Meinung: News des Tages: Straße von Hormus, Wladimir Putin, Met-Gala in New York

Datum04.05.2026 17:33

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie "Fulda" der Bundesmarine ist zur Sicherung der Straße von Hormus ausgelaufen, während Spannungen mit Iran wachsen. Berichte deuten auf verschärfte Sicherheitsmaßnahmen für Putin und mögliche interne Bedrohungen hin. Aktivisten kritisieren Jeff Bezos als Met-Gala-Sponsor wegen der Ausbeutung von Arbeitern und seiner Immunität vor Steuern.

InhaltDer Kremlchef kriegt es angeblich mit der Angst zu tun. Das Minenjagdboot "Fulda" ist unterwegs zur Straße von Hormus. Und Aktivisten kritisieren Jeff Bezos als Sponsor der Met Gala. Das ist die Lage am Montagabend. Die drei Fragezeichen heute: Um die Straße von Hormus womöglich auch mithilfe der Bundeswehr zu sichern, lief heute das Minenjagdboot "Fulda" der deutschen Marine vom Marinestützpunkt Kiel-Wik in Richtung Mittelmeer aus. Dass das Schiff verlegt wird, ist laut Verteidigungsministerium eine prophylaktische Maßnahme. Ein Einsatz selbst erfordert ein Bundestagsmandat. (Lesen Sie hier mehr über die Leiterin des Minensuchgeschwaders .) Die "Fulda" wird aus einem Nato-Einsatz herausgelöst und zunächst in einen Minenabwehrverband integriert. Verteidigungsminister Boris Pistorius betonte, die Stationierung spare Zeit, um Fähigkeiten schnell verfügbar zu machen, knüpfte einen Einsatz aber an ein Ende der Kampfhandlungen. Außenminister Johann Wadephul forderte Iran zur sofortigen Freigabe der Meerenge auf. Hintergrund sind wachsende Spannungen: Iranische Stellen berichten, US-Schiffe seien am Einfahren in die Meerenge gehindert worden; teils ist sogar von Raketenbeschuss die Rede, was US-Vertreter bestreiten. Unabhängig überprüfbar sind diese Angaben nicht. Die USA planen zugleich eine Initiative zur Sicherung der Schifffahrt, während Iran vor Eingriffen warnt. Seit Beginn des Konflikts Ende Februar ist die strategisch zentrale Route faktisch blockiert. Erinnern Sie sich noch an Jewgeni Prigoschin? "Putins Koch" wurde später ein russischer Oligarch und Anführer der Gruppe Wagner, einer Privatarmee in den Diensten des russischen Staates. Zwei Monate nachdem Prigoschin mit seiner Truppe den gescheiterten "Marsch auf Moskau" ausrief und damit das System Putin herausforderte, kam er bei einem bis heute nicht aufgeklärten Flugzeugabsturz ums Leben. Die Botschaft war dennoch klar: Auch Putin lebt gefährlich. Jetzt bringt ein europäischer Geheimdienst einen neuen möglichen Putschisten ins Spiel: Putins Ex-Vertrauter, der frühere russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu, "wird mit der Putschgefahr in Verbindung gebracht", heißt es in einem Geheimdienstbericht, aus dem der amerikanische Sender CNN zitiert. Der Kreml hat demnach die Sicherheitsmaßnahmen für Wladimir Putin deutlich verschärft. Putins engstes Umfeld steht laut dem Berich unter strenger Kontrolle: Wohnungen werden überwacht, Mitarbeiter dürfen keine öffentlichen Verkehrsmittel nutzen und nur noch internetfreie Telefone verwenden. Besucher müssen mehrere Sicherheitschecks durchlaufen. Auch Putin selbst bewegt sich demnach kaum noch öffentlich, Aufenthaltsorte wurden reduziert, übliche Residenzen offenbar verlassen und Auftritte oft nur noch vorab aufgezeichnet verbreitet. (Lesen Sie hier mehr) Der Bericht zeichnet das Bild eines zunehmend angespannten Machtapparats, belastet durch Rückschläge im Ukrainekrieg, wirtschaftliche Probleme und interne Konflikte. Besonders zwischen Militär und Sicherheitsorganen gibt es Streit über Zuständigkeiten beim Schutz von Führungspersonal. Mehrere Anschläge auf Generäle verstärken die Unsicherheit. Putin fürchtet laut dem Bericht die eigene Elite. Zugleich könnten gezielte Veröffentlichungen solcher Informationen durch westliche Dienste darauf abzielen, den Kreml zusätzlich zu destabilisieren. Geheimdienstexperten wie Mark Galeotti zeigen sich "ziemlich skeptisch" gegenüber diesem "Europäischen Geheimdienstbericht", der derzeit kursiere. Schoigu ist heute Sekretär des russischen Nationalen