Victoria Lieftüchter: »Besorgte Eltern verlieren oft den objektiven Blick für ihr Kind«

Datum05.05.2026 14:51

Quellewww.zeit.de

TLDRVictoria Lieftüchter, Oberärztin auf einer Kinderintensivstation und Kindernotärztin, teilt ihre Erfahrungen im Podcast. Die hohe Arbeitsbelastung macht ihr Freude, da sie Kindern helfen kann. Sie betont, dass Eltern durch Online-Informationen verunsichert werden und manchmal unnötig den Notruf wählen. Lieftüchter kämpft dafür, dass Kinder überall von Spezialisten behandelt werden können, und motiviert junge Kollegen für diesen erfüllenden Beruf.

InhaltVictoria Lieftüchter ist Oberärztin auf einer Kinderintensivstation. Nebenbei ist sie als Kindernotärztin im Einsatz. Wie sie beides aushält, erzählt sie im Podcast. "Die Arbeitsbelastung in meinem Beruf ist sehr hoch, ich schaffe es nur, weil er mir so viel Freude macht", sagt Victoria Lieftüchter im Podcast Frisch an die Arbeit. Als Kinderärztin arbeitet sie nicht nur auf der Intensivstation des LMU-Klinikums in München, sondern ist auch regelmäßig als Kindernotärztin mit einem Team der Rettungsstelle im Einsatz. Lieftüchter, 40, muss häufig am Wochenende oder nachts arbeiten. Obendrauf kommen mindestens 24 Arbeitsstunden im Monat für den Kindernotdienst. "Ich liebe diesen Job. Denn ich kann Kindern helfen, die für mich das Wertvollste sind, was wir haben", sagt Lieftüchter. Oft wird sie als Kindernotärztin zu schweren Unfällen gerufen. Manchmal reagieren die Eltern aber auch über und wählen grundlos den Notruf. "Genervt bin ich trotzdem nie, denn die Eltern haben uns ja nicht aus Spaß angerufen, sondern weil sie sich Sorgen gemacht haben", sagt Lieftüchter. Dennoch glaubt sie, dass sich viele Eltern von Chatbots oder Google verunsichern lassen und zu Hause falsche Diagnosen stellen. Lieftüchter ist Mutter einer achtjährigen Tochter und arbeitet Vollzeit. "Natürlich habe ich oft zurückgesteckt. Ich musste Geburtstage von Freunden absagen oder konnte selten das ganze Wochenende mit meinem Kind verbringen", sagt Lieftüchter. Ihr oberstes Ziel motiviert sie: Kinder an allen Kliniken sollen von Spezialisten behandelt werden können, auch über den Notruf. Dafür setzt sie sich auch als Vorstandsmitglied in der Fachgesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin ein. In vielen Bundesländern ist das bislang nicht so. Im Podcast erzählt Lieftüchter, wie ein Einsatz als Kindernotärztin abläuft, womit sie ihre Resilienz stärkt und mit welchen Argumenten sie junge Kollegen für den Job begeistert. "Frisch an die Arbeit" wird jeden zweiten Dienstag veröffentlicht. Es moderieren im Wechsel Daniel Erk, Hannah Scherkamp und Elise Landschek. Das Team erreichen Sie unter frischandiearbeit@zeit.de.