Sparpaket im Gesundheitssystem: ADAC warnt vor Einschränkungen bei der Luftrettung

Datum06.05.2026 08:07

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer ADAC warnt, dass geplante Ausgabenbremsen im Gesundheitssystem die flächendeckende Luftrettung gefährden könnten. Die Deckelung von Vergütungssteigerungen bedrohe Leistungen und Stationen, insbesondere in ländlichen Gebieten. Der ADAC-Chef kritisiert mangelnde Berücksichtigung der Folgen für die Notfallversorgung. Die Luftrettung sei bereits jetzt auf Spenden angewiesen und würde mit dem Sparpaket strukturell unterfinanziert, was trotz steigender Anforderungen und Kosten einen Widerspruch darstelle.

InhaltDie Koalition tritt bei den Krankenkassen auf die Ausgabenbremse – und könnte damit nach Ansicht des ADAC die flächendeckende Einsatzfähigkeit der Luftrettung gefährden. Der Dienst sei schon heute auf Spenden angewiesen. Die ADAC-Luftrettung warnt vor negativen Folgen des geplanten Krankenkassen-Sparpakets. "Sollte der Gesetzentwurf unverändert umgesetzt werden, drohen mittelfristig Einschränkungen von Leistungen oder sogar die Schließung einzelner Luftrettungsstationen", sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung, Frédéric Bruder. Das gefährde die flächendeckende Einsatzfähigkeit der Luftrettung. Besonders betroffen wären demnach ländliche und strukturschwache Regionen, in denen die Luftrettung häufig eine entscheidende Rolle bei lebensbedrohlichen Notfällen spielt, weil es dort weniger Rettungswachen und Krankenhäuser gebe. "Beim Entwurf der Reform sind die absehbaren Folgen für die Notfallversorgung offensichtlich nicht ausreichend berücksichtigt worden", kritisiert Bruder. Eine Korrektur sei dringend erforderlich. Ihm geht es dabei um eine im Gesetzentwurf vorgesehene Begrenzung von Vergütungssteigerungen. Die Koalition setzt dabei – den Empfehlungen von Experten folgend – auf eine "einnahmen-orientierte Ausgabenpolitik". Damit die Kassen nicht mehr Geld ausgeben, als sie einnehmen, sollen die Vergütungen für Leistungserbringer wie die Luftrettung, aber auch Ärzte und Krankenhäuser nicht sich am Wachstum der sogenannten Grundlohnrate orientieren. Hintergrund sind die teils erheblichen Kostensteigerungen im Gesundheitswesen der vergangenen Jahre. Dabei waren auch die Ausgaben für Rettungseinsätze stark gewachsen. Allerdings machen die Ausgaben für Luftrettung laut einer Auswertung der AOK dabei nur einen winzigen Bruchteil aus . Zudem seien die Ausgaben für Luftrettung laut AOK unterdurchschnittlich gewachsen. Bereits jetzt sei die Luftrettung teilweise auf Spenden angewiesen. Bei Umsetzung des Gesetzes wäre die Luftrettung dauerhaft strukturell unterfinanziert. Kurzfristige Einsparungen seien aber kaum möglich, schließlich würden Investitionen in Hubschrauber, medizinische Ausstattung und Rettungsstationen über Jahrzehnte geplant. Gleichzeitig stiegen die Anforderungen an die Luftrettung durch immer längere Transportwege für die Patienten. "Mehr Verantwortung und mehr Einsätze bei gleichzeitig gedeckelter Finanzierung - das steht in einem klaren Widerspruch", so Bruder. Vergangenes Jahr flog die ADAC-Luftrettung nach eigenen Angaben knapp 49.000 Einsätze, das waren minimal weniger als im Jahr 2024. Für sie und ihre Tochterunternehmen arbeiten bundesweit rund 1.500 Menschen, darunter 180 Piloten und rund 670 Notärzte. Das Sparpaket soll für stabile Beiträge bei den gesetzlichen Krankenkassen sorgen. Geplant sind darin Ausgabenbremsen bei Praxen, Kliniken und Pharmabranche - aber etwa auch höhere Zuzahlungen für Medikamente und Einschränkungen der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern.