Nahost-Krieg: Bundesbank warnt vor Abwürgen der deutschen Erholung

Datum06.05.2026 13:50

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie Bundesbank warnt, dass der Nahostkrieg die deutsche Wirtschaftserholung abwürgt. Die Preissteigerungen, insbesondere bei Energie, breiten sich aus und verschlechtern die Wachstumsaussichten. Die Inflation wird voraussichtlich höher ausfallen als erwartet. Die Dauer des Konflikts ist entscheidend für die Finanzstabilität. Es gibt Anzeichen für eine baldige Zinserhöhung durch die EZB, um die Inflation einzudämmen, was jedoch das Wirtschaftswachstum bremsen könnte.

InhaltDie durch den Nahostkrieg ausgelösten Preissteigerungen fressen sich durch die gesamte Volkswirtschaft, fürchtet die Bundesbank. Vom ursprünglich 2026 erwarteten deutschen Aufschwung dürfte deshalb nicht viel übrig bleiben. Bundesbank-Vorstand Michael Theurer rechnet mit längeren Auswirkungen des Nahostkriegs. Die Folgen für die Finanzstabilität ​hingen vor allem von der Dauer des Konflikts ab, sagte Theurer der ‌Nachrichtenagentur Reuters. "Von kurzfristigen Auswirkungen kann zwei Monate nach Ausbruch schon keine Rede mehr sein. Geopolitische Risiken haben sich manifestiert." Der Krieg würge das "zarte Pflänzchen" einer konjunkturellen Erholung in Deutschland ab. Die meisten Ökonomen und auch ​die Regierung hatten ihre Wachstumserwartungen zuletzt deutlich nach unten revidiert. Es wird jetzt noch ⁠in ⁠etwa mit einem Plus des Bruttoinlandsprodukts von 0,5 Prozent in diesem Jahr gerechnet. Die Inflation dürfte eher bei drei Prozent ‌als zwei Prozent liegen. Das ist eine direkte ​Folge des ‌Irankriegs, der die Spritpreise an den Tankstellen nach oben getrieben hat. "Analysten weisen darauf hin, dass sich diese Energiepreiserhöhungen durch die gesamte Volkswirtschaft durchfressen", sagte Theurer, der bei ‌der deutschen Notenbank für Finanzstabilität sowie die Bankenaufsicht zuständig ist. "Die Lehre aus dem Inflationsanstieg nach dem russischen Angriffskrieg auf ‌die Ukraine vor vier ​Jahren zeigt, dass Notenbanken ‌hier äußerst achtsam sein müssen." Im EZB-Rat zeichnet ‌sich ​Insidern zufolge eine Bereitschaft zu Zinserhöhungen ab. Es laufe auf eine erste Zinserhöhung im ​Juni hinaus, sollte sich ⁠die Lage nicht ändern. Bei deutlich steigenden Inflationsraten steuern Zentralbanken in der Regel mit Anhebungen des Leitzinses gegen – Unternehmen und Privatleute können dann nur noch zu teureren Konditionen Kredite aufnehmen. Weil das aber auch zu einer Abnahme der wirtschaftlichen Aktivität führt, sind Zinsanhebungen bei Politikern unbeliebt. In den USA etwa liefert sich Präsident Trump seit Langem eine Fehde mit dem Chef der US-Notenbank Federal Reserve Jerome Powell zu dem Thema. Trump will niedrige Zinsen für höheres Wirtschaftswachstum, die Fed hingegen fürchtet einen Anstieg der Inflation.