewaschen zu kontrollieren. Was hilft tatsächlich gegen Zwänge? Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag. Ihr Stefan Kuzmany, Autor der Chefredaktion