Italienisches Bahnunternehmen: Italo will mit Hochgeschwindigkeitszügen in deutschen Markt einsteigen

Datum04.05.2026 08:38

Quellewww.zeit.de

TLDRDas italienische Bahnunternehmen Italo plant, ab April 2028 mit 30 eigenen Hochgeschwindigkeitszügen auf deutschen Fernverkehrsstrecken anzutreten. Ziel ist es, durch Wettbewerb das Angebot zu verbessern, ähnlich wie es in Italien geschehen ist. Der ehemalige Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo strebt eine langfristige Netzkapazitätszuweisung und faire Wettbewerbsbedingungen an. Während Italo 2.500 Arbeitsplätze schaffen will, sieht Konkurrent Flix diesen Markteintritt kritisch.

InhaltDer ehemalige Ferrari-Chef will mit dem italienischen Bahnunternehmen Italo 30 eigene Fernzüge auf deutsche Schienen bringen. Der Wettbewerb soll das Angebot verbessern. In den kommenden Jahren plant der private Zugbetreiber Italo, eine eigene Flotte von Hochgeschwindigkeitszügen im deutschen Fernverkehr zu betreiben. Wie unter anderem der Spiegel berichtet, will das italienische Unternehmen 30 Hochgeschwindigkeitszügen des Typs Velaro von Siemens einsetzen. Starten soll das Projekt mit einem Gesamtvolumen von 3,6 Milliarden Euro ab April 2028. Dafür hat Italo demnach eine deutsche Tochterfirma gegründet. Die Atrium SE soll den Betrieb als eigenständiges Unternehmen organisieren. Ob das Vorhaben umgesetzt werden kann, entscheidet sich offenbar in den nächsten Wochen. In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gab der Vorstandsvorsitzende Luca Cordero di Montezemolo an, bis Ende Mai Gewissheit über die langfristige Zuweisung von Netzkapazitäten haben zu wollen. Im Juni soll bereits Personal eingestellt werden, insgesamt will Italo in Deutschland 2.500 neue Arbeitsplätze schaffen. Di Montezemolo war über Jahre der Chef von Ferrari. Italo hat er 2012 mitgegründet. Das private Unternehmen etablierte laut der Süddeutschen Zeitung gegen die damalige Monopolstellung der italienischen Staatsbahn. Die Zahl der Zugreisenden habe sich in den vergangenen Jahrzehnten vervielfacht: Die Zahl der Fahrgäste sei seit 2008 um 500 Prozent gestiegen. Der Wettbewerb habe das gesamte italienische Bahnsystem verbessert, sagte di Montezemolo der FAZ. Etablierte Anbieter hätten ihr Angebot ausgebaut, die Preise seien gesunken. In Deutschland will Italo eine ähnliche Entwicklung erzielen. "Heute ähnelt der deutsche Markt stark dem italienischen Markt vor dem Wettbewerb. Wir sind daher zuversichtlich, dass wir erheblich zur Verbesserung des Bahnverkehrs beitragen könnten", sagte di Montezemolo der FAZ. Zunächst seien 56 tägliche Verbindungen geplant. Die Strecke München–Köln–Dortmund soll im Stundentakt und die Strecke München–Berlin–Hamburg im Zweistundentakt befahren werden. Die Schienenzugänge verwaltet die DB Infra-Go AG. Sie gehört zur Deutschen Bahn AG. Die Trassen werden normalerweise jedes Jahr vergeben, Italo fordert mit Verweis auf die hohen Investitionen eine langfristige Perspektive. Auch pocht Vorstandschef die di Montezemolo auf Regulierung bei der Trassenvergabe. Wie in Deutschland wird die Infrastruktur unter einer Holdingstruktur der italienischen Staatsbahn – der Ferrovie dello Stato – betrieben. Für fairen Wettbewerb sei eine unabhängige Eisenbahnbehörde entscheidend, um fairen Wettbewerb zu gewährleisten. "Lassen Sie es mich so sagen: Ohne sie wäre es wie ein Spiel zwischen Bayern München und Borussia Dortmund, bei dem einer der Trainer gleichzeitig als Schiedsrichter fungiert", sagte di Montezemolo in der FAZ. Italo sei erst gewachsen, als die Regulierungsbehörde gleiche Wettbewerbsbedingungen sichergestellt habe. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, stellt sich der Fernbus- und Zugbetreiber Flix gegen den Markteintritt des italienischen Unternehmens. Beim Personenverkehr auf der Schiene stellt Flix derzeit den größten Konkurrenten der Deutschen Bahn dar. Gründer André Schwämmlein hat laut Stuttgarter Zeitung öffentlich betont, dass er zwei Anbieter im deutschen Fernverkehr für ausreichend halte. Die bisher kleine Flotte gebrauchter Fernzüge von FlixTrain wird aktuell vergrößert. Ab 2028 sollen bis zu 65 neue Fernzüge des spanischen Herstellers Talgo hinzukommen. Italo-Chef di Montezemolo sieht in einem Markteintritt seines Unternehmens indessen ein enormes Wachstumspotenzial im deutschen Schienenverkehr. Der deutsche Hochgeschwindigkeitsverkehr per Zug könne um bis zu 40 Prozent wachsen, sagte er unter Verweis auf die Entwicklungen in Italien der FAZ. Seit 2012 habe sich die Taktfrequenz auf den Hauptstrecken verdreifacht, mehr als zwei Milliarden Euro an Netzzugangsgebühren seien gezahlt worden. Auch seien die Preise im Schnitt um 40 Prozent gesunken. Eine ähnliche Entwicklung erwarte er auch in Deutschland.