Pietrangelo Buttafuoco: Biennale-Präsident verteidigt russische Teilnahme

Datum06.05.2026 15:58

Quellewww.zeit.de

TLDRDer Präsident der Biennale Venedig, Pietrangelo Buttafuoco, verteidigt die russische Teilnahme trotz des Rücktritts der internationalen Jury. Er betont die Kunstfreiheit und kritisiert Europa als "Brutstätte der Intoleranz", da es auf Zensur und Ausgrenzung setze statt auf Meinungsfreiheit. Buttafuoco sieht die Biennale als Ort der Begegnung, gerade in Zeiten globaler Konflikte. Die Entscheidung zur Teilnahme Russlands hatte zu Spannungen mit der italienischen Regierung geführt.

InhaltWegen der russischen Teilnahme trat die internationale Jury der Biennale zurück. Ihr Präsident rechtfertigt die Entscheidung: Europa sei eine "Brutstätte der Intoleranz". Inmitten politischer Spannungen wegen der Teilnahme Russlands hat der Präsident der Biennale in Venedig die Freiheit und Autonomie der Kunstausstellung betont. Es sei ein Ort des Friedens und der Diskussion, sagte Pietrangelo Buttafuoco beim Auftakt der 61. Biennale. Buttafuoco hatte entschieden, russische Künstler teilnehmen zu lassen. Daraufhin war die internationale Jury Ende April geschlossen zurückgetreten. In den vergangenen Wochen hatte es auch mit der italienischen Regierung politische Spannungen gegeben. Der italienische Kulturminister Alessandro Giuli warf Buttafuoco vor, er betreibe "Neben-Außenpolitik". Buttafuoco sagte nun, es verwundere ihn, dass "diese ganze Welt, die aus der Französischen Revolution, der Aufklärung, dem Laizismus und dem Streben nach der perfekten Formel der Demokratie hervorgegangen ist", sich in ihr genaues Gegenteil verwandelt habe: "in eine Brutstätte der Intoleranz und der Forderungen nach Zensur, Abschottung und Ausgrenzung." Wenn die Biennale anfangen würde, nicht die Werke, sondern die Zugehörigkeiten auszuwählen, "nicht die Visionen, sondern die Pässe" der Künstler, dann würde sie aufhören, das zu sein, was sie immer gewesen sei. "Sie ist der Ort, an dem die Welt sich trifft und begegnet", sagte Buttafuoco: "Umso mehr, wenn die Welt zerrissen ist." Nicht nur seien bei der diesjährigen Biennale die Ukraine und Russland vertreten. "Plötzlich konnte ich die Flaggen des Iran und Israels nebeneinander sehen, und zwar nicht nur wegen der alphabetischen Reihenfolge." Erst am Dienstag hatte die Biennale bekannt gegeben, dass der Iran nicht teilnehmen wird. Gründe für die Absage wurden nicht genannt. Die Biennale, die bis zum 22. November für Besucher geöffnet ist, zählt zu den wichtigsten Veranstaltungen zeitgenössischer Kunst weltweit.