Datum06.05.2026 17:43
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie SV-Gruppe will ihre Zeitungen wegen steigender Zustellkosten auf eine Auslieferung am Vorabend umstellen. Ziel ist es, die gedruckte Zeitung langfristig zu erhalten. Die Aktualität wird dabei leicht abnehmen, da digitale Kanäle für Echtzeitnachrichten genutzt werden. Diese Neuerung, die zunächst getestet wurde, soll im gesamten Verbreitungsgebiet eingeführt werden und ermöglicht eine bessere Auslastung des Liefernetzes.
InhaltViele Lokalzeitungen stehen wirtschaftlich unter Druck. Nun will die SV-Gruppe, im Südwesten und Nordosten Deutschlands aktiv, ihre Blätter schon am Abend oder späten Nachmittag ausliefern. Das soll Kosten senken. Die SV-Gruppe, zu der unter anderem die Blätter "Schwäbische Zeitung", "Nordkurier" und "Schweriner Volkszeitung" gehören, will ihre gedruckten Zeitungen künftig am Vorabend statt am frühen Morgen zustellen. "Wir testen diese Umstellung seit geraumer Zeit", sagt SV-Geschäftsführer Lutz Schumacher in einem Interview seines Hauses. Noch in diesem Jahr soll es nicht nur in ersten Testregionen, sondern im gesamten Verbreitungsgebiet so sein. Mit der Auslieferung der Zeitung am Abend oder späten Nachmittag will die Mediengruppe Schumacher zufolge Kosten sparen und die gedruckte Zeitung noch so lange wie möglich erhalten. "Wir wollen, dass es auch in zehn Jahren noch gedruckte Zeitungen gibt. Das ist aber eine große Herausforderung", sagt der Medienmanager. "Denn die Zustellung ist sehr, sehr teuer geworden und wird auch weiter teurer werden, allein schon durch die Erhöhung des Mindestlohns." Angesichts steigender Kosten stehen die Printausgaben vielerorts unter Druck. Vor allem in dünn besiedelten Regionen gilt die Zustellung als zunehmend unwirtschaftlich. Erste Verlage haben dort die Belieferung einzelner Gebiete bereits eingestellt oder stark eingeschränkt. Andere Häuser reduzieren den Erscheinungsrhythmus und bringen ihre Titel nicht mehr an jedem Werktag als Printausgabe heraus. Schumacher räumt ein, dass die gedruckten Ausgaben an Aktualität verlieren werden. "Die Aktualität wird einen gewissen Einschnitt haben, weil wir etwas früher drucken müssen, um gesichert am Vorabend zuzustellen." Die Printausgabe sei aber "in der Nachrichtenkette in den vergangenen 20 Jahren ohnehin nach hinten gerutscht". Das bedeute: "Es ist nicht mehr ihr Anspruch, wirklich minutenaktuell zu sein. Dafür stehen digitale Medien zur Verfügung." Den Sonderweg in der Branche will die SV-Gruppe gehen, weil sie so ihr Liefernetz auch für andere Produkte besser nutzen könne. "Wir nehmen unser Logistiknetz, unsere Zustellerinnen und Zusteller und stellen viele andere Produkte auch zu. Pakete, Lebensmittel, Medikamente, Briefe und nehmen die Zeitung auf diesem Weg mit", sagt Schumacher. Der Nachmittag oder Abend sei für diese Lieferungen verschiedener Angebote der bessere oder einzig mögliche Zeitpunkt. Viele Produkte stünden morgens oder nachts nicht zur Verfügung. Mit den bereits laufenden Tests in mehreren Lokalausgaben habe die Mediengruppe gute Erfahrungen gemacht. Nun soll der Wechsel überall erfolgen. Die Erscheinungstage der Printzeitungen verschieben sich dann: "Die gedruckte Ausgabe erscheint nicht mehr von Montag bis Samstag, sondern von Dienstag bis Sonntag." Digital werde es die Zeitung als Ausgabe an allen sieben Wochentagen geben.