Datum04.05.2026 15:38
Quellewww.zeit.de
TLDREin ehemaliger Hipp-Mitarbeiter weist die Vorwürfe der Vergiftung und Erpressung mit Babynahrung zurück. Der 39-Jährige, der in Österreich festgenommen wurde, soll Rattengift in Babynahrungsmitteln platziert und zwei Millionen Euro gefordert haben. Fünf vergiftete Produkte wurden in Österreich, Tschechien und der Slowakei gefunden. Hipp betonte, dass die späte Entdeckung der Erpressermail durch ein Sammelpostfach erklärt wird und dass die Kommunikation mit den Ermittlern abgestimmt war, um deren Arbeit nicht zu behindern.
InhaltEin Unbekannter hatte Fläschchen mit Babynahrung vergiftet und wollte damit den Hersteller Hipp erpressen. Ein festgenommener Ex-Mitarbeiter weist den Tatvorwurf ab. Der Verdächtige im Erpressungsfall um vergiftete Babynahrung des Herstellers Hipp weist nach Angaben seines Anwalts jegliche Schuld von sich. "Er hat nichts mit der Sache zu tun", sagte der Verteidiger über den 39-jährigen Mann, der am Wochenende von österreichischen Behörden festgenommen worden ist. Weder habe sein Mandant etwas mit den Fläschchen, die mit Rattengift versetzt waren, zu tun, noch habe er eine Erpressermail an Hipp geschrieben. Zugleich bestätigte der Anwalt Angaben aus einem Bericht der Kronen Zeitung, wonach es sich bei dem Festgenommenen um einen ehemaligen Mitarbeiter des Unternehmens handelt. Er habe früher an einem Hipp-Standort in Österreich gearbeitet. Wie der Anwalt weiter sagte, habe sein Mandant das Unternehmen in beidseitigem Einverständnis und ohne Groll verlassen. Die Kronen Zeitung hatte berichtet, dass der Mann seinen Arbeitsplatz verloren und infolgedessen aus Rache die Babyfläschchen vergiftet habe. Demnach soll der Erpresser zwei Millionen Euro vom Unternehmen gefordert haben. Der 39-Jährige war am Samstag im österreichischen Bundesland Salzburg festgenommen worden. Polizeiangaben zufolge wurde er am heutigen Montag in Eisenstadt im Osten des Landes vernommen. Ihm wird vorsätzliche Gemeingefährdung und versuchte absichtliche schwere Körperverletzung zur Last gelegt. Auch in Deutschland wird in dem Fall ermittelt. In der Nähe von Eisenstadt war eines von bislang fünf mit Rattengift versetzten Hipp-Fläschchen gefunden worden, die anderen waren in Tschechien und der Slowakei aufgetaucht. Nach einem sechsten möglicherweise vergifteten Glas wird in Österreich weiterhin gesucht. Das deutsche Sortiment ist nach Herstellerangaben nicht betroffen. Der Hersteller aus dem bayerischen Pfaffenhofen an der Ilm hatte Ende März eine Erpressermail erhalten, die an ein Sammelpostfach gesendet worden ist. Entdeckt wurde das Schreiben erst im April, woraufhin Hipp die Behörden alarmierte. Nach Angaben der Firma lief die Mail am 27. März ein und sei am 16. April entdeckt worden. Der Hersteller weist Vorwürfe in Bezug auf seine zurückhaltende Kommunikation in dem Fall zurück. Es gehe darum, dass die Sicherheitsbehörden "umso ungestörter ermitteln können, je weniger nach außen dringt", sagte Geschäftsführer Stefan Hipp der österreichischen Zeitung Die Presse. Jede Nachricht behindere die Ermittlungen. Alle öffentlichen Mitteilungen des Unternehmens seien vor Veröffentlichung mit den Ermittlern abgesprochen worden, sagte Hipp. "Unsere Absicht war und ist, ihre Arbeit nicht zu gefährden, damit der Verbrecher so schnell wie möglich gefasst werden kann und kein Kind zu Schaden kommt", sagte Hipp. Die Ereignisse seien "für ein mittelständisches Unternehmen wie Hipp existenzgefährdend." Das Unternehmen habe keine Schuld daran, dass die Erpressermail so spät entdeckt worden ist, führte Hipp weiter aus. Bei dem Postfach, in das sie eingelaufen sei, handle es sich um ein Sammelpostfach für Anfragen aus dem Ausland, das nur alle zwei bis drei Wochen kontrolliert werde. "Das wäre so, als würden Sie einen Brief über den Zaun ins Firmengelände werfen und hoffen, dass es jemand findet", sagte Hipp.