Datum04.05.2026 13:02
Quellewww.zeit.de
TLDRIn Ostdeutschland gab es 2023 deutlich weniger Strom-Abregelungen. Sachsen-Anhalt verzeichnete einen Rückgang von etwa 40 Prozent. Dies liegt am zögerlichen Netzausbau, der nicht mit dem Ausbau erneuerbarer Energien Schritt hält. Minister fordern beschleunigten Netzausbau. Abregelungen führen zu Mehrkosten für Stromkunden, da Erzeuger entschädigt werden. Bundesweit stiegen die Abregelungen, besonders bei Photovoltaikanlagen. Neue Pläne sehen vor, Betreiber neuer Anlagen in überlasteten Netzen von finanziellen Ausgleichszahlungen auszuschließen.
InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Erneuerbare Energien“. Lesen Sie jetzt „Weniger Strom-Abregelungen in Ostdeutschland“. Um die Stromnetze nicht zu überlasten, ist die Stromerzeugung in den ostdeutschen Bundesländern im vergangenen Jahr deutlich seltener gedrosselt worden als in den Jahren zuvor. In Sachsen-Anhalt wurden im vergangenen Jahr rund 470 Gigawattstunden Strom abgeregelt, teilte das Energieministerium mit. 2023 waren es den Angaben zufolge 800 Gigawattstunden - ein Rückgang um rund 40 Prozent. Auch in Sachsen und Thüringen ist die Entwicklung laut Daten der Bundesnetzagentur ähnlich. Bundesweit dagegen stieg die Zahl der Abregelungen. Windkraftanlagen, die sich nicht drehen, obwohl der Wind weht: Darüber wundert sich manch einer. Um Überlastungen der Stromnetze zu verhindern, stoppen Netzbetreiber die Einspeisung immer wieder. Hintergrund ist der Ausbau erneuerbarer Energien in Regionen mit vergleichsweise geringer Nachfrage und ein Netzausbau, der mit Verzögerung nachzieht. Vor allem Windkraftanlagen und Photovoltaikanlagen, die in der Einspeisung flexibel sind, werden dann abgeschaltet. Sachsen-Anhalts Energieminister Armin Willingmann (SPD) fordert daher erneut, den Ausbau der Stromnetze zügig fortzusetzen, damit die Zahl der Eingriffe in den kommenden Jahren weiter sinkt. Abregelungen blieben weiterhin ein Ärgernis, weil sie einen völlig falschen Eindruck der Energiewende vermittelten, sagte Willingmann. "Wir haben insbesondere in der Ära Merkel zu viel Zeit durch Zögerlichkeit im Bundesenergieministerium verloren." Das jetzt von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) aufgenommene Tempo beim Ausbau der Stromnetze müsse in den kommenden Jahren beibehalten werden. Für Stromkunden ist die gelegentliche Drosselung der Stromerzeugung deshalb von Bedeutung, weil den Erzeugern, die ihre Anlagen vorübergehend abschalten müssen, Entschädigungen gezahlt werden. Die Kosten hierfür werden über die Netzentgelte an die Stromkunden weitergegeben. Steigen also die so genannten Redispatchkosten, steigt auch der Strompreis, teilte das Energieministerium mit. Während in Sachsen-Anhalt 474 Gigawattstunden Strom nicht in die Netze eingespeist werden konnten, waren es in Sachsen laut Daten der Bundesnetzagentur 682 Gigawattstunden. In Thüringen waren es demnach 28 Gigawattstunden. Mit mehr als 17 bzw. fast 60 Prozent ging aber auch in Sachsen und Thüringen die Gesamtzahl des nicht eingespeisten Stroms teils deutlich zurück im Vergleich zum Jahr 2023. Im Vergleich der Bundesländer liegen Sachsen und Sachsen-Anhalt etwa im Mittelfeld. Thüringen gehört mit seinen 28 Gigawattstunden dagegen zu den Bundesländern, in denen besonders wenig Strom abgeschaltet werden muss. Am meisten sind Niedersachsen und Schleswig-Holstein mit jeweils mehr als 2.700 Gigawattstunden abgeschaltetem Strom im vergangenen Jahr betroffen gewesen - wenngleich auch dort die Zahlen im Vergleich zum Jahr 2023 zurückgegangen waren. Starke Anstiege verzeichneten dagegen Bayern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Die Bundesnetzagentur wies kürzlich darauf hin, dass die Abregelungen vor allem im Bereich der Windenergie, sowohl an Land als auch auf See, zurückgegangen seien - bei Photovoltaikanlagen habe es dagegen einen deutlichen Anstieg gegeben: um 94 Prozent von 2024 auf 2025. Ausschlaggebend für die Entwicklung dieses sogenannten Redispatch bei Photovoltaikanlagen sei insbesondere der deutliche Zubau von Erzeugungskapazitäten gewesen, verbunden mit einer überdurchschnittlich hohen Sonneneinstrahlung im Frühjahr und Sommer. Insgesamt seien im vergangenen Jahr etwa 96 Prozent des Stroms aus Erneuerbaren Energien genutzt worden, so die Bundesnetzagentur. In Sachsen-Anhalt waren es nach Angaben des dortigen Energieministeriums rund 98 Prozent. "Abregelungen sind kein Phänomen der Energiewende: Es gab sie auch vorher schon", teilte das Ministerium mit. Nach den Plänen von Bundeswirtschaftsministerin Reiche sollen Betreiber neuer Wind- und Solaranlagen in Gebieten mit stark überlasteten Netzen bei Abregelungen für zehn Jahre keinen finanziellen Ausgleich mehr erhalten. Sowohl das von Reiche geplante "Netzpaket", die Änderung des Energiewirtschaftsrechts, als auch die Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes sind bislang aber noch nicht beschlossen. In Sachsen wird die Debatte um neue Regeln für den Netzbetrieb und die Verteilung der Kosten in der Energiebranche kontrovers diskutiert. Hintergrund sind Fragen, wie Netzengpässe schneller abgebaut und die Kosten des Engpassmanagements begrenzt werden können. Gerade Versorger sehen durch einen möglichen Wegfall von Ausgleichszahlungen die Wirtschaftlichkeit neuer Ausbauprojekte gefährdet. © dpa-infocom, dpa:260504-930-31273/1