Datum05.05.2026 13:38
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer mutmaßliche Amokfahrer von Leipzig befand sich bis kurz vor der Tat freiwillig in psychiatrischer Behandlung, wurde aber als nicht eigen- oder fremdgefährdend eingestuft und entlassen. Es gab keine gerichtlichen Anordnungen zur Unterbringung. Die Staatsanwaltschaft Leipzig hat keine historischen Ermittlungsverfahren gegen den 33-jährigen Deutschen. Die Amokfahrt kostete zwei Menschen das Leben und verletzte mindestens 20. Die Ermittler gehen von einer Einzeltäterschaft aus.
InhaltEinen Tag nach der Amokfahrt im Stadtzentrum von Leipzig werden neue Erkenntnisse über den mutmaßlichen Täter bekannt. Nach SPIEGEL-Informationen war er bis vor wenigen Tagen in psychiatrischer Behandlung. Der mutmaßliche Amokfahrer von Leipzig hielt sich nach SPIEGEL-Informationen auf eigenen Wunsch freiwillig stationär in einer psychiatrischen Klinik auf. Nach einem kurzen Aufenthalt in der sächsischen Klinik wurde er am vergangenen Mittwoch entlassen, also wenige Tage vor der Amokfahrt am Montag. Während der Zeit dieses Aufenthalts in der Klinik bestand laut den Experten dort keine Eigen- oder Fremdgefährdung. Der Mann verließ wenige Tage vor dem Anschlag freiwillig die Klinik. Zuvor hatten der MDR und die Leipziger Volkszeitung (LVZ) über diese Erkenntnisse ebenfalls berichtet. Eine Sprecherin des Sozialministeriums bestätigte die Erkenntnisse. Demnach gibt es laut Landgericht Leipzig bislang keinen gerichtlichen Beschluss zur Unterbringung, beispielsweise aufgrund erheblicher Gefahren der Selbst- und Fremdgefährdung. Einer Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie gegen den Willen einer Person müsste eine richterliche Entscheidung voranstehen. Auch der Verbund Gemeindenahe Psychiatrie hatte laut LVZ mit dem Mann bisher nichts zu tun. Das Behandlungs- und Beratungszentrum für Menschen mit psychischen Erkrankungen oder psychosozialen Problemen wird dann aktiv, wenn es Hinweise aus der Bevölkerung gibt, von Angehörigen oder Nachbarn. Diese hätten bisher aber nicht vorgelegen. Derweil gibt es weitere Erkenntnisse zum Ablauf der Fahrt. Das erste Todesopfer sei zu Beginn der Fahrt, nahe dem Augustusplatz, angefahren worden. Das zweite gegen Ende nahe dem Markt. Gegen den mutmaßlichen Täter waren in den vergangenen zehn Jahren bei der Staatsanwaltschaft keine Ermittlungs-, Straf- oder Vollstreckungsverfahren anhängig, sagte ein Sprecher der Leipziger Staatsanwaltschaft dem SPIEGEL. Es gebe aus dieser Zeit auch kein rechtskräftiges Urteil gegen ihn. Nach wie vor seien keine konkreten Angaben zur Zahl der Verletzten möglich, Ermittlungen dauern auch dahingehend an. Nach SPIEGEL-Informationen entsprechen die Angaben von Zeugen und erste Einschätzung der Polizei offenbar nicht der Zahl der tatsächlich körperlich schwer- oder schwerstverletzten Personen. In mehreren Kliniken hatte man sich auf viele Einlieferungen eingestellt, dazu kam es dann aber nicht. Unklar ist noch, wie viele Menschen unter Schock standen und psychologische Hilfe benötigten. Der mutmaßliche Täter war am Montagabend mit einem Auto durch die Leipziger Fußgängerzone gerast. Zwei Menschen sterben, mindestens 20 werden verletzt. Die Ermittler gehen von einer Amokfahrt aus. Es gebe keinerlei Anzeichen für "eine andere Lesart" und auch keine Anzeichen für weitere Täter, sagte Leipzigs Leitende Oberstaatsanwältin Claudia Laube. Demnach sei der Täter ein 33-jähriger Deutscher, der unter anderem als Boxtrainer tätig war. Nach SPIEGEL-Informationen ist er in Leipzig wohnhaft und dort geboren.