Datum19.11.2025 18:47
Quellewww.spiegel.de
TLDRCuraçao hat sich sensationell für die Fußball-WM 2026 qualifiziert, indem es im letzten Spiel gegen Jamaika 0:0 unentschieden spielte und somit die Gruppe anführte. Trainer Dick Advocaat, bekannt für seine disziplinierte und ehrliche Art, war beim Triumph nicht anwesend, da er familiäre Gründe angab. Seine Amtszeit auf der karibischen Insel führte zu diesem historischen Erfolg, der als einer der größten Sensationen in der WM-Geschichte gilt.
InhaltDas kleine Curaçao hat sich sensationell für die Fußball-WM qualifiziert. Einer fehlte entschuldigt am Abend des Triumphs: Trainer Dick Advocaat. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. In der Kolumne "Haltungsnote" würdigen oder kritisieren wir jede Woche besondere Auftritte in der Sportwelt. Der niederländische Fußballlehrer Dick Advocaat, 78, hat in seiner langen Karriere einige schöne Erfolge und viele spektakuläre Misserfolge erlebt. Mit Eindhoven und den Glasgow Rangers war er Meister und Pokalsieger, bei der EM 2004 führte er sein Heimatland immerhin ins Halbfinale. Danach trainierte er, unter anderem, Borussia Mönchengladbach und Zenit St. Petersburg, den AFC Sunderland und Fenerbahçe Istanbul, er war Nationaltrainer in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Südkorea, in Belgien, Russland, Serbien und im Irak. Nirgends blieb er lange, überall galt er als verbissen. Der "kleine General", wie er genannt wird, schätzt Disziplin und hasst Misserfolg. "Ich bin überhaupt nicht tolerant", sagte er von sich, "aber ehrlich." Seit dem vergangenen Jahr ist Advocaat Trainer auf Curaçao, einer Karibikinsel vor der Küste Venezuelas: 444 Quadratkilometer (doppelt so groß wie Chemnitz), 156.115 Einwohner, die auf Reiseportalen als "gut gelaunt" beschrieben werden. Für die WM im kommenden Jahr hat sich Curaçao gerade qualifiziert, durch ein 0:0 gegen Jamaika: Gruppenerster, kein Qualifikationsspiel verloren, es ist eine der größten Sensationen der WM-Geschichte. Zur Einordnung: Jordi Paulina, der beim 7:0-Auswärtssieg gegen Bermuda zwei Tore schoss, spielt bei der zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund in der Regionalliga West. Und Advocaat? Erlebte den größten Triumph seiner Karriere in den Niederlanden, 14 Flugstunden von Kingston entfernt. "Familiäre Gründe" waren es, die ihn fernhielten. "Die Familie ist wichtiger als Fußball", sagte Advocaat vor dem Spiel. Für Curaçao ein Glücksfall: ein General mit einem Sinn für Prioritäten.