Datum06.05.2026 07:15
Quellewww.zeit.de
TLDRDas US-Militär hat im Pazifik drei Männer auf einem mutmaßlichen Drogenboot getötet. Dies geschieht im Rahmen von Operationen unter Präsident Trump, die den Drogenfluss stoppen sollen. Kritiker zweifeln die Rechtmäßigkeit und Beweislage der Angriffe an und sprechen von Menschenrechtsverletzungen. Der UN-Menschenrechtskommissar bezeichnet das Vorgehen als völkerrechtswidrig.
InhaltIm Pazifik hat das US-Militär drei Männer getötet, die angeblich in Drogenschmuggel verwickelt gewesen sein sollen. Ein Video zeigt eine Explosion. Das US-Militär hat erneut ein Boot angegriffen, deren Besatzung sie Drogenschmuggel vorwirft. Dabei wurden drei Männer getötet, wie das zuständige US-Regionalkommando Southcom auf X mitteilte. Das Schiff habe sich auf einer bekannten Drogenhandelsroute im östlichen Pazifik befunden. Ein auf X veröffentlichtes Video zeigt ein Boot, das explosionsartig in Flammen aufgeht. Die Angaben des US-Militärs ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. Auf Anordnung von US-Präsident Donald Trump greift das US-Militär seit Herbst vergangenen Jahres Boote in der Karibik und im östlichen Pazifik an, mit denen angeblich Drogen in die USA geschmuggelt werden sollen. Erst am Montag hatte das Militär in der Karibik bei einem Angriff zwei Männer getötet. Laut US-Angaben wurden bislang mindestens 191 Menschen getötet. Trump hatte gesagt, dass sich die USA in einem "bewaffneten Konflikt" mit Kartellen in Lateinamerika befänden, und die Angriffe als notwendige Eskalation gerechtfertigt, um den Drogenfluss zu stoppen. Seine Regierung hat jedoch wenig Beweise vorgelegt, um diese Behauptungen zu untermauern. Kritiker stellen die Rechtmäßigkeit der Angriffe infrage. Einige von ihnen waren nach Angaben von Behörden und Angehörigen Fischer. Trotz des Irankriegs haben die Angriffe zuletzt wieder zugenommen. Hinterbliebene von Opfern der Angriffe haben die US-Regierung verklagt. Die Attacke im Oktober vergangenen Jahres, bei der die beiden Männer getötet wurden, käme einem Kriegsverbrechen gleich und sei Teil eines "beispiellosen und offenkundig rechtswidrigen US-Militäreinsatzes", hieß es in der Klageschrift, die bei einem Bundesgericht im Bundesstaat Massachusetts eingereicht wurde. US-Präsident Donald Trump hat wiederholt behauptet, Drogenschmuggel gefährde die Sicherheit der Vereinigten Staaten. Im Oktober 2025 erklärte er den Kampf gegen lateinamerikanische Kartelle vor diesem Hintergrund zu einem "bewaffneten Konflikt" und Kartellmitglieder zu "Kombattanten". Damit ebnete er den Weg für Einsätze des US-Militärs in einem Bereich, der eigentlich in die Zuständigkeit von Polizeibehörden wie der Küstenwache oder der Anti-Drogen-Behörde DEA fällt. Während das vorgebliche Ziel der US-Regierung – Drogenschmuggel zu unterbinden – in den USA breite Unterstützung erhält, ist die juristische und politische Begründung der Militäreinsätze jedoch umstritten. Bislang hat die US-Regierung für Angriffe auf Boote keine rechtliche Herleitung vorgelegt, die über den Verweis auf angebliche "Selbstverteidigung" hinausgeht. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International zweifeln die Grundlage für die Einstufung als "bewaffneten Konflikt" an und kritisieren, die US-Regierung habe nicht darlegen können, warum private Boote legitime militärische Ziele seien. Human Rights Watch kritisiert, es fehle an überprüfbaren Beweisen dafür, dass es sich bei den angegriffenen Booten tatsächlich um sogenannte "Drogenboote" handele. Offen bleibt zudem, ob nach bisherigen Angriffen Drogen sichergestellt werden konnten und weshalb – falls es tatsächlich um Strafverfolgung geht – Überlebende der Angriffe nicht festgenommen wurden. Volker Türk, Menschenrechtskommissar der Vereinten Nationen, bezeichnete das Vorgehen der USA als völkerrechtswidrig und inakzeptabel. Er warnte vor "außergerichtlichen Tötungen", forderte umfassende Ermittlungen und rief die US-Regierung auf, die Angriffe einzustellen. Human Rights Watch kritisierte die Angriffe und sprach von "ungesetzlichen außergerichtlichen Tötungen". Auch einige Mitglieder des US-Kongresses kritisieren das Vorgehen der Regierung, darunter zunehmend auch Mitglieder der Republikanischen Partei.