Datum04.05.2026 07:25
Quellewww.spiegel.de
TLDRDie Geschäftslage im deutschen Handwerk verschlechtert sich deutlich. Laut dem Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) brechen Umsätze und Auftragspolster ein. Der Irankrieg verschärft die Lage durch explodierende Energiepreise und angespannte Lieferketten, was die Versorgung mit wichtigen Produkten gefährdet. Engpässe und Preissteigerungen sind zu befürchten, insbesondere bei Gütern aus der Golfregion. Das Handwerk fordert steuerliche Entlastungen und Bürokratieabbau, um die Widerstandsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland zu stärken.
InhaltDie Versorgung mit wichtigen Produkten sei in Gefahr und Aufträge werden weniger: Das Handwerk meldet eine deutlich schlechtere Geschäftslage und appelliert an die Regierung. In vielen Branchen herrscht Angst vor Jobverlust durch KI-Anwendungen. Das Handwerk gilt in dieser Hinsicht als vergleichsweise sichere Bank. Doch dort werden die konjunkturellen Aussichten zunehmend schlechter. "Sinkende Umsätze, schrumpfende Auftragspolster und fallende Auslastung zeigen, dass die Nachfrage wegbricht", sagte Holger Schwannecke, Generalsekretär des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), der Nachrichtenagentur dpa. Im neuen Konjunkturbericht heißt es, der Irankrieg habe zu explodierenden Energiepreisen an den Rohstoffmärkten und angespannten Lieferketten geführt. "Hinter der Verfügbarkeit vieler Erzeugnisse und Materialien steht zumindest in den nächsten Monaten ein großes Fragezeichen." Der Branchenverband ZDA teilte dazu mit, durch die unklare Lage am Persischen Golf sowie die noch nicht absehbare Dauer dieses Konflikts könne es zu Engpässen bei der Verfügbarkeit von Produkten aus dieser Region kommen. Darunter auch solche, die für die handwerkliche Leistungserbringung in Deutschland entscheidend seien. "In solchen Fällen ist mit Preisanpassungen, Verzögerungen bei der Ausführung und Wartezeiten bis zur Verfügbarkeit nicht anderweitig ersetzbarer Güter zu rechnen", heißt es. In welchem Umfang dieses alles eintreten werde, lasse sich gegenwärtig noch nicht sagen oder abschätzen. Die Handwerksbetriebe beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage spürbar schlechter als vor einem Jahr, wie aus dem Branchenbericht hervorgeht. Auch die Erwartungen trüben sich demnach ein. Die Umsätze im Gesamthandwerk seien rückläufig, die Auftragspolster im Gesamthandwerk gingen erneut zurück. Weiter heißt es: "Die im Winter ohnehin schwächere Nachfrage nach Beschäftigten im Handwerk wird weiter durch die anhaltende Konjunkturflaute verstärkt." Hinzu komme eine demografische Entwicklung, die dazu führe, dass für viele offenen Stellen keine entsprechend qualifizierten Arbeitskräfte verfügbar seien. "Die deutliche Eintrübung von Geschäftslage und Erwartungen ist mehr als ein Stimmungsbild, sie muss als Warnung verstanden werden", sagte Schwannecke. "Wenn Betriebe den Glauben an eine Verbesserung verlieren, wird aus Unsicherheit Investitions- und Einstellungszurückhaltung." Die Bundesregierung hat grundlegende Reformen bei Gesundheit, Pflege und Rente angekündigt , mit dem Ziel, dass die Beiträge nicht aus dem Ruder laufen. Das könnte innerhalb der schwarz-roten Koalition noch zu Konflikten führen – wie auch die Gegenfinanzierung von Steuerentlastungen für kleine und mittlere Einkommen. Wirtschaftsverbände beklagen seit langem eine im internationalen Vergleich hohe Steuer- und Abgabenlast, hohe Energiepreise sowie zu viel Bürokratie. "Externe Schocks legen schonungslos offen, wie verwundbar der Standort Deutschland geworden ist", so Schwannecke. "Ohne konsequenten Bürokratieabbau und spürbare Entlastungen bei Steuern und Abgaben droht eine Erosion der betrieblichen Substanz." Es brauche wachstumsfördernde Impulse durch steuerliche Entlastungen, durch geringere Sozialabgaben, durch Investitionsanreize und eine Politik, die Nachfrage nicht weiter ausbremse.