Regierungswechsel in Ungarn: Polizei ermittelt bei Orbán-naher Mediengruppe

Datum06.05.2026 12:45

Quellewww.spiegel.de

TLDRKurz vor dem Regierungswechsel in Ungarn ermittelt die Polizei gegen Firmen eines Orbán-nahen Unternehmers wegen Geldwäsche und überteuerter Verträge. Gelder wurden beschlagnahmt und Konten eingefroren. Betroffen sind die Kampagnenfirmen von Gyula Balásy. Der designierte Ministerpräsident Péter Magyar, der Orbán ablösen wird, hat Korruptionsbekämpfung angekündigt.

InhaltKonten eingefroren, Gelder beschlagnahmt: Kurz vor dem Machtwechsel treffen Ermittlungen die Kampagnenfirmen eines Unternehmers, der Viktor Orbán nahesteht. Es geht um Geldwäsche und überteuerte Verträge. Kurz vor dem offiziellen Regierungswechsel in Ungarn ermittelt die Polizei bei Unternehmen aus dem Umfeld des scheidenden Ministerpräsidenten Viktor Orbán. Wegen des ​Verdachts auf Veruntreuung und Geldwäsche seien Gelder beschlagnahmt und Konten eingefroren worden, teilten die Ermittler mit. Betroffen sind Firmen des Unternehmers Gyula Balásy, die über ein Jahrzehnt lang Regierungskampagnen für Orbán entwarfen. Balásy kooperiere mit den Behörden, teilte seine Unternehmensgruppe Lounge auf Reuters-Anfrage mit. Balásy hatte am Montag in einem Interview der Nachrichtenseite "Kontroll" erklärt, er biete dem Staat die Übernahme ​seiner Unternehmen an. Dies geschehe jedoch nicht, weil er etwas zu verbergen habe oder unrechtmäßig vorgegangen sei. In ihrer Mitteilung bezog sich die ungarische Polizei auf ebendieses Interview. Ermittelt werde im Zusammenhang mit einer auf Veranstaltungsorganisation spezialisierten Unternehmensgruppe, hieß es. Dies habe der Firmenchef selbst in der Presse öffentlich gemacht. ‌Die Ermittlungen richteten sich gegen Unbekannte und basierten auf ​Informationen einer Spezialeinheit der ‌Steuerbehörde. Zudem gebe es eine Untersuchung wegen des Verdachts auf überteuerte Verträge. Balásys Unternehmen entwarfen unter anderem Orbáns jüngste Wahlkampagne, die die Wahl als Entscheidung zwischen Krieg und Frieden dargestellt hatte, sowie frühere Kampagnen gegen Einwanderung. Nach Angaben ‌von Transparency International erhielten Balásys Firmen allein zwischen 2019 und 2021 staatliche Aufträge im Wert von 295 Milliarden Forint (rund 816 Millionen Euro). Die Aufträge stammten ‌zumeist vom Nationalen Kommunikationsbüro. Der designierte Ministerpräsident Péter Magyar, dessen Mitte-rechts-Partei Tisza im April ‌die Parlamentswahl gewonnen hatte, soll den seit 16 Jahren regierenden ‌Orbán am ​Samstag ablösen. Magyar hat angekündigt, hart gegen Korruption vorzugehen und gestohlenes Staatsvermögen zurückzuholen. Am 28. April hatte er erklärt, ​die Steuerbehörden hätten Geldtransfers ins Ausland durch ⁠nicht identifizierte Personen blockiert, die mit ​einem ​Vertrauten Orbáns in Verbindung stünden.