GameStop: Computerspielehändler plant 56-Milliarden-Dollar-Übernahme von Ebay

Datum04.05.2026 08:03

Quellewww.spiegel.de

TLDRGameStop plant die Übernahme der Handelsplattform Ebay für 56 Milliarden Dollar, finanziert durch Barmittel und Aktien mit einem Aufpreis von 20%. Ziel ist ein stärkerer Konkurrent für Amazon. Diese Übernahme ist ungewöhnlich, da GameStop deutlich kleiner ist als Ebay. Es gibt noch Unklarheiten bezüglich der Finanzierung. GameStop hat bereits einen Anteil an Ebay erworben und droht, sich direkt an die Aktionäre zu wenden, falls das Angebot abgelehnt wird.

InhaltDer Computerspielhändler GameStop will für rund 56 Milliarden Dollar die Handelsplattform Ebay übernehmen. Die Kräfteverhältnisse sind ungewöhnlich, bei der Finanzierung gibt es Fragezeichen. Gamer kennen GameStop als Händler für Gebrauchtspiele. Zudem hatte das Unternehmen 2021 mit einem ungewöhnlichen Börsenhype für Aufsehen gesorgt. Nun liefert GameStop erneut Schlagzeilen, denn der US-Videospielehändler will die Online-Handelsplattform Ebay übernehmen. Das Gebot werde rund 56 Milliarden Dollar schwer sein in Form von Bargeld und Aktien, sagte GameStop-Chef Ryan Cohen dem "Wall Street Journal". Er wolle mit Ebay einen viel stärkeren Konkurrenten für Amazon aufbauen, erklärte Cohen sein Vorhaben. Gamestop will demnach 125 US-Dollar pro Aktie bieten. Das entspreche einem Aufpreis von 20 Prozent auf den Schlusskurs von Freitag. Im nachbörslichen Handel war der Kurs dann bereits auf gut 116 Dollar geklettert, nachdem das "Wall Street Journal" unter Berufung auf informierte Personen von Cohens Plänen für ein Gebot berichtet hatte. Er habe bereits eine Zusage für einen Kredit von rund 20 Milliarden Dollar für die Übernahme, sagte GameStop-Chef Cohen der Zeitung. Es blieb zunächst unklar, wie genau der Rest der Kaufsumme zustande kommen soll. Finanziert werden soll der Zukauf laut "Wall Street Journal" womöglich durch Staatsfonds aus dem Nahen Osten. Das Geschäft ‌wäre ungewöhnlich, da GameStop ​mit einem Börsenwert ‌von knapp zwölf Milliarden Dollar deutlich ‌kleiner ist ​als eBay mit rund 46 Milliarden Dollar. Von Ebay gab es zunächst keine Reaktion auf Cohens Ankündigung. GameStop hat ​nach eigenen Angaben bereits einen Anteil von fünf Prozent aufgebaut ⁠und ⁠erklärte bei einer Ablehnung des Managements, sich direkt an die Aktionäre wenden zu wollen. Cohen hatte vor GameStop als Mitgründer den auf Haustierartikel spezialisierten Onlinehändler Chewy geführt. Er hatte 2020 eine hohe Beteiligung bei dem Spielehändler aufgebaut, dessen Management er als zu langsam beim Onlinegeschäft kritisierte, und übernahm 2023 den Chefposten. Cohen ließ viele Läden schließen und setzte stattdessen auf das Geschäft etwa mit Sammelkarten und Retro-Konsolenspielen, die Nostalgie bei Gamern wecken. Auch Ebay versucht aktuell, sich stärker auf lukrative Kategorien wie etwa Sammelartikel, Autoteile und gebrauchte Modeartikel zu konzentrieren. Firmenchef Jamie Iannone setzte zudem auf Künstliche Intelligenz, um Nutzern das Einkaufen auf der Plattform zu erleichtern. GameStop sorgte zu Beginn der Coronapandemie für Schlagzeilen, weil Amateur-Händler aus dem Netz den Kurs der Aktie entgegen Zweifeln der Wall-Street-Analysten am Geschäftsmodell hochtrieben . Private Spekulanten hatten sich im Internet verabredet, um gegen Hedgefonds zu wetten, die auf fallende Kurse gesetzt hatten. Indem sie den Aktienkurs des US-Videospielehändlers in fantastische Höhen trieben, gelang es ihnen, institutionelle Hedgefonds zu ärgern.