Datum04.05.2026 07:22
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie Karolina-Burger-Realschule plus in Ludwigshafen, bekannt für gravierende Probleme wie Gewalt und Reizgasattacken, hat für ein Imagevideo fast 10.000 Euro aus dem Startchancen-Programm ausgegeben. Ziel der Schülerschaft war die Verbesserung des Rufs. Medienberichten zufolge gab es in der Vergangenheit zahlreiche Vorfälle, die polizeiliche Präsenz erforderten. Die Kosten des Videos, das die Außendarstellung aufbessern soll, stoßen auf Kritik, obwohl die Mittel aus einem Förderprogramm für sozial benachteiligte Schulen stammen.
InhaltDer Ruf der Karolina-Burger-Realschule plus in Ludwigshafen ist mies. Die Schülerschaft wollte mit einem Imagevideo die Außenwirkung verbessern. Doch die hohen Kosten sorgen für Kritik. Gewalt auf den Gängen, Böller auf dem Pausenhof, Drohgebärden mit Messern, verzweifelte Lehrkräfte und Schüler, die nicht rechnen, schreiben oder lesen können: Die Situation an der Karolina-Burger-Realschule plus in Ludwigshafen war in der Vergangenheit so schlimm, dass sich der Bildungsausschuss des Landtags von Rheinland-Pfalz damit beschäftigen musste. Lehrer schrieben Brandbriefe, in den vergangenen Jahren soll es etliche Strafanzeigen und Feuerwehreinsätze gegeben haben. "Wir sind nicht mehr in der Lage, diese Dinge zu kontrollieren. Wir versuchen, die Kinder und uns zu schützen, aber es geht unter diesen Bedingungen nicht", sagte eine Lehrkraft dem SWR im November vergangenen Jahres. Schülergewalt gehört demnach zum Alltag. Aus der Schülerschaft kam die Idee, ein Imagevideo zu produzieren, das den Ruf der Schule aufpolieren und ein wenig Hoffnung geben sollte. Die Kinder und Jugendlichen wollten laut Ministerium die Außendarstellung der Brennpunktschule verbessern, wo die die Polizei nach Reizgasattacken und Gewaltvorfällen seit Ende Januar täglich präsent war. Allein: Die Kosten des Imagevideos beliefen sich auf fast 10.000 Euro. Laut dem Bildungsministerium in Mainz kamen die Mittel aus dem Startchancen-Programm für Schulen in sozial besonders schwierigen Lagen – insgesamt waren es 9362,50 Euro. Die Ausgestaltung des Projekts sowie die inhaltliche Planung des Videos habe vollumfänglich bei der Schule gelegen, teilte das Bildungsministerium auf eine parlamentarische Anfrage der CDU-Fraktion mit. Lediglich den Kontakt zu einem externen Trainer habe das Ministerium vermittelt. Der Trainer sei aber ehrenamtlich an der Schule tätig und habe für seinen Einsatz kein Honorar bekommen. Das Video soll auf der Homepage der Karolina-Burger-Realschule plus gezeigt werden. Die Entscheidung darüber liege jedoch bei den Verantwortlichen vor Ort. Dem Bildungsministerium liegen derzeit keine Informationen vor, dass weitere Schulen in Rheinland-Pfalz ein solches Imagevideo planen. Beim Startchancen-Programm gibt der Bund jährlich bis zu einer Milliarde Euro. Die Länder beteiligen sich in gleicher Höhe. Insgesamt sind dies rund 20 Milliarden Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren. Insgesamt bekommen bundesweit 4000 Schulen in sozial besonders schwierigen Lagen die spezielle staatliche Förderung, davon 200 in Rheinland-Pfalz.