US-Handelsminister: Demokraten werfen Howard Lutnick Vertuschung in Epstein-Skandal vor

Datum07.05.2026 00:44

Quellewww.zeit.de

TLDRDemokraten werfen Handelsminister Howard Lutnick Vertuschung im Epstein-Skandal vor. Sie kritisieren seine widersprüchlichen Aussagen zu Kontakten mit dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein und fordern seinen Rücktritt. Lutnick soll versucht haben, frühere Äußerungen zu seinen Besuchen auf Epsteins Insel umzudeuten. Das Justizministerium veröffentlichte neue Dokumente, die Lutnicks Besuch detaillierter beschreiben, ohne ihm jedoch Fehlverhalten nachzuweisen. Präsident Trump steht zu seinem Minister.

InhaltBei einer Aussage im Kongress soll sich Handelsminister Lutnick widersprüchlich zu seinen Epstein-Kontakten geäußert haben. Mehrere Abgeordnete fordern seinen Rücktritt. Nach einer mehrstündigen Befragung vor dem US-Parlament zu seinen Kontakten mit dem verstorbenen US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein ist Handelsminister Howard Lutnick von Demokraten massiv attackiert worden. Lutnick sei ein "pathologischer Lügner" und mit für die "ungeheuerlichste Vertuschung in der amerikanischen Geschichte" verantwortlich, erklärten Abgeordnete nach der nicht-öffentlichen Befragung des Ministers in einem Kongressausschuss. Sie forderten erneut seinen Rücktritt. Bei der Fragerunde ging es um Lutnicks widersprüchliche Stellungnahmen zum Fall Epstein. Anfang Februar hatte der US-Handelsminister einen Besuch auf der Privatinsel des Unternehmers eingeräumt, auf der zahlreiche Mädchen und junge Frauen missbraucht worden sein sollen. Zugleich bestritt Lutnick enge Kontakte zu Epstein. Das Justizministerium in Washington hatte Ende Januar rund drei Millionen neue Dokumente zu dem Fall veröffentlicht. Darin war erstmals von Lutnicks Besuch auf der Epstein-Insel die Rede und von weiteren Kontakten. Ein Fehlverhalten konnte dem 64-jährigen Milliardär jedoch nicht nachgewiesen werden. Der demokratische Abgeordnete Ro Khanna sagte zu der Befragung im Kongressausschuss, Lutnick habe versucht, frühere Aussagen, wonach er nach einem Treffen 2005 nie wieder mit Epstein in einem Raum sein wollte, umzudeuten: "Er versuchte, das Wort ›ich‹ so umzudeuten, als habe er eigentlich gemeint, er werde Epstein nicht allein treffen – es sei aber völlig in Ordnung, wenn seine Frau und seine Kinder Epstein sehen. Das ergab überhaupt keinen Sinn." Die Demokratin Yassamin Ansari sprach von einer "der ungeheuerlichsten Vertuschungen der amerikanischen Geschichte". Lutnick habe behauptet, vor seinem Besuch auf der Insel nichts von den Straftaten gewusst zu haben. Mehrere Demokraten äußerten zudem den Verdacht, Lutnick habe frühere Aussagen über mögliche Erpressung und Videoaufnahmen vonseiten Epsteins unter Einfluss der Regierung von Präsident Donald Trump zurückgenommen. "Er sagte selbst, dass er mit Leuten aus der Regierung gesprochen habe – und deshalb habe er nun seine Haltung geändert", sagte Khanna. Ausschusschef James Comer, ein Republikaner aus Kentucky, räumte vor Beginn der Anhörung ein, Lutnick sei "nicht hundertprozentig ehrlich" gewesen, was seine Aufenthalte auf Epsteins Insel angehe. Zugleich sagte Comer, er habe bislang "kein Fehlverhalten" in den bekannten E-Mails zwischen Lutnick und Epstein gesehen. Nach der Veröffentlichung der Akten waren erstmals Rücktrittsforderungen an Lutnick laut geworden. US-Präsident Donald Trump hält jedoch an seinem Handelsminister fest, der für seine aggressive Zollpolitik verantwortlich zeichnet. Epstein soll nach Erkenntnissen des FBI und des US-Justizministeriums mehr als tausend Minderjährige und junge Frauen missbraucht haben. Teilweise soll er die Opfer an Prominente vermittelt haben. Der Multimillionär Epstein war 2008 verurteilt worden, weil er eine Minderjährige zur Prostitution angestiftet hatte. Nach einem umstrittenen Deal mit der Staatsanwaltschaft saß er nur knapp 13 Monate Haft ab. Im Juli 2019 wurde Epstein erneut festgenommen und von einem Bundesgericht beschuldigt, noch viel mehr Opfer missbraucht zu haben. Am 10. August 2019 wurde er tot in seiner New Yorker Gefängniszelle aufgefunden, nach offiziellen Angaben beging er Suizid. Jeffrey Epstein war ein US-Investor und Multimillionär, der ein Netzwerk zur sexuellen Ausbeutung Minderjähriger und zum Menschenhandel betrieben haben soll. 2007 erreichten seine Anwälte in Florida nach ersten Ermittlungen einen umstrittenen Deal mit der Staatsanwaltschaft, Epstein erhielt im Jahr darauf eine überraschend milde Strafe. 2019 wurde er jedoch erneut verhaftet und auf Bundesebene angeklagt. Wenige Wochen später starb Epstein in Untersuchungshaft, nach offiziellen Angaben durch Suizid. Aufgrund des Ausmaßes der Taten ist das öffentliche Interesse an dem Fall sehr groß. Insbesondere die Kontakte zahlreicher Prominenter zu Epstein sowie dessen Tod sorgen für unzählige Spekulationen. US-Präsident Donald Trump, der selbst in den Unterlagen auftaucht und Kontakt zu Epstein hatte, versprach im Wahlkampf Aufklärung sowie die Veröffentlichung der Ermittlungsakten. Nach seinem Amtsantritt gab das US-Justizministerium allerdings nur sehr unsystematisch und in kleinen Schritten Informationen zum Fall Epstein heraus. Trump wurde dafür auch von seiner eigenen Anhängerschaft kritisiert. Ein im November 2025 vom Kongress verabschiedetes Gesetz verpflichtete die Behörden schließlich zur Herausgabe aller unklassifizierten Ermittlungsakten. In der Folge gab das Justizministerium die Akten in mehreren Schüben frei – deutlich langsamer als im Gesetz vorgesehen. Das Ministerium begründete die Verzögerungen mit dem Schutz der Opfer; zahlreiche Stellen in den Akten hätten zunächst geschwärzt werden müssen. Dabei gingen die Behörden jedoch ungenau vor, viele Betroffene konnten in den Unterlagen identifiziert werden. Die gesetzliche Frist zur Herausgabe der Unterlagen endete am 19. Dezember 2025. An diesem Tag sowie in den Tagen danach gab das Justizministerium zahlreiche – teils nahezu vollständig geschwärzte – Dokumente heraus. Doch erst am 30. Januar erfolgte die umfangreichste Veröffentlichung: Mehr als drei Millionen Seiten, 2.000 Videos und 180.000 Bilddateien wurden freigegeben. Laut dem Justizministerium ist es die wohl letzte Veröffentlichung von Ermittlungsakten; man habe die gesetzlichen Vorgaben erfüllt, teilte das Ministerium mit.