Ungewöhnliche Auktion: Verlassene Militär-Geheiminsel in der Ostsee wird versteigert

Datum03.05.2026 14:35

Quellewww.spiegel.de

TLDREine verlassene DDR-Marineplattform namens "Ostervilm" wird am 4. Juni in Hamburg versteigert. Die Anlage aus den Fünfzigerjahren, die einst zur Entmagnetisierung von Schiffen diente, steht auf Pfählen im Greifswalder Bodden und ist nur per Boot erreichbar. Der Zustand ist marode und eine Besichtigung vorab nicht möglich. Das Mindestgebot beträgt 39.000 Euro.

InhaltEin DDR-Relikt mitten im Meer kommt unter den Hammer: Die marode Marineplattform "Ostervilm" vor Rügen soll verkauft werden. Der Preis klingt fair, nur besichtigen kann man die Insel nicht. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Eine skurrile Immobilie aus dem Kalten Krieg kommt Anfang Juni in Hamburg unter den Hammer: Versteigert wird eine ehemalige Entmagnetisierungsstation der DDR-Volksmarine im Greifswalder Bodden vor Rügen – heute ein verfallener "Lost Place" mitten im Wasser. Die Anlage, die inzwischen unter dem Namen "Ostervilm" bekannt ist, wurde in den Fünfzigerjahren errichtet. Sie steht auf rund 600 Pfählen in etwa zehn Metern Wassertiefe, mehrere Kilometer vor der Insel Vilm. Damals diente die Plattform militärischen Zwecken: Über am Meeresboden verlegte Kabel sollte die magnetische Signatur von Schiffen verringert werden, um sie für Magnetminen schwerer ortbar zu machen, ein in Zeiten des Ost-West-Konflikts relevantes Verfahren. Die Versteigerung ist für den 4. Juni angesetzt. Aufgerufen wird ein Mindestgebot von 39.000 Euro . Käufer erwerben dabei kein klassisches Grundstück, sondern ein Nutzungsrecht für die Wasserfläche; erreichbar ist die Plattform nur per Boot. Versteigert wird im Haus der Patriotischen Gesellschaft in Hamburg, Beginn ist um elf Uhr. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Nach der Wiedervereinigung verlor das Bauwerk seine Funktion und verfiel. In den Unterlagen des Auktionshauses und in einem Inserat auf "Kleinanzeigen"  wird der Verfall detailliert beschrieben: "Der Zustand ist durch Natur, Vogelkot und Vandalismus marode. Setzungsrisse. Stahlteile verrostet. Zerstörte Fenster. Algen wachsen an den Mauern empor." Eine Besichtigung vor der Auktion ist demnach nicht möglich. Die Lage im sensiblen Naturraum des Greifswalder Boddens macht jede künftige Nutzung zusätzlich kompliziert. Die frühere Militärplattform hat sich inzwischen zu einem Rückzugsort für Vögel entwickelt. Zuletzt waren immer wieder zivile Ideen im Gespräch – von Kunstprojekten bis zu touristischen Plänen. Umgesetzt wurde nichts, auch wegen logistischer Hürden und hoher Investitionskosten.