Datum03.05.2026 18:00
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer geplante Abzug von US-Truppen aus Deutschland veranlasst den Ex-SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich zu Abrüstungsgesprächen mit Russland, um russische Mittelstreckenraketen aus Belarus und Kaliningrad abzuziehen. Sicherheitsexperte Nico Lange warnt vor einer daraus resultierenden Abschreckungslücke und plädiert für eigene europäische oder deutsche Abstandswaffen. Diese Entscheidung der USA, die Zehntausende Soldaten betrifft, wirft Fragen zu Hintergründen und betroffenen Standorten auf.
InhaltDer geplante Abzug von US-Soldaten aus Deutschland löst Besorgnis aus. Der frühere SPD-Fraktionschef Mützenich will Russland bewegen, abzurüsten. Sicherheitsexperte Nico Lange rät zu einer anderen Strategie. Der frühere SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich setzt im Umgang mit Russland auf Diplomatie: Angesichts der geplanten Reduzierung der US-Militärpräsenz in Europa rät er zu Abrüstungsgesprächen mit Moskau. Man müsse jetzt darauf dringen, "dass die russischen, atomar bewaffneten Mittelstreckenraketen aus Belarus und Kaliningrad abgezogen werden", sagte Mützenich der "Süddeutschen Zeitung" (Montagsausgabe). Weitere Schritte könnten dann "in einen rüstungskontrollpolitischen Gesamtprozess eingebettet" werden. Mützenich verwies vordergründig auf das Abrücken der USA von der Stationierung von Mittelstreckenraketen in Deutschland. Durch die von ihm befürwortete Abrüstungsinitiative könne Europa nun "eine Rolle zurückgewinnen, die in der Vergangenheit aus Abschreckung und kluger Diplomatie bestand", sagte der SPD-Politiker. Zu einer anderen Strategie riet hingegen der Sicherheitsexperte Nico Lange: "Kommen keine amerikanischen Raketen, brauchen wir deutsche oder europäische oder zumindest von amerikanischen Entscheidungen unabhängige Abstandswaffen, die konventionelle Abschreckung leisten", sagte er ebenfalls der "Süddeutschen Zeitung". Lange lehrt am Lehrstuhl für Militärgeschichte der Universität Potsdam. Zwischen 2019 und 2022 war er Leiter des Leitungsstabs im Bundesministerium der Verteidigung. Er war zudem Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in der Ukraine und hat einige Zeit in Russland verbracht. Er gab zu bedenken, dass man seit 2018 wisse, "dass russische Iskander-Raketen in Kaliningrad stationiert sind und uns bedrohen". Wenn die Stationierung der US-Raketen jetzt nicht komme, dann "bleibt die Abschreckungslücke bestehen und Russland hat durch seine Raketen in Kaliningrad potenziell Macht über uns und wir könnten in die Erpressbarkeit rutschen", warnte Lange. US-Präsident Donald Trump hat einen Teilabzug der US-Truppen in Deutschland und Europa angekündigt. Es gehe "um weit mehr als 5000" US-Soldaten, sagte Trump am Samstag. Zuvor hatte das US-Innenministerium diese Zahl in Umlauf gebracht. Angaben eines Sprechers zufolge soll der Abzug innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate abgeschlossen sein. Die genauen Hintergründe der Entscheidung sind bislang unklar, ebenso welche Standorte betroffen sind oder welches Personal genau verlegt werden soll. Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Vorsitzende des EU-Verteidigungsausschusses, rät, den angekündigten Teilabzug ernst zu nehmen. Es sei eine Botschaft an den Bundeskanzler. Lesen Sie hier das Interview.