Demonstrationen: Protestcamp darf nicht am Ort von Deportationen stattfinden

Datum06.05.2026 18:29

Quellewww.zeit.de

TLDREin geplantes Protestcamp gegen Israel darf nicht an der Hamburger Moorweide stattfinden, da dies ein historischer Ort der Deportation jüdischer Hamburger im Zweiten Weltkrieg ist. Die Versammlungsbehörde untersagte die Nutzung der Moorweide. Das Camp soll nun im Sternschanzenpark stattfinden. Die federführende Gruppe "Thawra Hamburg" wird vom Verfassungsschutz als extremistisch beobachtet und vertritt Positionen, die als antisemitisch eingestuft werden. Die Jüdische Gemeinde und die FDP kritisieren das geplante Camp.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Demonstrationen“. Lesen Sie jetzt „Protestcamp darf nicht am Ort von Deportationen stattfinden“. Ein an der Hamburger Moorweide geplantes Protestcamp gegen Israel soll ab Samstag im Sternschanzenpark stattfinden. "Unter Berücksichtigung des besonderen historischen örtlichen Kontextes untersagte die Versammlungsbehörde die Nutzung der Örtlichkeit "Moorweide"", teilte ein Polizeisprecher mit. Die Versammlungsbehörde führe mit den Anmeldern des Camps Kooperationsgespräche.  Die Grünfläche am Dammtorbahnhof war im Zweiten Weltkrieg Sammelplatz für Tausende jüdische Hamburger, die von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet wurden. Zu dem einwöchigen Protestcamp ruft die Gruppe Thawra Hamburg auf.  Die Vereinigung wird seit 2025 vom Landesamt für Verfassungsschutz als extremistisch beobachtet. Eine Klage gegen die Beobachtung hatte die Gruppe nach Angaben des Landesamts im vergangenen März zurückgezogen. Das Gericht hatte zuvor erklärt, dass vieles dafür spreche, dass Anhaltspunkte für Bestrebungen gegen den Gedanken der Völkerverständigung vorlägen. Hierzu zählte das Gericht die Unterstützung oder Befürwortung militärischer Aktionen von Hamas und Hisbollah gegen Israel. Nach einem Bericht von NDR 90,3 hat die Jüdische Gemeinde Hamburg die Bürgerschaft in einem offenen Brief aufgefordert, sich von dem geplanten Camp zu distanzieren und die Moorweide dauerhaft als geschützten Gedenkort anzuerkennen. Auch von der FDP kam Kritik: "Ein erneutes Camp auf der Moorweide, welches von Gruppierungen organisiert wird, die nachweislich antisemitische Positionen vertreten, ist indiskutabel und darf nicht genehmigt werden", erklärte der FDP-Landesvorsitzende Finn Ole Ritter. Bereits vor zwei Jahren hatte es am Rande der Moorweide ein antiisraelisches Protestcamp gegeben. Die Zelte und Transparente waren Anfang Mai 2024 aufgebaut und erst im September wieder abgebaut worden. © dpa-infocom, dpa:260506-930-44226/1