Datum02.05.2026 22:50
Quellewww.spiegel.de
TLDREin US-Berufungsgericht schränkt den Postversand des Abtreibungsmittels Mifepriston ein. Der Hersteller Danco Laboratories hat den Fall vor den Obersten Gerichtshof gebracht, um das Urteil zu stoppen. Ein konservatives Gremium folgte der Klage des Bundesstaates Louisiana, der der FDA vorwirft, Risiken des Medikaments unterschätzt zu haben. Danco warnt vor Chaos im Gesundheitssystem, da der Zugang zu Mifepriston, besonders in Staaten mit Abtreibungsverboten, nun stark eingeschränkt ist.
InhaltEin US-Berufungsgericht hat den Versand des Abtreibungsmedikaments Mifepriston per Post eingeschränkt. Der Hersteller Danco Laboratories warnt vor Chaos im Gesundheitssystem und bringt den Fall vor den Obersten Gerichtshof. Das US-Pharmaunternehmen Danco Laboratories hat sich mit einem Eilantrag an den Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten von Amerika gewandt. Ziel ist es, ein Urteil eines Berufungsgerichts vorläufig auszusetzen, das den Versand der Abtreibungspille Mifepriston per Post untersagt. Die Entscheidung des Berufungsgerichts wurde erst am Freitag von einem konservativ besetzten Dreiergremium einstimmig getroffen. Sie hat weitreichende Folgen: Der Zugang zu dem Medikament wird landesweit deutlich begrenzt – besonders in Bundesstaaten, in denen Schwangerschaftsabbrüche ohnehin verboten sind. Auslöser des Verfahrens ist eine Klage des republikanisch regierten Bundesstaates Louisiana. Bereits seit 2022 haben Louisiana und rund 20 weitere konservativ geprägte US-Bundesstaaten das Recht auf Abtreibung abgeschafft oder drastisch eingeschränkt. Die Regierung von Louisiana wirft der US-Arzneimittelbehörde FDA vor, bei einer Neuregelung aus dem Jahr 2023 Risiken wie schwere Infektionen oder Blutungen unterschätzt zu haben. Das Berufungsgericht folgte dieser Argumentation zumindest vorläufig. Nun warnt Danco Laboratories vor erheblichen Konsequenzen. Das Urteil sorge für "sofortige Verwirrung" bei zeitkritischen medizinischen Entscheidungen, heißt es in dem Antrag. Ärzte, Apotheken und Patientinnen würden im Unklaren darüber gelassen, was aktuell erlaubt ist. Auch wenn es sich formal nur um eine Zwischenentscheidung handelt, markiert sie einen Einschnitt: Erstmals wird der Zugang zu Mifepriston in den laufenden juristischen Auseinandersetzungen spürbar eingeschränkt. Im Kern richten sich mehrere Klagen sowohl gegen die ursprüngliche Zulassung des Medikaments im Jahr 2000 als auch gegen spätere Lockerungen, darunter die im Jahr 2023 eingeführte Regelung, die den Versand per Post erlaubt und die persönliche Ausgabe in Praxen überflüssig macht. Wie groß die praktische Bedeutung dieser Lockerung ist, zeigt eine Studie der University of Southern California: In Bundesstaaten mit liberalem Abtreibungsrecht werden weniger als zwei Prozent der entsprechenden Medikamente noch persönlich abgeholt – der Großteil erfolgt per Versand nach telemedizinischer Verschreibung. Neben Danco Laboratories ist auch der Hersteller GenBioPro an dem Verfahren beteiligt. Beide Unternehmen verteidigen die bestehende Regelung der FDA. Dancos Präparat Mifeprex, der Markenname des Medikaments mit dem Wirkstoff Mifepriston, ist dabei das einzige Produkt des Unternehmens. Bereits im Jahr 2024 hatte sich der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten mit einer ähnlichen Klage von Ärzten und medizinischen Verbänden befasst, diese jedoch aus formalen Gründen abgewiesen. Inzwischen führen andere Bundesstaaten – darunter Missouri, Kansas und Idaho – das Verfahren fort. Parallel dazu setzte ein Bundesrichter in Louisiana, David Joseph, das Verfahren Anfang April vorübergehend aus. Hintergrund ist eine erneute Sicherheitsüberprüfung von Mifepriston durch die Regierung von Donald Trump, die sich Medienberichten zufolge bis nach den Zwischenwahlen im November hinziehen könnte. Der Richter selbst lehnte es ab, die Versandregelung sofort zu stoppen. Zugleich ließ er jedoch durchblicken, dass er sie für wahrscheinlich rechtswidrig hält und bei Wiederaufnahme des Verfahrens entsprechend entscheiden könnte.