Datum06.05.2026 00:33
Quellewww.zeit.de
TLDRSpanien erlaubt einem Kreuzfahrtschiff mit Hantavirus-Verdacht nach Kap Verde, die Kanaren anzulaufen. Nach Auskunft der WHO hat Kap Verde nicht ausreichend Kapazitäten. Medizinische Teams werden die Passagiere versorgen und in ihre Heimatländer überführen. Das ECDC prüft Ausflüge von Verdachtsfällen. Drei Personen starben bereits, darunter eine Deutsche. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wird beim vermuteten Anden-Typ des Virus nicht ausgeschlossen.
InhaltWeil die Kapazitäten auf Kap Verde laut WHO nicht ausreichen, soll das Schiff an den Kanaren anlegen. Zuvor werden Passagiere mit Verdacht auf das Virus ausgeflogen. Spanien hat dem wegen eines Ausbruchs des Hantavirus vor Kap Verde ankernden Kreuzfahrtschiff das Anlaufen eines Hafens auf den Kanarischen Inseln erlaubt. Sobald die Hondius die Kanaren erreiche, würden medizinische Teams alle Passagiere und Besatzungsmitglieder behandeln und sie in ihre jeweiligen Heimatländer überführen, teilte das spanische Gesundheitsministerium mit. Dies sei mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der EU abgestimmt worden. "Spanien hat eine moralische und rechtliche Verpflichtung, diesen Menschen zu helfen, unter denen sich auch mehrere spanische Staatsbürger befinden", teilte das Ministerium mit. Demnach könne Kap Verde die Versorgung nach Auffassung der WHO nicht bewerkstelligen. Auf den Kanarischen Inseln befinden sich nach Ministeriumsangaben die nächstgelegenen Häfen mit den nötigen Kapazitäten. Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) untersuche das Schiff, um festzustellen, welche Personen von Kap Verde ausgeflogen werden müssen, teilte das Ministerium mit. Mindestens zwei erkrankte Menschen an Bord sowie eine weitere Person sollen nach Angaben des Betreibers in die Niederlande geflogen werden. Die übrigen Passagiere werden voraussichtlich innerhalb von drei bis vier Tagen auf den Kanaren eintreffen. Das Kreuzfahrtschiff mit rund 150 Menschen an Bord liegt seit Sonntag vor Kap Verde im Atlantik vor Anker, nachdem zuvor das Virus an Bord festgestellt worden war. Die Behörden des afrikanischen Inselstaates lassen die Passagiere nicht an Land. Drei Menschen, darunter eine Deutsche, starben bisher. Der Leichnam der deutschen Staatsbürgerin befindet sich weiterhin auf dem Schiff. Die WHO geht mittlerweile von Infektionen von Mensch zu Mensch aus. Das Hantavirus werde zwar üblicherweise durch Ausscheidungen von Nagetieren übertragen. Doch bei dem Anden-Typ des Virus, der in diesem Fall vermutet wird, seien auch Infektionen zwischen Menschen bei engem Kontakt möglich, erklärte die Epidemiologin Maria Van Kerkhove. Die Hondius hatte ihre als Naturexpedition in die Antarktis beworbene Reise im März in Ushuaia in Südargentinien begonnen. Das Schiff hatte auf seiner Fahrt einige der entlegensten Orte der Welt besucht, darunter die Insel Tristan da Cunha im Südatlantik. Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem mittlerweile verstorbenen niederländischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien noch an Land angesteckt haben könnte. Die Epidemiebehörde Ushuaias teilte der Nachrichtenagentur AFP mit, es sei "höchst unwahrscheinlich", dass das Virus seinen Ursprung vor Ort habe. In der Provinz sei kein Fall nachgewiesen worden.