Datum06.05.2026 20:23
Quellewww.zeit.de
TLDRAn einer evangelischen Schule in Spandau wurden sieben Kinder leicht verletzt, als Unbekannte rassistische Aufkleber auf einem Klettergerüst anbrachten und aufgebogene Tackernadeln daran befestigten. Die Polizei ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung. Die Schule prüft nun weitere Sicherheitsmaßnahmen und will mit einem Netzwerk für Demokratie kooperieren. Der Vorfall steht im Kontext steigender rechtsextremer Straftaten in Deutschland.
InhaltAn einer Schule in Spandau befestigten Unbekannte rechtsextreme Aufkleber und Tackernadeln an einem Klettergerüst. Sieben Kinder wurden verletzt. Die Polizei ermittelt. An einer evangelischen Schule im Berliner Stadtteil Spandau haben sich am vergangenen Donnerstag sieben Kinder verletzt, nachdem Unbekannte rassistische Aufkleber angebracht und ein Klettergerüst mit aufgebogenen Tackernadeln präpariert hatten. Wie die Schulleitung mitteilte, erlitten die Schülerinnen und Schüler im Alter von acht und neun Jahren Hautabschürfungen. Eine medizinische Versorgung war laut Polizei nicht erforderlich. An dem Klettergerüst sowie an weiteren Stellen auf dem Schulgelände fanden sich laut Schulleiter Paul Gohlke zudem mehrere Aufkleber mit einer rassistischen Parole, die der Hausmeister entfernt habe. Die Polizei leitete ein Ermittlungsverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung ein. Zu Tatverdächtigen und ihrem Motiv machte sie bislang keine Angaben. Die betroffenen Kinder seien von Schulsozialarbeiterinnen und -arbeitern sowie einem Seelsorger altersgerecht betreut worden, sagte eine Sprecherin der ZEIT. Schulleiter Gohlke zeigte sich "erschüttert über diesen Angriff auf einen Ort, an dem Kinder sicher spielen, lernen und miteinander leben sollen." An der Schule gebe es keinen Platz für "rassistische Botschaften, Einschüchterung und jede Form von Gewalt." Die Schule hat nach Angaben der Pressesprecherin eine diverse Schülerschaft. Das Schulgelände sei ohne äußere Barrieren frei zugänglich und werde von Schülern sämtlicher Klassenstufen gemeinsam genutzt. Die Schule prüfe nun unter anderem die Installation eines Kamerasystems, Schulleiter Gohlke kündigte zudem eine Zusammenarbeit mit dem Netzwerk für Demokratie Spandau an. Der Vorfall fügt sich in ein bundesweit alarmierendes Lagebild ein. Für das Jahr 2025 verzeichnete Deutschland laut Bundesinnenministerium insgesamt 42.544 politisch rechts motivierte Straftaten – darunter Propagandadelikte, Sachbeschädigungen, Bedrohungen und Gewalttaten. Der bundesweite Wert liegt bei 51 Straftaten pro 100.000 Einwohnern. Berlin gehört zu den Stadtstaaten mit einem überdurchschnittlichen Wert: Die Hauptstadt kommt auf 82 Fälle pro 100.000 Einwohner und verzeichnete damit gegenüber dem Vorjahr einen Anstieg. Auch bei rechten Gewalttaten liegt Berlin mit vier Fällen pro 100.000 Einwohnern über dem Bundesschnitt von zwei. Im vergangenen Jahr hat die Polizei in Deutschland zudem so viele rechts motivierte Gewalttaten registriert, wie seit 2016 nicht mehr. Nach Angaben der Bundesregierung haben die Bundesländer dem Bundeskriminalamt für 2025 insgesamt 1.598 solcher Taten gemeldet. In den meisten Fällen handelte es sich um Körperverletzung oder gefährliche Körperverletzung. Am Mittwochvormittag gingen Hunderte Ermittler mit einer bundesweiten Razzia gegen junge mutmaßliche Rechtsextremisten vor, darunter auch in Berlin und Brandenburg. Im Fokus stehen die Gruppierungen "Jung und Stark" sowie "Deutsche Jugend Voran". Wie die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe mitteilte, wurden rund 50 Objekte in zwölf Bundesländern durchsucht. Dafür seien mehr als 600 Polizeikräfte des Bundes und der beteiligten Bundesländer im Einsatz.