Bayern kontra Ruhrgebiet: Die Grünen, der Ruhrpott und eine Lehrstunde für München

Datum06.05.2026 15:58

Quellewww.zeit.de

TLDRDie Grünen haben den Münchner Kulturbetrieb kritisiert und ihn mit Städten wie Bottrop oder Gelsenkirchen verglichen. Dies löste Protest aus dem Ruhrgebiet aus, woraufhin die Grünen zurückruderten und die kulturelle Zusammenarbeit von dessen Städten lobten. Sie betonten, dass das Ruhrgebiet mit deutlich geringeren Mitteln viel Kultur biete, im Gegensatz zum geplanten, aber stockenden Münchner Konzerthausprojekt.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Bayern kontra Ruhrgebiet“. Lesen Sie jetzt „Die Grünen, der Ruhrpott und eine Lehrstunde für München“. Muss man sich in München vor der "Liga Bottrop" fürchten? In einem Zitat hatten die Grünen im bayerischen Landtag den Anschein erweckt. Sie kritisierten den Mangel von Spielstätten für Spitzenkultur und warnten, München würde aus der Liga mit Wien, Paris oder London absteigen, "in Richtung Bottrop oder Gelsenkirchen". Aus dem Ruhrgebiet kam prompt Protest. Nun lenken die Grünen ein - "nix für ungut und herzliche Grüße" - und laden Vertreter beider Städte in den Landtag ein. Tatsächlich würde die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Claudia Köhler (Bündnis 90/Grüne) so eine Liga nun begrüßen. "Schön wär’s! Denn die bayerische Staatsregierung könnte viel von Bottrop und vom Revier lernen", sagte Köhler (Bündnis 90/Grüne) der dpa in München, wo das seit 2015 in Planung befindliche Konzerthaus des Freistaats seit Jahren für Debatten sorgt.  Nach einer Explosion der geschätzten Kosten auf rund eine Milliarde Euro wurde abgespeckt. Aus dem Kunstministerium hieß es, man wolle "baldmöglichst die notwendige Klarheit für den weiteren Fortgang des Projekts herstellen" und rasch offene "Einzelfragen der Redimensionierung" klären. In der Tat hat das Ruhrgebiet eine beachtliche und spannende Kulturszene, auch wenn man das aus Münchner Sicht oft nicht glauben mag, getreu dem Motto "Mia san mia".  Gelsenkirchen habe mit dem Musiktheater im Revier seit vielen Jahren ein erfolgreiches Opern- und Konzerthaus mit eigenem Orchester - und das für ganz andere Summen, betonte ein Stadtsprecher. So habe die gründliche Sanierung der Hausakustik vor zehn Jahren ganze 2,7 Millionen Euro gekostet. "Man muss keine Milliarde ausgeben für Hochkultur." Und auch Bottrop konterte: "Klar haben wir weniger Geld als München und auch kein eigenes Konzerthaus." Aber rund um die Stadt stünden renommierte Häuser etwa in Essen, Dortmund, Bochum, Duisburg und Gelsenkirchen für die Bottroper bereit. "Unter dem Strich sind das mehr Angebote als in München." Claudia Köhler räumt nun ein: "Bottrop schafft mit wenig Geld viel Kultur. Herr Söder schafft mit viel Geld noch gar nichts", sagte sie in Richtung des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU). Dessen Kunstministerium hatte unlängst berichtet, dass für das Konzerthaus seit 2015 schon 43,7 Millionen Euro ausgegeben wurden, "obwohl noch kein einziger Kieselstein bewegt wurde", wie die Grünen kritisierten. Köhlers Wunsch: die Staatsregierung möge sich von der erfolgreichen kulturellen Zusammenarbeit im Ruhrgebiet "ruhig ein bisschen was abschauen". Daher auch die Einladung an die Städte, "um von den guten Konzepten im Revier zu lernen und diese unserem Ministerpräsidenten näherzubringen. Wo sich hier nichts tut, sind wir gespannt zu lernen: Was würde Bottrop alles mit 44 Millionen Euro schaffen?". © dpa-infocom, dpa:260506-930-43329/1