Nordkorea: Nordkorea streicht Ziel der Wiedervereinigung aus der Verfassung

Datum06.05.2026 11:58

Quellewww.zeit.de

TLDRNordkorea hat seine Verfassung überarbeitet und das Ziel der Wiedervereinigung mit Südkorea gestrichen. Das Land definiert sich nun geografisch und betrachtet Südkorea als "Feind". Diese Änderung spiegelt die Doktrin von Machthaber Kim Jong-un wider, der bereits Ende 2023 Südkorea als "Hauptfeind" bezeichnet hatte. Zuvor hatte Nordkorea seit seiner Gründung die Wiedervereinigung angestrebt.

InhaltNordkorea hat sich erstmals geografisch definiert und alle Bezüge zur Wiedervereinigung mit Südkorea aus der Verfassung gestrichen. Südkorea gilt damit als "Feind". Nordkorea hat seine Verfassung überarbeitet und sämtliche ​Bezüge zu einer Wiedervereinigung mit Südkorea gestrichen. Dies geht aus einer Neufassung hervor, die offenbar bereits im März auf einem Kongress in Nordkorea beschlossen worden war und am Mittwoch auf einer Pressekonferenz des südkoreanischen Wiedervereinigungsministeriums vorgestellt wurde. In dem neuen Verfassungstext wird das Land demnach erstmals über seine geografische Lage definiert. Auch heißt es darin, dass Nordkorea keine Verletzung seines ⁠Territoriums dulden werde, wie ein Experte auf ​einer Unterrichtung des südkoreanischen Ministeriums für Wiedervereinigung in Seoul sagte. Mit der Änderung verankert Nordkorea ‌eine ⁠von Machthaber Kim Jong-un ausgegebene ​Doktrin, wonach Südkorea als Feind zu betrachten ist. Seit der Staatsgründung 1948 hatte die nordkoreanische Regierung es zum Ziel erklärt, auf eine politische Vereinigung mit dem Süden hinzuarbeiten. Erstmals rückte Machthaber Kim Jong-un Ende 2023 rhetorisch von diesem Ziel ab; Südkorea erklärte er damals zum "Hauptfeind". Im Januar 2024 ließ die Regierung das symbolische Denkmal für die Wiedervereinigung abreißen, ein 30 Meter hohes Monument im Süden der Hauptstadt Pjöngjang. Die letzten Änderungen gehen wohl auf einen großen Kongress im März zurück, auf dem Kim Jong-un den Süden als "den uns am meisten feindlich gesinnten Staat" bezeichnete. Anstelle des Ziels der Wiedervereinigung enthält die Neufassung nun eine Definition des nordkoreanischen Staatsgebiets, das demnach im Norden an Russland und China grenzt und "im Süden an die Republik Korea". "Durch die Streichung von Verweisen auf die Wiedervereinigung scheint Nordkorea sagen zu wollen, dass es nicht mehr versuchen wird, südkoreanisches Territorium zu beanspruchen", sagte Yang Moo-jin, emeritierter Professor an der Universität für Nordkoreanische Studien in Seoul. Pjöngjang wiederum "erwartet, dass der Süden nicht das Territorium des Nordens beansprucht", sagte er weiter. Zuletzt hatte der südkoreanische Präsident Lee Jae-myung zu Gesprächen mit dem Norden aufgerufen, um "die Blume des Friedens zum Blühen zu bringen". Nordkorea war aber nicht auf das Gesprächsangebot eingegangen. Nord- und Südkorea sind auch über sieben Jahrzehnte nach dem Ende des Koreakriegs im Jahre 1953 formell weiterhin im Kriegszustand.