Datum03.05.2026 06:43
Quellewww.zeit.de
TLDRJordanien hat Luftangriffe auf mutmaßliche Drogen- und Waffenlager im südsyrischen Dorf Schahba geflogen. Die jordanische Armee bezeichnete dies als "Abschreckungseinsatz" gegen entlang der Grenze aktive Drogenhändler. Mehrere Ziele in der Provinz Suweida wurden getroffen. Dies ist nicht das erste Mal, dass Jordanien im Nachbarland gegen den Drogenhandel vorgeht, insbesondere gegen Captagon-Schmuggel.
InhaltDas syrische Staatsfernsehen berichtet von jordanischen Angriffen auf ein mutmaßliches Drogenlager im Süden von Syrien. Es sind nicht die ersten Angriffe. Jordanien hat im Nachbarland Syrien Luftangriffe auf ein mutmaßliches Waffen- und Drogenlager geflogen. Jordaniens Armee habe "wahrscheinlich (...) ein Hauptquartier von Rebellengruppen im Dorf Schahba in Suweida angegriffen, in dem Waffen und Drogen lagerten", berichtete das syrische Staatsfernsehen in der Nacht unter Berufung auf örtliche Kreise. Jordaniens Armee sprach von einem "Abschreckungseinsatz gegen mehrere von Waffen- und Drogenhändlern genutzte Standorte entlang der Nordgrenze des Königreichs". In einer Stellungnahme erklärte die jordanische Armee, sie werde "auch weiterhin proaktiv, entschlossen und abschreckend gegen jede Bedrohung der Sicherheit und Souveränität des Königreichs vorgehen". Sie wolle zudem ihre Fähigkeiten und Ressourcen mit voller Kraft einsetzen, "um dieser Bedrohung zu begegnen". Wie die Nachrichtenagentur AFP aus örtlichen Kreisen in Syrien erfuhr, trafen mehrere Luftangriffe mindestens fünf Ziele, darunter Lagerhallen in der syrischen Stadt Arman. Zu den angegriffenen Gebieten gehörte demnach auch die südsyrische Provinz Suweida, die mehrheitlich von der religiösen Minderheit der Drusen bewohnt wird. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die ihre Informationen aus einem Netzwerk von Aktivisten in Syrien bezieht, ereignete sich einer der Angriffe nahe einer Zweigstelle der örtlichen Sicherheitskräfte. Das Königreich Jordanien führte bereits mehrfach Angriffe im Süden Syriens aus, um Drogenhändlerringe zu zerschlagen. Seit dem Sturz des früheren Machthabers Baschar al-Assad durch islamistische Milizen im Dezember 2024 einigten sich die Machthaber in Amman und Damaskus darauf, den Drogenschmuggel an der gemeinsamen Grenze verstärkt zu bekämpfen. Jordanien hat hierfür in den vergangenen Jahren die Kontrollen an der Grenze zu Syrien verschärft. Die Armee geht zudem im Nachbarland gegen den Schmuggel von Waffen und Drogen vor. Eine der wichtigsten aus Syrien geschmuggelten Drogen ist das Aufputschmittel Captagon, für das in der Golfregion eine große Nachfrage besteht. Die amphetaminähnliche Droge war unter Assad Syriens größter Exportartikel. Nachbarländer meldeten immer wieder Beschlagnahmen und forderten den Libanon und Syrien auf, ihre Bemühungen im Kampf gegen den Drogenhandel zu verstärken. Auch nach dem Sturz des Regimes von Baschar al-Assad ist der Zugang zu verlässlichen Informationen über Entwicklungen in Syrien weiterhin schwierig. Dies gilt insbesondere für Kampfgeschehen. Anhänger des gestürzten Diktators, die neue Übergangsregierung unter der Führung islamistischer Milizionäre oder kurdische Einheiten im Norden des Landes sind nur drei der vielen Fraktionen im Land, die jeweils eigene Interessen verfolgen und ihre Sichtweise verbreiten. Viele westliche Medien berufen sich daher weiterhin auf die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (Syrian Observatory for Human Rights, SOHR). Die Organisation wurde 2006 von dem Exilsyrer Rami Abdelrahman (bekannt auch unter seinem bürgerlichen Namen Osama Suleiman) in Großbritannien gegründet. Nach Beginn des Bürgerkriegs war ihr Ziel, die Zahlen von Verletzten und Getöteten möglichst genau zu erfassen sowie Informationen über Menschenrechtsverletzungen zu sammeln. Quelle für die von der Beobachtungsstelle gesammelten Informationen waren und sind nach wie vor Aktivisten vor Ort – nach eigenen Angaben sollen es Hunderte sein. Die Informationen der Aktivisten werden von Abdelrahman sowie von seinen Kontaktleuten in Syrien gesammelt, im Anschluss so gut wie möglich überprüft und schließlich veröffentlicht. Abdelrahman gilt als umstrittene Figur, von verschiedenen Seiten wurde ihm in der Vergangenheit die Verbreitung von Fehlinformationen vorgeworfen. Internationale Menschenrechtsorganisationen halten die von der Beobachtungsstelle zur Verfügung gestellten Informationen jedoch für überwiegend verlässlich. 2020 erhielt Abdelrahman für seine "herausragende Leistung, Menschenrechtsverletzungen in Syrien akribisch zu dokumentieren", den Sonderpreis beim jährlich verliehenen stern-Preis (ehemals Nannen Preis).