Ein oder zwei Standorte?: Mainz will bald wichtige Weichen für Unimedizin stellen

Datum04.05.2026 04:00

Quellewww.zeit.de

TLDRMainz stellt Weichen für die Zukunft der Unimedizin. Ein Gutachten soll die Vor- und Nachteile eines zweiten Standorts prüfen, der neben dem maroden Hauptsitz entstehen könnte. Bis 2040 sind Investitionen von 2,2 Milliarden Euro geplant. Ein Koalitionsvertrag unterstützt die Zweistandort-Lösung. Neue Bauvorhaben sind umstritten. Die Unimedizin ist für Mainz als Biotech-Standort und als Arbeitgeber essenziell.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „Ein oder zwei Standorte?“. Lesen Sie jetzt „Mainz will bald wichtige Weichen für Unimedizin stellen“. Für die Zukunft der Universitätsmedizin Mainz sollen in den kommenden Monaten von städtischer Seite wichtige Weichen gestellt werden. Zunächst geht es darum, in den städtischen Gremien die Eckdaten für ein Gutachten festzuzurren, das Vor- und Nachteile eines möglichen neuen, zweiten Standorts der einzigen Uniklinik von Rheinland-Pfalz aufzeigen soll.  Oberbürgermeister Nino Haase (parteilos) sagte der Deutschen Presse-Agentur in Mainz: "Wir müssen kurz vor oder kurz nach der Sommerpause eine Einigung auf einen Prüfauftrag anstreben." Dieser solle die Matrix und die zu prüfenden Gebiete definieren. Die Prüfung selbst werde dann etwa ein Jahr brauchen. Erst dann kann entschieden werden, wo was saniert oder gebaut wird.  "Natürlich warten wir die Bildung der Landesregierung ab", sagte Haase weiter. "Nichtsdestotrotz bereiten wir seitens der Verwaltung eine Prüf-Matrix vor. Die werden wir bis zur Sommerpause den Gremien vorlegen."  Die Universitätsmedizin Mainz, die größte Beteiligung des Landes Rheinland-Pfalz, fährt seit Jahren Verluste ein. Bis 2030 soll operativ die schwarze Null stehen. Dazu beitragen soll eine modernere Infrastruktur. Der derzeitige Gebäudebestand mit vielen in die Jahre gekommenen Häusern gilt nicht mehr als zeitgemäß und macht Arbeitsabläufe ineffizient.  Angesichts dessen sollen bis etwa 2040 insgesamt rund 2,2 Milliarden Euro verbaut werden. Die Frage ist, ob das Geld alleine in den derzeitigen Standort in der Mainzer Oberstadt fließt oder ein zweiter Standort neu gebaut wird. Für diesen werden mehrere denkbare Areale diskutiert, darunter eines in der Nähe des ZDF.  In dem am vergangenen Donnerstag vorgestellte Koalitionsvertrag von CDU und SPD heißt es zur Unimedizin unter anderem, beide Parteien unterstützten "die entwickelte Zweistandort-Lösung". Auch werde der von der Klinik angestoßene Konsolidierungsprozess begrüßt, der müsse entschlossen weitergegangen werden. Bei der Prüfung möglicher Standorte wird es OB Haase zufolge um klimatologische Dinge, etwa Auswirkungen auf die Frischluftzufuhr für die Stadt, um Artenschutz oder auch um Zuwegungen gehen. Zur Wahrheit gehöre auch, dass die veränderte Sicherheitslage neue Anforderungen an Kliniken mit sich bringe. "Ich persönlich kann sehr gut nachvollziehen, dass die Unimedizin einen Neubau außerhalb der Innenstadt anstrebt." Bei Umweltschützern ist ein Neubau auf noch unbebautem Areal umstritten.  Grundsätzlich betonte Haase die Dringlichkeit, die Planungen für die Unimedizin voranzubringen. Mainz entwickele sich zu einem immer wichtigeren Standort der Biotechnologie. "Wir werden hier ein richtiger Nukleus. Und wenn dann Herr Sahin und Frau Türeci sagen: Wir gründen aus, aber wollen das Zentrum weiter am Standort Mainz haben, ist das schon eine Aussage."  Ugur Sahin und Özlem Türeci sind die beiden Mitgründer des in Mainz sitzenden Impfstoffherstellers Biontech. Das Unternehmen wurde einst aus der Unimedizin ausgegründet, mit seinem Corona-Impfstoff berühmt und verdiente Milliarden. Das Ehepaar hatte vor einiger Zeit angekündigt, bei Biontech auszusteigen und ein neues Unternehmen gründen zu wollen.  Vor dem Hintergrund all dieser Entwicklungen müsse klar sein, wie hochrelevant eine Unimedizin sei, sagte Haase. Diese stehe in diesem ganzen Ökosystem in der Mitte als Innovationsmotor und sei daneben ein großer Arbeitgeber und zentral für die Versorgung bei uns in der Stadt. Für Haase könnte ein Teilumzug der Universitätsmedizin von der zentralen Oberstadt an den Stadtrand durchaus Vorteile bringen. "Man muss auch sehen, innerstädtisch wäre es ein riesiges Potenzial zur Linderung der Wohnungsnot oder für neue Grünflächen." © dpa-infocom, dpa:260504-930-29283/1