Datum05.05.2026 03:31
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Commerzbank lehnt das Übernahmeangebot der UniCredit ab, da es nach Ansicht des Vizechefs Michael Kotzbauer nicht ausreichend sei und keine Prämie für die Aktionäre biete. Er kritisiert, dass UniCredit das Geschäftsmodell der Commerzbank zerschlagen würde und erst nach Ankündigung des Angebots Gespräche über Pläne geführt habe. Zudem sei das Umtauschangebot angesichts des gestiegenen Aktienkurses der Commerzbank nachteilig für deren Aktionäre.
InhaltKeine Gespräche auf Augenhöhe, keine Prämie für Aktionäre: Der Vizechef der Commerzbank kritisiert die UniCredit. Das bisherige Geschäftsmodell würde so zerschlagen. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, Michael Kotzbauer, hat das bisherige Übernahmeangebot der italienischen Großbank UniCredit als nicht ausreichend bezeichnet. "Was die Unicredit nach 18 Monaten und zahlreichen Treffen nun auf den Tisch gelegt hat, ist ein Plan, der die Bank, wie sie heute für ihre Kunden funktioniert, zerlegt und unseren Aktionären dafür keine Prämie zahlt", sagte Kotzbauer der FAZ. Am Montag hatten die Aktionäre von UniCredit für eine Übernahme der Commerzbank gestimmt. Sie votierten auch für eine Kapitalerhöhung durch die Ausgabe neuer Aktien. Diese Aktien will die UniCredit den Commerzbank-Aktionären zum Tausch anbieten. Kotzbauer übte Kritik an der Art und Weise, wie die Gespräche geführt worden seien. "In keinem dieser Treffen war UniCredit aber je daran interessiert, über unser Geschäftsmodell oder ihre Pläne bei der Commerzbank zu reden. Das hat sie erst getan, nachdem sie diesen März unabgestimmt ein Angebot an unsere Aktionäre angekündigt hatte." Auch wegen dieser Vorgehensweise und wegen sehr unterschiedlicher Ansichten zum Geschäftsmodell habe die Commerzbank Anfang April die Übernahme abgelehnt. Ein weiterer Grund für die Ablehnung der Übernahme sei, dass das angekündigte Umtauschangebot von UniCredit faktisch keine Prämie für die Commerzbank-Aktionäre enthalte. "Es ist sogar ganz das Gegenteil der Fall. Wegen unseres stark gestiegenen Aktienkurses müssten unsere Aktionäre ihre Aktien sogar zu einem Abschlag in UniCredit-Aktien tauschen", sagte Kotzbauer. Der Commerzbank-Vorstand sei jedoch dem Interesse seiner Aktionäre verpflichtet. Die UniCredit hatte im März ein freiwilliges Tauschangebot für sämtliche Aktien des Frankfurter Dax-Konzerns angekündigt. Damals hieß es, die UniCredit wolle je Commerzbank-Papier 0,485 neue UniCredit-Papiere bieten. Das entspreche einem Preis von 30,80 Euro pro Commerzbank-Anteil oder einem Aufschlag von vier Prozent zum Schlusskurs vom 13. März. Auf dieser Basis bewertete die UniCredit die Commerzbank mit knapp 35 Milliarden Euro. Die Commerzbank-Aktie ist inzwischen aber an der Börse deutlich teurer. Die UniCredit ist mit Abstand größter Anteilseigner der Commerzbank vor dem deutschen Staat. Erst kürzlich präsentierte UniCredit-Chef Andrea Orcel einen Umbauplan für den Fall einer Übernahme, demzufolge rund 7.000 Stellen in Deutschland entfallen könnten. Das Institut mit Sitz in Mailand verspricht sich Vorteile im Geschäft mit Privat- und Mittelstandskunden in Deutschland. Hierzulande ist die UniCredit schon mit ihrer Tochter HypoVereinsbank (HVB) vertreten, was Einsparungen ermöglichen würde.