USA: Tucker Carlson wirft Donald Trump vor, »Geisel« Netanyahus zu sein

Datum03.05.2026 09:31

Quellewww.spiegel.de

TLDRDer Kommentator Tucker Carlson bezeichnet US-Präsident Trump als "Geisel" Netanyahus, der sich dem Iran-Krieg Israels beugen musste. Carlson kritisiert Trumps Ostersonntags-Post als "Angriff auf Jesus" und moralisches Verbrechen. Er gesteht, Trump lange "gehasst" zu haben und sieht sich nun von ihm distanziert. Carlson weicht Vorwürfen aus, Rechtsextreme zu verharmlosen, und kritisiert führende Republikaner.

InhaltIn einem Interview mit der "New York Times" hat Tucker Carlson den US-Präsidenten als im Irankrieg ferngesteuert dargestellt. Vorwürfen, er selbst verharmlose Rechtsextreme, wich er aus. Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde. Vom Verbündeten zum Kritiker: Der rechte US-Kommentator Tucker Carlson hat sich in einem ausführlichen Gespräch mit der "New York Times" erneut scharf von Präsident Donald Trump distanziert . Carlson behauptet in dem Gespräch, Trump habe "keine Wahl" gehabt, als sich Israel beim Angriff auf Iran anzuschließen. Seine Begründung: Der Präsident sei ein "Sklave" und eine "Geisel" des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu sowie von dessen Unterstützern in den USA. In der Trump-Administration habe er, Carlson, niemanden erlebt, der den Krieg offen gewollt habe – stattdessen seien viele aus Angst eingeknickt oder hätten Trumps Wirkung auf sein Umfeld unterschätzt. Trump besitze eine "hypnotische" Macht, so Carlson: "Ich glaube, es ist wahrscheinlich buchstäblich ein Zauber." Zeit mit Trump zu verbringen fühle sich an "wie Hasch zu rauchen". Tucker Carlson zählt seit Jahren zu den einflussreichsten Stimmen der US‑Rechten. Er prägte die konservative Medienlandschaft lange als Moderator bei Fox News, bevor er nach seinem Abgang 2023 mit eigenen Formaten – vor allem auf Podcasts und YouTube – ein Millionenpublikum erreichte. Nicht selten wirkt seine Empörung dabei wie eine kalkulierte Show. Als Schnittstelle seines Bruchs nannte Carlson Trumps Ostersonntags-Post zum Thema Iran. Trump hatte gedroht, falls Iran die Straße von Hormus nicht öffne, werde das Land "in der Hölle leben"; der Beitrag endete mit "Praise be to Allah". Carlson bezeichnete das als "Angriff auf Jesus" und als "moralisches Verbrechen". Es sei unerträglich, mit Gewalt gegen Zivilisten zu drohen und zugleich eine Religion zu verspotten: Man solle den Glauben anderer Menschen nicht verhöhnen – "egal ob Judentum, Christentum oder Islam". Die "New York Times" erinnert zugleich daran, dass Carlson schon früher massive Vorbehalte gegen Trump geäußert hatte. In seinen im Zusammenhang mit dem Dominion‑Verfahren veröffentlichten Textnachrichten aus dem Jahr 2021 schrieb Carlson unter anderem über Trump: "I hate him passionately" ("Ich hasse ihn leidenschaftlich"). Im Interview behauptet er nun, er habe solche Bedenken über Jahre "unterdrückt" oder "weg-rationalisiert" und sich auf Themen konzentriert, in denen er mit Trump übereinstimmte. Auch zu dem Vorwurf, er verharmlose Rechtsextreme, äußerte sich Carlson, kann ihn aber nicht zerstreuen. Er bedauere, den White-Nationalisten Nick Fuentes in seine Sendung eingeladen zu haben – das habe von "wichtigeren Themen" abgelenkt. Zugleich wertete er die öffentliche Kritik darüber ab und griff seinerseits führende Republikaner an: Senator Ted Cruz und der US-Botschafter in Israel, Mike Huckabee, seien "viel schlimmer", behauptete Carlson; beide hätten im Kontext des Nahostkriegs das Töten von Kindern gerechtfertigt. Cruz und Huckabee weisen solche Vorwürfe zurück. Zum Vizepräsidenten JD Vance, den Carlson seit Jahren unterstützt, äußerte er sich demonstrativ zurückhaltend, sprach aber von einer "schwierigen Lage". Der Irankrieg sei politisch "verhängnisvoll" für jeden, der damit verbunden werde: Wer das vertreten müsse, werde künftig erklären müssen, "wie das gut für die Vereinigten Staaten sein soll".