Datum03.05.2026 01:22
Quellewww.zeit.de
TLDRChristoph Heusgen, Ex-Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, kritisiert den angekündigten Abzug von 5.000 US-Soldaten aus Deutschland durch Donald Trump als egozentrische Reaktion. Heusgen betont, dass der Abzug den USA selbst schade, da wichtige militärische Kommandos und logistische Stützpunkte wie Ramstein betroffen seien. Er rät zur Gelassenheit, da Trump bereits früher mit Truppenreduzierungen drohte, aber die Präsenz letztlich erhöhte. Der Abzug erfolgt im Kontext von US-Kritik an Deutschland und gespannten Beziehungen zu europäischen NATO-Partnern nach dem Iran-Krieg.
InhaltDer Abzug von Soldaten schade vor allem den USA selbst, sagt der ehemalige Chef der Münchner Sicherheitskonferenz. Den US-Präsidenten bezeichnete er als Egozentriker. Der ehemalige Leiter der Münchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen, hat US-Präsident Donald Trump wegen des angekündigten Abzugs von 5.000 US-Soldaten aus Deutschland kritisiert, zugleich aber Gelassenheit empfohlen. "Es ist die Reaktion eines Egozentrikers, der keine Kritik verträgt", sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). "Dabei dienen die US-Soldaten in Deutschland ureigenen amerikanischen Interessen: die US-Kommandos für Europa und Afrika sind in Deutschland stationiert, ein für die logistische Versorgung amerikanischer Truppen in Übersee bedeutender Luftstützpunkt befindet sich in Ramstein und das für die Erstversorgung von US- Einsatztruppen lebenswichtige Militärkrankenhaus steht in Landstuhl. Mit dem Abzug amerikanischer Truppen würden sich die USA deswegen selbst schaden", sagte Heusgen weiter. Er fügte hinzu: "Im Übrigen hatte Trump schon während seiner ersten Amtszeit mit der Verringerung amerikanischer Truppen in Europa gedroht. Am Ende waren mehr US-Soldaten in Europa stationiert als zu Beginn. Deswegen ist eine gewisse Gelassenheit angeraten. Wir sollten nicht über jedes Stöckchen springen, das Trump uns hinhält." US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte am Freitag den Abzug von 5.000 Soldaten aus Deutschland angekündigt. Der Abzug solle innerhalb der kommenden sechs bis zwölf Monate stattfinden, sagte Ministeriumssprecher Sean Parnell. US-Präsident Donald Trump hatte am Mittwoch bereits mit dem Abzug gedroht. Zuvor hatte Trump Bundeskanzler Friedrich Merz kritisiert, weil dieser von einer Demütigung der USA durch den Iran gesprochen hatte und den Vereinigten Staaten beim Krieg gegen den Iran eine fehlende Strategie vorwarf. "Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz denkt, es sei in Ordnung, wenn der Iran eine Atomwaffe hat. Er weiß nicht, wovon er spricht!", schrieb Trump. Seit dem Beginn des Irankriegs Ende Februar hatte sich das Verhältnis zwischen den USA und mehreren europäischen Nato-Partnern verschlechtert. Letztere hatten sich geweigert, die USA zu unterstützen. Vor der Auseinandersetzung mit Merz hatte Trump bereits den britischen Premierminister Keir Starmer scharf kritisiert.