Hantavirus: Präsident der Kanaren will Kreuzfahrtschiff nicht anlegen lassen

Datum06.05.2026 11:52

Quellewww.zeit.de

TLDRPräsident der Kanaren, Fernando Clavijo, lehnt das Anlegen eines Kreuzfahrtschiffs mit Hantavirus-Patienten ab. Die spanische Zentralregierung wollte die Erkrankten auf Teneriffa behandeln lassen. Die WHO bestätigt die Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Andes-Stamms. Das Schiff "Hondius" war in Argentinien gestartet, drei Personen starben.

InhaltTeneriffas Regierung will das Kreuzfahrtschiff, auf dem sich Hantavirus-Patienten befinden, nicht einlaufen lassen. Die WHO bestätigt Übertragung von Mensch zu Mensch. Die Regionalregierung der Kanarischen Inseln hat den Plan kritisiert, ein Kreuzfahrtschiff mit mehreren mit dem Hantavirus infizierten Menschen anlegen zu lassen. Der Präsident der Inselgruppe, Fernando Clavijo, wies ein entsprechendes Vorhaben der spanischen Zentralregierung in Madrid zurück. "Ich kann nicht zulassen, dass das Schiff auf den Kanarischen Inseln einläuft", sagte Clavijo dem Radiosender Onda Cero. "Diese Entscheidung beruht nicht auf technischen Kriterien, zudem haben wir nicht genügend Informationen erhalten", fügte er hinzu. Clavijo hält sich derzeit in Brüssel auf. Er kündigte an, sich rasch mit Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez treffen und über die Angelegenheit sprechen zu wollen. Zuvor hatte das spanische Gesundheitsministerium mitgeteilt, das Kreuzfahrtschiff Hondius dürfe die Kanaren anlaufen. Auf Teneriffa würden medizinische Teams alle Passagiere und Besatzungsmitglieder behandeln und sie anschließend in ihre jeweiligen Heimatländer überführen, hieß es. Dieses Vorgehen sei mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Europäischen Union abgestimmt worden. Das Ministerium sprach von einer "moralischen und rechtlichen Verpflichtung", den Menschen an Bord zu helfen. Das Schiff wurde binnen drei bis vier Tagen auf den Kanaren erwartet. Wie die WHO mitteilte, ist für Mittwoch geplant, zwei erkrankte Besatzungsmitglieder und eine weitere Kontaktperson vom Schiff zu bergen und auszufliegen. Demnach sollen sie im Hafen der kapverdischen Hauptstadt Praia von Bord gehen und mit Rettungswagen zum außerhalb der Stadt gelegenen Flughafen gebracht werden. Der Gesundheitszustand der drei Betroffenen sei "stabil", einer von ihnen habe bislang keine Symptome. Im Anschluss an die Bergung der Patienten soll die Hondius Kap Verde verlassen – bisherigen Plänen zufolge in Richtung Kanaren. Das Luxuskreuzfahrtschiff mit rund 150 Menschen an Bord liegt seit Sonntag vor Kap Verde im Atlantik, nachdem zuvor das Virus an Bord festgestellt worden war. Drei Menschen, darunter eine Deutsche, starben bisher an den Folgen einer Infektion. Labortests in Südafrika bestätigten inzwischen, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragen wurde. Bei einem nach Südafrika ausgeflogenen Passagier sei vorläufigen Testergebnissen zufolge der von Mensch zu Mensch übertragbare Andes-Stamm des Hantavirus nachgewiesen worden, teilte Südafrikas Gesundheitsminister Aaron Motsoaledi mit. Die WHO bestätigte das Andes-Hantavirus. Hantaviren werden üblicherweise über die Ausscheidungen von Nagetieren übertragen und lösen meist schwere Atemwegserkrankungen aus. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist in seltenen Fällen auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich. Dies ist zum Beispiel bei dem in Südamerika verbreiteten Andes-Virusstamm der Fall. Die Hondius hatte ihre Reise in Argentinien begonnen. Wie der niederländische Kreuzfahrtveranstalter Oceanwide Expeditions mitteilte, war ein Passagier aus den Niederlanden bereits am 11. April an Bord gestorben. Seine Frau ging am 24. April auf der Insel St. Helena im Südatlantik von Bord, von wo aus sie nach Johannesburg flog. Dort starb sie am 26. April in einem Krankenhaus. Ein britischer Passagier, der derzeit auf einer Intensivstation in Johannesburg behandelt wird, sowie ein in die Schweiz zurückgekehrter Passagier wurden ebenfalls positiv auf das Virus getestet.