Datum06.05.2026 19:15
Quellewww.zeit.de
TLDRDas Technologieunternehmen TE Connectivity wird seine Produktion in Speyer bis 2028 schrittweise einstellen, was den Verlust von rund 500 Arbeitsplätzen bedeutet. Dies folgt auf die ähnliche Ankündigung von Mann+Hummel. Beide Konzerne nennen herausfordernde Marktbedingungen und Wettbewerbsdruck in der Automobilindustrie als Gründe. Oberbürgermeisterin Seiler kritisiert die "Systematik der Standortverlagerung" und fordert von Unternehmen und Politik Unterstützung für die betroffenen Beschäftigten und die Stadt.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Standortverlagerung“. Lesen Sie jetzt „Zweiter Großbetrieb zieht ab – Speyer verliert hunderte Jobs“. Nach Filterhersteller Mann+Hummel will auch das Technologieunternehmen TE Connectivity seine Produktion am Standort Speyer bis 2028 schrittweise beenden. Damit werden rund 630 Arbeitsplätze wegfallen, wie der US-Konzern mitteilte. Etwa 140 Arbeitsplätze in Engineering- und Verwaltungsfunktionen sollen demnach in Speyer erhalten bleiben. Das Unternehmen reagiert damit nach eigenen Angaben auf "ein zunehmend herausforderndes Marktumfeld im Automotive-Sektor" und damit konkreter auf einen anhaltenden Kosten- und Wettbewerbsdruck sowie eine schwache Nachfrage in Westeuropa. Den Mitarbeiten solle im engen Austausch mit der Agentur für Arbeit sowie mit internen Qualifizierungsangeboten der Übergang in eine neue Beschäftigung erleichtert werden. TE Connectivity wolle zudem sicherstellen, dass die Auszubildenden ihre Ausbildung vollständig abschließen könnten. Weltweit arbeiten in dem Unternehmen mehr als 90.000 Menschen. Sie entwickeln Konnektivitäts- und Sensorlösungen für die Verteilung und Übertragung von Strom, Signalen und Daten. Die Nachricht ist ein weiterer Schlag für die Domstadt am Rhein. Erst vor wenigen Wochen hatte der Filterhersteller Mann+Hummel eine Werksschließung in Speyer bis Ende 2028 angekündigt. Dort arbeiteten derzeit 600 Beschäftigte, davon 400 in der Produktion. Das Unternehmen wolle mit Arbeitnehmervertretern "tragfähige und sozialverträgliche Lösungen" erarbeiten. Auch hier wurde als Grund die Wettbewerbsfähigkeit genannt, die es langfristig zu sichern gelte. "Was wir hier sehen, ist nicht mehr ein einzelner Fall, es gleicht einem System der Standortverlagerung", sagte Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD). Der Rückzug von zwei der größten Industriebetriebe Speyers hinterlasse Menschen, die sich ein Leben aufgebaut hätten. "Es hinterlässt Familien, in denen jetzt die Existenzfrage am Tisch sitzt", sagte Seiler. "Und es hinterlässt eine Stadt, die seit Jahrzehnten zuverlässig die Voraussetzungen für industrielle Wertschöpfung geschaffen hat." Die Stadt fordere die Konzernleitungen beider Unternehmen auf, alle Möglichkeiten zu prüfen, bevor Verlagerungsentscheidungen als unumkehrbar gelten. Gleichzeitig richte die Oberbürgermeisterin Forderungen an die Landesregierung und die Bundesregierung. Die kommunale Ebene müsse im Strukturwandel, vor allem in der Automobilindustrie, unterstützt werden. "Speyer wird sich nicht damit abfinden, dass innerhalb von drei Wochen über 1.200 Industriearbeitsplätze auf der Streichliste stehen", sagte Seiler. "Wir erwarten auch, dass Konzerne, die jahrzehntelang von Speyer und den Beschäftigten profitiert haben, ihrer eigenen Verantwortung gerecht werden." © dpa-infocom, dpa:260506-930-44340/1