Datum03.05.2026 15:33
Quellewww.zeit.de
TLDRSieben Opec-Staaten, darunter Saudi-Arabien und Russland, erhöhen im Juni ihre Ölförderung um täglich 188.000 Barrel zur Marktstabilisierung. Dies geschieht trotz des Austritts der Vereinigten Arabischen Emirate. Die Opec+ setzt ihren Kurs fort, obwohl die tatsächliche Umsetzung wegen des Konflikts im Iran und sanktionsbedingter Probleme Russlands fraglich ist. Die Emirate wollen sich als unabhängiger Akteur positionieren und investieren massiv in Kapazitätsausbau.
InhaltSieben Opec-Staaten setzen nach dem Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate ihre Strategie der Produktionserhöhung fort: Im Juni wollen sie täglich mehr Öl fördern. Nach dem überraschenden Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate aus der Opec+ haben sieben führende Mitgliedsländer ihre Ölförderquote erhöht: Saudi-Arabien, Russland und fünf weitere Förderländer würden im Juni täglich 188.000 Barrel zusätzlich fördern, wie die Organisation auf ihrer Webseite mitteilte. Die höhere Fördermenge beruhe auf der "gemeinsamen Verpflichtung, die Stabilität des Ölmarkts zu stützen", hieß es. In der Erklärung ging die Opec+ nicht darauf ein, dass die Emirate am Dienstag inmitten der Energiekrise überraschend angekündigt hatten, zum 1. Mai aus der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und der erweiterten Allianz Opec+ auszutreten. Es handelt sich um die dritte monatliche Erhöhung in Folge, wie der Verbund mitteilte. In den vergangenen Monaten waren die Produktionsziele für April und Mai um jeweils 206.000 Barrel angehoben worden. Davon waren 18.000 Barrel für die Emirate bestimmt, die nun im jüngsten Anstieg fehlen. Die erneute Erhöhung war bereits erwartet worden. Der Schritt soll zeigen, dass die Gruppe bereit sei, die Lieferungen nach einem Ende des Irankriegs zu erhöhen, hieß es aus Kreisen der Opec+ und von Analysten. Zudem signalisiere die Allianz damit, dass sie trotz des Austritts der Emirate an ihrem bisherigen Kurs festhalte. Ob die Erhöhung praktisch umgesetzt werden kann, gilt wegen der Folgen des Irankriegs allerdings als fraglich. Die wichtigsten Ölförderstätten der Opec+ befinden sich in der Golfregion. Ihre Exporte werden durch die anhaltende Blockade der Straße von Hormus durch den Iran behindert. Die Lieferunterbrechung hat die Ölpreise auf ein Vierjahreshoch von über 125 Dollar pro Barrel steigen lassen. Davon profitiert zwar Opec+-Mitglied Russland, allerdings hat das Land wegen der Folgen seines Angriffskriegs gegen die Ukraine ebenfalls Mühe, seine Förderquoten zu erfüllen. Zu der neuen Erhöhung bekennen sich Saudi-Arabien, Russland, der Irak, Kuwait, Kasachstan, Algerien und der Oman. Mit dem Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate umfasst die Opec+ 21 Mitgliedsländer – einschließlich des Iran. In den vergangenen Jahren waren jedoch nur diese sieben Staaten sowie die Emirate an den monatlichen Produktionsentscheidungen beteiligt. Die Kerngruppe will sich am 7. Juni erneut treffen, hieß es. Die Vereinigten Arabischen Emirate waren seit 1967 Mitglied der Opec. "In unserer Zeit in der Organisation haben wir zum Wohle aller bedeutende Beiträge geleistet und noch größere Opfer gebracht", zitierte die staatliche emiratische Nachrichtenagentur WAM aus einer Erklärung. Es sei nun jedoch "an der Zeit, unsere Anstrengungen auf das zu konzentrieren, was unser nationales Interesse gebietet". Nach Angaben von Analysten hatten die Emirate schon länger nach größeren Fördermengen gestrebt, als ihnen im Rahmen der Opec zugesprochen wurde. Mit dem Austritt können sie über diese Mengen nun selber bestimmen – ebenso wie über den Preis ihres Erdöls. Das Land wolle "nicht durch Quoten eingeschränkt werden", sobald sich die Marktlage wieder normalisiert habe, hieß es aus dem Umfeld des Energieministeriums in Abu Dhabi. Am Sonntag kündigte das staatliche emiratische Öl-Unternehmen Adnoc an, in den kommenden beiden Jahren umgerechnet rund 46,45 Milliarden Euro in neue Projekte zu investieren. Dadurch will der Staatskonzern nach eigenen Angaben sein Wachstum beschleunigen. Die Emirate bringen sich damit als bedeutender Konkurrent der Opec+-Staaten in Stellung.