Schwangerschaftsabbrüche: Hersteller von Mifepriston ziehen in USA vor Obersten Gerichtshof

Datum03.05.2026 05:01

Quellewww.zeit.de

TLDRUS-Pharmaunternehmen klagen vor dem Obersten Gerichtshof gegen ein Urteil eines Berufungsgerichts, das den Versand von Mifepriston, einem Medikament für Schwangerschaftsabbrüche, eingeschränkt hat. Das Urteil blockiert die postalische Zustellung des Medikaments landesweit und behindert den Zugang für Frauen, insbesondere in Staaten mit Abtreibungsverboten. Die Hersteller argumentieren, die Entscheidung sorge für Verwirrung, während sie das Recht auf Zugang zu sicherer Gesundheitsversorgung verteidigen. Der Fall ist Teil anhaltender Auseinandersetzungen über Abtreibungsrechte seit der Aufhebung von "Roe v. Wade".

InhaltEin US-Gericht hatte den Versand der Pille für Schwangerschaftsabbrüche verboten und so den Zugang zu dem Medikament eingeschränkt. Zwei Pharmafirmen klagen nun dagegen. Zwei Pharmahersteller haben den Obersten Gerichtshof ​der USA angerufen, um den Versandhandel für die Pille Mifepriston für Schwangerschaftsabbrüche wiederherzustellen. Die Unternehmen Danco Laboratories und GenBioPro reichten ihre Anträge am Samstag (Ortszeit) ein. Ein Berufungsgericht hatte am Freitag die Zustellung ​des Medikaments per Post vorläufig blockiert ⁠und damit den Zugang landesweit erheblich eingeschränkt, insbesondere ​in Bundesstaaten, die Schwangerschaftsabbrüche bereits verboten haben. Die Entscheidung des Gerichts sorge für "sofortige Verwirrung ‌und ⁠Verunsicherung", teilte Danco mit. ​GenBioPro erklärte, man setze sich für das Recht aller Menschen auf Zugang zu einer sicheren und erschwinglichen Gesundheitsversorgung ​ein. Ein konservativ besetztes Berufungsgericht in New Orleans hatte zuvor dem republikanisch regierten Bundesstaat Louisiana Recht gegeben. Dieser hatte die US-Arzneimittelbehörde FDA verklagt und argumentiert, die Behörde habe bei der Zulassung des Versandhandels die Risiken schwerwiegender Nebenwirkungen wie Sepsis und Blutungen ignoriert. Für viele Frauen in Bundesstaaten mit restriktiven Regelungen ist die Lieferung des Medikaments per Post die einzige Möglichkeit, einen Schwangerschaftsabbruch durchzuführen. Der Rechtsstreit ist ⁠die jüngste Auseinandersetzung um ​den Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen, seit der Oberste Gerichtshof 2022 das Grundsatzurteil "Roe ‌v. Wade" kippte, das ein ‌landesweites Recht auf Abtreibung verankert hatte. Mifepriston wird ​bei etwa zwei Dritteln der Schwangerschaftsabbrüche in den USA eingesetzt. Für Louisiana und andere republikanisch regierte Bundesstaaten ‌hat die Einschränkung des Zugangs zu Mifepriston Priorität. Die ​Regierung von Präsident Donald Trump hat mitgeteilt, sie prüfe die Sicherheit ⁠von ​Mifepriston. Der Oberste Gerichtshof hatte sich 2024 ‌bereits mit einer anderen Klage gegen die Versandhandelsregelung befasst, diese jedoch aus formellen Gründen abgewiesen. Die ‌Bundesstaaten Missouri, Kansas und Idaho sind in dieses Verfahren eingetreten, das noch anhängig ​ist. Die FDA hatte Mifepriston im Jahr 2000 zugelassen. Früher musste die Pille in einer medizinischen Einrichtung eingenommen werden. Die Regierung des früheren US-Präsidenten Joe Biden hatte es aber 2021 zunächst vorübergehend wegen der Corona-Pandemie erlaubt, dass das Medikament auch von Tele-Medizinern verschrieben und per Post zugeschickt werden kann. 2023 wurde dies dauerhaft erlaubt. Mifepriston wird in den USA üblicherweise zusammen mit dem Mittel Misoprostol verwendet, um Schwangerschaften zu beenden. Misoprostol kann allerdings auch alleine eingesetzt werden und ist von dem Urteil nicht betroffen. Auch aus dem Ausland können sich Frauen in den USA sowohl Mifepriston als auch Misprostol weiterhin bestellen.