Datum07.05.2026 00:24
Quellewww.spiegel.de
TLDRRussland fordert ausländische Botschaften in Kyjiw auf, Personal bei einem Angriff auf die Hauptstadt zu evakuieren. Moskau droht mit Vergeltung, sollte die Ukraine russische Gedenkfeiern am 9. Mai stören. Selenskyj bezeichnete eine vorgeschlagene Waffenruhe als "nicht ernst zu nehmen" und kritisierte russische Verstöße. Die Ukraine hat eine eigene Waffenruhe verkündet.
InhaltMoskau droht der Ukraine mit einem Angriff auf die Hauptstadt – sollte das Land die russischen Gedenkfeiern zum Sieg über Nazideutschland stören. Nun gab es eine Warnung an internationale Vertretungen in Kyjiw. Russland hat ausländische Botschaften in Kyjiw aufgefordert, ihr Personal für den Fall eines russischen Angriffs auf die ukrainische Hauptstadt in Sicherheit zu bringen. Die Botschaften sollten die "rechtzeitige Evakuierung von Personal aus diplomatischen und anderen Vertretungen sowie von Bürgern aus der Stadt Kyjiw sicherstellen", erklärte das Außenministerium in Moskau am Mittwoch in einer Note an ausländische Botschaften. Es warnte vor einem russischen "Vergeltungsschlag", sollte die Ukraine die Gedenkfeiern am 9. Mai in Moskau stören. An dem Tag wird in Russland des Sieges der Sowjetunion über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg gedacht. Während der Feierlichkeiten soll laut Moskau eine einseitige Waffenruhe mit der Ukraine gelten (mehr dazu hier). Zuvor hatte bereits das russische Verteidigungsministerium mit einem Vergeltungsangriff auf das Stadtzentrum von Kyjiw gedroht, sollte die Ukraine die Feuerpause brechen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte am Montag, eine Waffenruhe, damit Moskau die Feierlichkeiten begehen könne, sei "nicht ernst zu nehmen". Russland habe Angst, dass ukrainische Drohnen "über den Roten Platz schwirren" könnten. Die Ukraine hatte für den 6. Mai eine eigene einseitige Feuerpause verkündet. Selenskyj beklagte zuletzt zahlreiche Verstöße Russlands gegen die von Kyjiw ausgerufene Feuerpause. Bisher antworte Russland auf den Vorschlag einer Waffenruhe nur mit neuen Schlägen und Attacken, sagte er in seiner abendlichen Videobotschaft. "Abhängig von der Lage heute Abend und morgen werden auch wir unsere völlig angemessene Antwort festlegen", sagte er. Russland habe ein klares Angebot bekommen und wisse, wie die Ukraine oder deren Partner für Detailfragen zu erreichen sei, sagte er. Damit gab er der Feuerpause noch eine zweite Chance. Zugleich machte er deutlich, dass die Ukraine kein Interesse an der von Russland verkündeten Waffenruhe rund um die Feierlichkeiten am 9. Mai habe. Wenn es nur darum gehe, dass Kremlchef Wladimir Putin ungestört seine Militärparade abhalten könne, werde das noch gültige Angebot für eine Waffenruhe nicht aufrechterhalten, sagte er. Der Zweite Weltkrieg, in dem mehr als 20 Millionen Menschen in der Sowjetunion getötet wurden, war vor 81 Jahren durch die Kapitulation der deutschen Wehrmacht beendet worden. In Westeuropa wird am 8. Mai gedacht. Russland feiert den "Tag des Sieges" wegen der Zeitverschiebung erst am 9. Mai. Die Truppen des Kreml stecken im Donbass fest, größere Geländegewinne bleiben aus. Immer wichtiger werden Kampfhandlungen hinter der Frontlinie. Mehr lesen Sie hier .