Datum04.05.2026 09:13
Quellewww.zeit.de
TLDRDie Konsumstimmung in Deutschland ist auf dem niedrigsten Stand seit Februar 2023, wie das Konsumbarometer des HDE zeigt. Steigende Preise, insbesondere für Energie, und Sorgen um die Konjunktur trüben die Stimmung. Geopolitische Unsicherheiten und bisherige staatliche Entlastungsmaßnahmen haben die Situation nicht verbessert. Der HDE erwartet daher auch in den kommenden Monaten keine Besserung für den privaten Konsum und das Wirtschaftswachstum.
InhaltDie Konsumlaune in Deutschland ist so schlecht wie zuletzt vor drei Jahren. Der Handelsverband sieht auch für die kommenden Monate keine Aussicht auf Besserung. Die Konsumstimmung deutscher Verbraucherinnen und Verbraucher ist auf den niedrigsten Stand seit Februar 2023 gefallen. Das Konsumbarometer des Handelsverbandes Deutschland (HDE) sank im Mai auf 92,3 Punkte, wie der Verband mitteilte. Mit einem Minus von 2,6 Punkten im Vergleich zum Vormonat ist es demnach zugleich der stärkste Rückgang binnen eines Monats seit Januar 2024. "Vor allem die steigenden Preise und die Sorgen um eine schwache Konjunktur trüben die Verbraucherstimmung deutlich ein", teilte der HDE mit. Der Indexwert wird vom HDE auf Grundlage einer Umfrage unter 1.600 repräsentativ ausgewählten Personen erstellt. Dabei bildet er nicht das tatsächliche Verbraucherverhalten ab, sondern die Erwartungen für die kommenden Monate, die dieses Verhalten wiederum prägen. So fragt der HDE nach den Plänen der Verbraucher zu Anschaffungen, ihrem Sparverhalten und ihrer finanziellen Situation. Der Referenzwert von 100 Punkten bildet dabei die Stimmung von 2017 ab. Überschritten wurde er in den vergangenen sechs Jahren lediglich Anfang 2020 vor Ausbreitung des Coronavirus in Deutschland sowie im Herbst 2021. Der Tiefstwert von 84,1 Punkten ist im Oktober 2022 nach Monaten sehr hoher Inflation infolge der Energiekrise verzeichnet worden. Auch jetzt prägen hohe Energiepreise die schlechte Konsumstimmung, wie der Verband mitteilt. Mit Blick auf den Krieg zwischen den USA und dem Iran warnt der HDE: "Ohne ein Ende des Krieges werden die Energiepreise hoch bleiben – mit allen Folgen für die Weltwirtschaft." Diese würden auch monatelang nach einem Ende des Irankrieges anhalten. Zusätzlich zur geopolitischen Lage würden die bisherigen Entlastungsmaßnahmen der Bundesregierung, wie etwa der Tankrabatt, "sich bisher nicht positiv auf die Konsumstimmung" auswirken. "Vor diesem Hintergrund ist auch in den kommenden Wochen und Monaten nicht mit einer Stärkung des privaten Konsums und des gesamtwirtschaftlichen Wachstums zu rechnen", teilte der HDE mit. Der Verband verwies auf das "Miniwachstum" der deutschen Wirtschaftsleistung im ersten Jahresquartal. Mit 0,3 Prozent ist die deutsche Wirtschaft seit Beginn des Jahres zwar etwas gewachsen – auch über dem Durchschnittswert der Eurozone von 0,1 Prozent. Allerdings waren die ersten beiden Monate nicht von dem Ende Februar begonnenen Irankrieg betroffen. Zudem geht ein Teil des Wachstums auf die schuldenfinanzierten Investitionen des Bundes zurück. Die Bundesregierung hat ihre Wachstumsprognose für das gesamte Jahr von 1,0 Prozent auf 0,5 Prozent gesenkt. Die Inflation in Deutschland stieg zuletzt auf 2,9 Prozent und damit auf den höchsten Wert seit Anfang 2024. Der größte Faktor war dabei nach Angaben des Statistischen Bundesamtes die Energiepreise, die im April um 10,1 Prozent gestiegen waren. Die hohen Preise und die sinkende Kaufkraft der Verbraucher hat bereits im März dazu geführt, dass der deutsche Einzelhandel den stärksten Umsatzrückgang seit drei Jahren verzeichnete: Die Einnahmen fielen inflationsbereinigt um zwei Prozent geringer aus als im Vormonat und sanken damit drei Monate in Folge.