Unternehmensinsolvenzen in Deutschland: Zahl der Firmeninsolvenzen steigt auf höchsten Stand seit 20 Jahren

Datum05.05.2026 12:22

Quellewww.zeit.de

TLDRDie Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland erreichte im April 2024 den höchsten Stand seit über 20 Jahren, mit 1.776 Anmeldungen. Dies entspricht einem Anstieg von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr und 82 Prozent gegenüber der Vor-Pandemie-Zeit. Besonders betroffen sind Gastronomie und Immobilienwirtschaft. Auch die Zahl der betroffenen Beschäftigten stieg deutlich. Eine Trendwende ist laut IWH nicht in Sicht. Dieses Phänomen ist nicht auf Deutschland beschränkt; auch in Westeuropa stiegen die Insolvenzen, bedingt durch schwache Konjunktur, geopolitische Risiken, hohe Energiepreise und Bürokratie.

Inhalt1.800 Firmen haben im April Insolvenz angemeldet. Damit erreicht die Zahl den höchsten Stand seit mehr als 20 Jahren. Besonders hart trifft es die Hotelbranche. Die Zahl der Firmeninsolvenzen in Deutschland ist weiter gestiegen. Im April wurden 1.776 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften registriert, meldete das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Das sind drei Prozent mehr als im März und zehn Prozent mehr als im April des vergangenen Jahres. Verglichen mit einem durchschnittlichen April der Jahre 2016 bis 2019, also der Zeit vor der Corona-Pandemie, liegt die Zahl sogar 82 Prozent höher. Damit erreichte die Zahl der Firmenpleiten im April den höchsten Stand seit Juni 2005. Damals wurden 1.859 Insolvenzen gezählt. Besonders stark betroffen waren im April die Bereiche Hotel und Gastronomie sowie Grundstücks- und Wohnungswesen. Besonders viele Firmeninsolvenzen gab es in Berlin und Bayern. In Berlin lag das vor allem daran, dass ungewöhnlich viele Hotels Insolvenz anmeldeten. Auch die Zahl der betroffenen Beschäftigten stieg deutlich. Sie lag klar über dem Wert vom März und war mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt der April-Monate vor der Coronapandemie in den Jahren 2016 bis 2019. Nach Einschätzung des Instituts ist derzeit keine Trendwende in Sicht. Es sei davon auszugehen, "dass bis einschließlich Juli mit sehr hohen Insolvenzzahlen zu rechnen ist", sagte der Leiter der Insolvenzforschung, Steffen Müller. Die hohe Zahl der Firmeninsolvenzen ist kein rein deutsches Phänomen. Wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform mitteilte, stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Westeuropa im vergangenen Jahr auf den höchsten Stand seit Beginn der Erhebung im Jahr 2002. Für 2025 verzeichnete Creditreform rund 197.610 Firmenpleiten – das sind 4,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit nahm die Zahl der Insolvenzen bereits im vierten Jahr in Folge zu. Nach Einschätzung von Creditreform ist die Krise nicht nur eine Folge der schwachen Konjunktur, sondern hat auch tiefere strukturelle Ursachen. Ein schleppender Welthandel und geopolitische Risiken belasteten die Unternehmen in Europa zusätzlich, sagte der Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, Patrik-Ludwig Hantzsch. Zugleich lähmten hohe Energiepreise und Bürokratie die Wettbewerbsfähigkeit vieler Unternehmen vor allem im Vergleich mit den USA und China. "Diese doppelte Belastung frisst sich tief in die Substanz vieler Betriebe." Für dieses Jahr wird eine weitere Zunahme der Fälle erwartet."