Sicherheitsrates, ein für Putin wichtiges Gremium. Im März 2026 trat er in Jekaterinburg auf und äußerte sich zu den Folgen ukrainischer Drohnenangriffe im russischen Hinterland. Er betonte, dass sich "keine Region Russlands sicher fühlen" könne, was auch als Kritik an Putins Kriegsführung verstanden werden konnte. An seiner Stelle würde ich auf absehbare Zeit erst mal kein Flugzeug mehr besteigen. Heute Abend steigt die berühmte New Yorker Met Gala. Eines der wichtigsten gesellschaftlichen Ereignisse der USA steht wegen ihrer neuen Hauptsponsoren Jeff Bezos und Lauren Sánchez im Zentrum heftiger Kritik. Einst als exklusive "Party des Jahres" mit begrenztem Zugang und Modefokus gefeiert, gilt sie vielen heute als Kostümfest einer superreichen Minderheit und Sinnbild extremer Vermögensungleichheit. Eine Eintrittskarte kostet 100.000 Dollar. In New York tauchten in U-Bahnen und auf Straßen Protestplakate auf, finanziert von der britischen Aktivistengruppe "Everyone hates Elon". Die Gruppe gründete sich ursprünglich, um gegen den Tesla-Gründer und Trump-Vertrauten Elon Musk zu agitieren. Jetzt rufen die Poster zum Boykott der "Bezos Met Gala" auf und werfen Amazon die Ausbeutung von Beschäftigten sowie eine Mitverantwortung für die Jagd auf Migrantinnen und Migranten vor, weil der Konzern Behörden mit Rechenleistung unterstützt. Sprecherin Anne, die anonym bleiben will, sieht auch Bezos als Trump-Verbündeten, dessen Reichtum auf schlechten Arbeitsbedingungen und aggressiver Steuervermeidung beruhe. Milliardäre hält die Gruppe grundsätzlich für problematisch. Aus ihrer Sicht erkauft sich Bezos mithilfe der Gala kulturelles Ansehen und nutzt eine angeschlagene Institution für sein Image, während das Museum seine eigene Marke beschädigt. Die Aktivisten werten es bereits als Erfolg, die Erzählung rund um das Event verschoben zu haben. Mein Kollege Philipp Löwe hat mit der Initiatorin der Protestaktion gesprochen: "Wenn Jeff Bezos wirklich Kunst und Kultur fördern will, ist das Beste, was er tun könnte, seine Steuern zu zahlen." 15 Minuten gepflegt, 65 Minuten berechnet – die dubiosen Methoden des Anthony B.: Eine Pflegeschwester zeigt ihn an, Ermittler rücken aus, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Wie der windige Chef mehrerer Pflegeheime die Not von Bewohnern ausgenutzt haben soll . Teuflisch sexy: Die Schauspielerin Meryl Streep, 76, findet ihren "Der Teufel trägt Prada"-Kollegen Stanley Tucci, 65, in "seiner unbestreitbaren Heterosexualität" ausnehmend attraktiv. Tucci sei "weltgewandt, verschmitzt, witzig". Nicht, dass Heterosexualität besser wäre als jede andere Form der Sexualität, so Streep. Aber Tucci habe diese Eleganz – echte, ungezwungene, natürliche, ungestellte Eleganz. "Für heterosexuelle Männer ist das manchmal schwieriger." Hier finden Sie den ganzen Hohlspiegel. Könnten Sie sich Konzertkarten für Johannes Enders besorgen. Enders ist einer der besten Saxofonisten Deutschlands und einer der umtriebigsten dazu. Im Mai hat er mit seinem Quartett fünf Auftritte, einen davon am 28. Mai im Saxstall im sächsischen Pohrsdorf. Allein diese Location ist einen Ausflug wert. Der Saxstall, ein ehemaliger Schweinestall eines Vier-Seiten-Hofes, wird betrieben vom früheren örtlichen Apotheker Eckard Schleiermacher. Vor mehr als 20 Jahren begann er, Saxofone zu sammeln. Inzwischen dürfte er mit weit über 100 Instrumenten die größte Sammlung Deutschlands besitzen. Um Platz zu schaffen, widmete er den Schweinstall in einen Ausstellungsraum um. Irgendwann stellte sich die Frage: Warum nur zeigen und nicht auch hören? Seit vielen Jahren pilgern nun vor allem Nachwuchsmusikerinnen und -musiker der nahe gelegenen Musikhochschulen Leipzig und Dresden nach Pohrsdorf, um sich auszuprobieren. Aber auch internationale Stars wie Enders schätzen die einzigartige Atmosphäre des Clubs, der keinen Eintritt verlangt (looking @ you, Met), sondern neben dem Bierzapfhahn eine Spendenbox aufgestellt hat. Ich wünsche Ihnen einen beschwingten Abend. Herzlich Ihr Janko Tietz, Leiter des SPIEGEL-Nachrichtenressorts