Russlands Angriffskrieg: Ukraine meldet kurz vor angekündigter Feuerpause mehr als 20 Tote

Datum05.05.2026 20:41

Quellewww.spiegel.de

TLDRVor einer angekündigten Waffenruhe intensiviert Russland seine Angriffe auf die Ukraine, bei denen über 20 Tote zu verzeichnen sind. Präsident Selenskyj kritisiert dies als zynisch. Die Ukraine meldet den Einsatz ihrer Marschflugkörper "Flamingo" gegen militärindustrielle Ziele in Russland. Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig von Waffenruhe-Verstößen. Direkte Verhandlungen sind derzeit ausgesetzt, und ein Kriegsende ist nicht absehbar.

InhaltIm Ukrainekrieg sollen die Waffen bald für mindestens zwei Tage schweigen. Aktuell greift Russland den Nachbarn aber weiter massiv an. Kyjiw meldet derweil den Einsatz des ukrainischen Marschflugkörpers "Flamingo". Vor einer von Moskau und Kyjiw mit unterschiedlichem Beginn angekündigten Waffenruhe gehen die Attacken im Krieg weiter. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Moskau diesbezüglich Zynismus vor. Es sei absolut zynisch, um eine Waffenruhe für Propagandafeierlichkeiten zu bitten, und in den Tagen davor solche Drohnen- und Raketenangriffe zu verüben, schrieb er in sozialen Medien. Russland könne jederzeit den Beschuss stoppen und das würde den Krieg und ukrainische Gegenangriffe beenden. Nach ukrainischen Angaben sind am Dienstag mehr als Menschen durch russische Angriffe getötet worden. Allein in der Stadt Saporischschja seien zwölf Menschen ums Leben gekommen, teilten die Rettungsdienste mit. In der ‌Frontstadt Kramatorsk starben nach Angaben von Selenskyj fünf Menschen. Fünf weitere Tote gab es ukrainischen Behörden zufolge bei einem nächtlichen russischen Angriff auf Gasförderanlagen in der Region Poltawa. Auch Kyjiw griff vor Beginn der verkündeten Waffenruhe noch einmal verstärkt das russische Hinterland an. In der russischen Großstadt Tscheboksary an der Wolga wurden regionalen Behörden zufolge drei Menschen bei ukrainischen Drohnenangriffen verletzt. Die Drohnen waren demnach Teil einer zweiten Angriffswelle. Bei einer ersten Attacke traf ein Marschflugkörper nach Berichten des Internetportals "Astra" die Rüstungsfabrik "WNIIIR Progress", wo Navigationsmodule für Drohnen, Marschflugkörper und Raketen hergestellt werden. Selenskyj bestätigte später den Einsatz von Marschflugkörpern des Typs Flamingo. Es seien "unter anderem Objekte des militärisch-industriellen Komplexes in Tscheboksary" beschossen worden. Die Raketen legten ihm zufolge eine Entfernung von mehr als 1500 Kilometern zurück. Tscheboksary liegt etwa 1000 Kilometer von der Front entfernt. Insgesamt wurde sogar in 18 russischen Regionen Raketenalarm ausgerufen, darunter erstmals auch in dem im asiatischen Teil Russlands liegenden autonomen Kreis der Chanten und Mansen. Die Ukraine produziert seit dem vergangenen Jahr Marschflugkörper des Typs Flamingo, die eine Reichweite von bis zu 3000 Kilometer haben sollen. Bislang wurden sie allerdings erst wenige Male eingesetzt. (Hier lesen Sie mehr über die neue ukrainische Waffe. ) Die von Kyjiw geforderte unbefristete ​Feuerpause soll in der Nacht zum Mittwoch in Kraft treten. Zuvor hatte Russland seinerseits eine Waffenruhe für den ⁠8. und ⁠9. Mai angekündigt, an denen das Land den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg mit einer Militärparade feiert. Die Ukraine forderte Moskau zu einem dauerhaften Waffenstillstand auf. Selenskyj erklärte, es komme nicht ‌infrage, dass Russland seine Angriffe für eine Militärparade nur für einen ​Tag einstelle, nachdem es ‌die Ukraine zuvor schwer bombardiert habe. In dem vor mehr als vier Jahren von Kremlchef Wladimir Putin befohlenen Angriffskrieg gegen die Ukraine gab es schon mehrfach Versuche, die Waffen vorübergehend schweigen zu lassen. Zuletzt wurde eine begrenzte Feuerpause anlässlich des orthodoxen Osterfests ausgerufen. Im vergangenen Jahr sollten anlässlich der Feierlichkeiten zum 80. Jahrestag des Weltkriegsendes drei Tage lang die Waffen ruhen. Moskau und Kyjiw hatten sich in der Vergangenheit bei solchen Feuerpausen immer wieder Verstöße vorgeworfen. Direkte Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine, bei denen zuletzt die USA vermittelten, pausieren derzeit. Ein neuer Termin und ein Kriegsende sind nicht in Sicht. Die Truppen des Kreml stecken im Donbass fest, größere Geländegewinne bleiben aus. Immer wichtiger werden Kampfhandlungen hinter der Frontlinie. Mehr lesen Sie hier .