Mutmaßlicher Justizskandal: Was einen Auftragsmord mit einem Justizskandal verbindet

Datum06.05.2026 04:00

Quellewww.zeit.de

TLDREin mutmaßlicher Justizskandal in Stuttgart verknüpft einen gescheiterten Auftragsmord mit einem Datenleck in der Staatsanwaltschaft. Zwei Mitarbeiter werden der Bestechung und Verletzung von Dienstgeheimnissen beschuldigt, da sie interne Informationen abgerufen und weitergegeben haben sollen. Dies könnte im Zusammenhang mit einem versuchten Mord im Sicherheitssektor stehen. Mehrere Verdächtige sind angeklagt, die Ermittlungen laufen.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Mutmaßlicher Justizskandal“. Lesen Sie jetzt „Was einen Auftragsmord mit einem Justizskandal verbindet“. Ein blutiger Konkurrenzkampf von Security-Firmen, ein gescheiterter Auftragsmord und Verdächtige auf der Flucht ins Ausland, ein Justizskandal - und jetzt (9.00 Uhr) sitzen sogar Mitarbeiter der Stuttgarter Staatsanwaltschaft wegen mutmaßlicher Bestechung auf der Anklagebank.  Die Ermittlungen zu einem Mordversuch in Tamm im Kreis Ludwigsburg und einem möglichen kriminellen Datenleck in der Justiz lesen sich wie das Drehbuch eines Thrillers. Mit Spannung wird nun erwartet, wie sich die mutmaßlichen Drahtzieher im Gericht verhalten und ob die angeklagten Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft aussagen werden. In Tamm wurde vor einem Jahr ein damals 23 Jahre alter Sicherheitsmitarbeiter angeschossen und lebensgefährlich verletzt. Die Staatsanwaltschaft Heilbronn wirft einem Niederländer vor, mehrfach geschossen zu haben. Ein mutmaßlicher Komplize soll das Fluchtauto gefahren haben. Beide Männer sind wegen versuchten Mordes angeklagt. Der Schütze räumt die Tat ein, bestreitet aber eine Tötungsabsicht. "Er wollte lediglich den Geschädigten einschüchtern und in die Beine schießen", heißt es. Die Tat könnte auch Teil einer Serie sein.  Während der Ermittlungen verdichteten sich in der Sonderkommission "Frost" Hinweise auf Männer, die nicht nur den beiden mutmaßlichen Schützen den Mordauftrag erteilt haben könnten. Sie könnten auch mit Informationen aus den Reihen der Justiz versorgt worden sein. Über interne Datenabfragen sollte wohl Einfluss auf Ermittlungsverfahren genommen werden. Die Folge: Im November wurden Büros der Staatsanwaltschaft Stuttgart durchsucht. Dabei stießen Ermittler auf ein mögliches Datenleck und Hinweise auf Bestechung. Zwei der Angeklagten sollen zwischen 2022 und 2025 einen Wachtmeister und eine weitere Mitarbeiterin der Staatsanwaltschaft bestochen haben – mit Geld und Schmuck. Die beiden Bediensteten sollen daraufhin über die interne Software web.sta vertrauliche Informationen abgerufen und weitergegeben haben. Ein fünfter Verdächtiger soll dem Wachtmeister ebenfalls Geld für solche Auskünfte gezahlt haben. Die Staatsanwaltschaft Heilbronn spricht von einem "kriminellen Datenleck" und einem Bestechungssystem. Angeklagt sind insgesamt fünf Verdächtige: zwei Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft – ein Wachtmeister und eine Angestellte im Unterstützungsbereich – sowie drei weitere Verdächtige. Ihnen wird Bestechlichkeit und Verletzung von Dienstgeheimnissen vorgeworfen. Die mutmaßlichen Hintermänner müssen sich wegen Anstiftung zur Verletzung von Dienstgeheimnissen sowie Bestechung verantworten. Das Landgericht Stuttgart will mindestens bis Anfang Juli verhandeln. © dpa-infocom, dpa:260506-930-39791/1