Datum04.05.2026 04:18
Quellewww.spiegel.de
TLDRBundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich in der Sendung "Caren Miosga" zuversichtlich bezüglich der Beziehungen zu den USA, trotz Spannungen mit Donald Trump. Er verteidigte seine direkte Kommunikation und gestand Risiken ein. Merz nahm die schlechten Umfragewerte der Regierung gelassen, schrieb sie aber auch der SPD zu. Er forderte mehr Kompromissbereitschaft von seinem Koalitionspartner. Bezüglich möglicher US-Zölle und des Truppenabzugs äußerte er sich ebenfalls.
InhaltZoff mit dem US-Präsidenten, miese Umfragewerte daheim, dazu Kritik an seinem Kommunikationsstil: Für Kanzler Friedrich Merz läuft es derzeit nicht besonders rund. Bei "Caren Miosga" verteidigte er sich nun in alle Richtungen. Dass diese Aussage des Kanzlers meldenswert ist, sagt viel über das aktuelle Verhältnis zwischen Washington und Berlin: "Ich gebe die Arbeit am transatlantischen Verhältnis nicht auf, und ich gebe auch die Zusammenarbeit mit Donald Trump nicht auf", sagte Friedrich Merz am Sonntag in der TV-Sendung von Caren Miosga. Vorausgegangen waren Tage, in denen sich Kanzler und US-Präsident zofften – und Trump schließlich ankündigte, "weit mehr als 5000" US-Soldaten aus Deutschland abzuziehen (mehr dazu hier ). Es bleibe seine Überzeugung, dass "die Amerikaner für uns wichtige Partner sind, die wichtigsten im nordatlantischen Bündnis", sagte Merz nun bei Miosga. Er müsse akzeptieren, dass der US-Präsident zu Themen wie dem Irankrieg eine andere Meinung als die Bundesregierung habe. Merz erklärt, er habe seine Position gegenüber Trump schon früh deutlich gemacht. So habe er diesem mitgeteilt: "Wenn du willst, dass wir dir bei einem solchen Konflikt helfen, dann ruf uns vorher an und frag uns." Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Zu dem angekündigten US-Truppenabzug sagte Merz im TV-Studio: "Es wird vielleicht ein bisschen zugespitzt, aber neu ist es nicht." Der Bundeskanzler bestätigte zudem, dass die von Trumps Amtsvorgänger Joe Biden zugesagte Stationierung von Tomahawk-Marschflugkörpern zunächst nicht erfolgen werde. "Die Amerikaner haben zurzeit selbst nicht genug", sagte Merz. Der Zug für eine Stationierung der Mittelstreckenraketen sei aber "nicht abgefahren". Merz äußerte sich bei Miosga auch zu weiteren Themen. Der Überblick: Für Merz ist die aktuell große Unzufriedenheit mit der schwarz-roten Koalition in Umfragen nichts Ungewöhnliches. "Ich nehme den Missmut natürlich ernst", sagte er. "Aber es ist ein Phänomen, das auch anderen Regierungen widerfahren ist." Nach einer gewissen Zeit gebe es Enttäuschung, Kritik und in einer Koalition auch einmal Unwuchten. In einer aktuellen Umfrage für die "Bild am Sonntag" hatten sich 76 Prozent der Befragten unzufrieden mit der Regierungsarbeit gezeigt. Auf die Frage, ob er bei anhaltendem Koalitionsstreit auch bereit wäre, die Vertrauensfrage im Bundestag zu stellen, sagte Merz: "Das ist für jeden Bundeskanzler immer eine Option, aber eine Option, über die ich im Augenblick keine Veranlassung habe nachzudenken." Die Handschrift der Union werde in der Regierung bisher nicht ausreichend deutlich, sagte Merz – und leitete daraus eine Forderung an den Koalitionspartner ab: Die SPD müsse mehr Kompromissbereitschaft zeigen. Laut Merz gibt es in der Union "einen größer werdenden Unmut über Kompromisse", die mit der SPD eingegangen werden mussten. Und laut Merz wachsen die Zweifel "an der Koalition, auch an der SPD". Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Der Kanzler richtete einen Appell an die SPD-Chefs Bärbel Bas und Lars Klingbeil: "Ich sage beiden Parteivorsitzenden: Unterschätzt die Stimmung in der Union nicht, die wird unfreundlicher." Er sei "bis jetzt sehr geduldig gewesen, auch im Umgang mit der SPD", sagte Merz. "Die SPD muss allerdings auch wissen: Kompromisse sind keine Einbahnstraße." Angesichts von größerem Wirbel um mehrere seiner Äußerungen (hier ein Überblick über die rhetorischen Schnitzer) sagte Merz: "Ich möchte nicht rund wie ein Kieselstein reden und werden." Das sei nicht seine Kommunikation. "Ich gehe damit hin und wieder ein gewisses Risiko ein", räumte der Kanzler ein. "Aber ich glaube umgekehrt, viele Menschen in diesem Land wollen wissen, was ihre Politiker denken. Und ich versuche, das auf meine Art zum Ausdruck zu bringen." Auch im Gespräch mit dem SPIEGEL hatte Merz kürzlich gesagt, er spreche aus, was er für richtig halte. "Ich nehme allerdings auch wahr, dass diese Sprache auf eine hypernervöse Öffentlichkeit stößt, die sich auch triggern lässt. Trotzdem will ich mich nicht verbiegen." Merz betrachtet die von Trump angekündigten höheren Zölle für Autos aus der EU nicht als gezielt gegen Deutschland gerichtete Maßnahme. "Er will ganz Europa treffen", so Merz. Trump sei auch "zu Recht ein bisschen enttäuscht" darüber, dass die EU mit dem im August 2025 vereinbarten Zollabkommen mit den USA nicht zu einem Abschluss gekommen sei. Im Europäischen Parlament gebe es bis heute Widerstände dagegen. Merz sagte, Trump werde ungeduldig, dass auf der europäischen Seite immer wieder neue Bedingungen formuliert würden. "Die Amerikaner haben es fertig und die Europäer nicht." Deswegen wünsche er sich, "dass wir hier möglichst schnell zu einem Abkommen kommen". Ja, es ging auch um weniger Politisches: Er traue dem deutschen Team zu, bei der Fußball-WM in den USA, Mexiko und Kanada in diesem Sommer weit zu kommen, sagte Merz. "Die deutsche Mannschaft ist im Augenblick so gut aufgestellt und hat sich so gut entwickelt, dass sie die Chancen hat, in die letzten Runden zu kommen, ins Halbfinale, und wenn es richtig gut läuft, kann sie auch ins Finale kommen." Sollte es so kommen, werde er "selbstverständlich" zum Endspiel fahren. Merz verurteilte außerdem Hasskommentare im Internet, mit denen Union Berlins Trainerin Marie-Louise Eta konfrontiert ist (mehr dazu hier ). Was da stattfinde, sei "unerträglich, und das beleidigt den Fußball". Eta ist die erste Cheftrainerin in der Männer-Bundesliga. Er wünsche ihr "wirklich jeden erdenklichen Erfolg", so Merz.