Datum02.05.2026 18:03
Quellewww.spiegel.de
TLDRDer ADAC kritisiert, dass die Steuersenkung auf Benzin und Diesel nicht vollständig bei den Autofahrern ankommt. Zwar sind die Preise gesunken, aber der Nachlass liegt unter der erwarteten Höhe. Es gibt zudem große regionale Preisunterschiede. Der ADAC fordert, dass die Steuersenkung nun im Laufe des Tages vollständig weitergegeben wird. Auch die Linkenfraktion kritisiert die Preisgestaltung und fordert Maßnahmen wie Krisengeld und ein 9-Euro-Ticket.
InhaltDie Steuersenkung auf Benzin und Diesel kommt nicht voll bei Autofahrern an, moniert der größte Automobilclub Europas. Zudem gibt es große regionale Unterschiede beim Spritpreis. Der Sprit ist günstiger, ja, aber noch nicht günstig genug: Am ersten Tag des Tankrabatts sind dessen Auswirkungen noch nicht voll an den Zapfsäulen in Deutschland angekommen, kritisiert der ADAC. Die Steuersenkung war eingeführt worden, um Autofahrer finanziell zu entlasten; sie gilt seit dem 1. Mai. Nach Berechnungen des Autofahrerclubs hätten Benzin und Diesel etwa drei Cent weniger kosten müssen, um mit der Steuersenkung von 16,7 Cent mitzuhalten. Am Freitag kostete ein Liter Super E 10 im Schnitt 1,989 Euro, der Preis für einen Liter Diesel lag bei bei 2,079 Euro. Dies seien 13,7 und 13,6 Cent weniger als am Vortag gewesen. Das Bundeskartellamt kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Demnach sind die Preise vom 30. April auf den 1. Mai im bundesweiten Schnitt um knapp 13 Cent gefallen. Dabei gebe es große Preisunterschiede zwischen verschiedenen Tankstellen und zwischen unterschiedlichen Regionen. Momentan sei das Preisniveau in weiten Teilen Süddeutschlands um etwa fünf bis sieben Cent geringer als in Mittel- und Norddeutschland, erläuterte die Bonner Wettbewerbsbehörde. Der Grund seien Unterschiede in Raffinerie- und Großhandelspreisen zwischen den Regionen. Mit Stand 10.30 Uhr lagen die Durchschnittspreise am Samstag demnach für Diesel bei 2,06 Euro pro Liter, für Super E5 bei 2,03 Euro und für Super E10 bei 1,97 Euro. Der ADAC weist darauf hin, dass der Ölpreis seit kurzfristigen Höchstständen Ende April wieder deutlich nachgegeben habe. Dadurch gebe es zusätzlichen Spielraum für Preisreduzierungen. Die Steuersenkung müsse nun im Laufe des Samstags vollständig an die Verbraucher weitergegeben werden, sagte eine Sprecherin. Schon vor der Einführung des Tankrabatts gab es Befürchtungen, der Preisnachlass könnte nicht an die Kunden weitergegeben werden, sondern zu einem Teil von den Mineralölkonzernen abgeschöpft werden. In der Vergangenheit waren die Margen der Konzerne nach Einführung eines solchen Preisnachlasses gestiegen. Janine Wissler, wirtschaftspolitische Sprecherin der Linkenfraktion im Bundestag Die wirtschaftspolitische Sprecherin der Linkenfraktion im Bundestag, Janine Wissler, kritisierte, viele Tankstellen hätten ihre Preise kurz vor Inkrafttreten noch einmal deutlich angezogen. "Bisher geht die Abzocke an der Tankstelle fröhlich weiter." Wissler erneuerte die Forderung nach 150 Euro Krisengeld für alle und einer Wiedereinführung des 9-Euro-Tickets. Zur Finanzierung könnten abgeschöpfte Übergewinne der Mineralölkonzerne genutzt werden. Der Branchenverband Fuels und Energie hatte zum Start des Tankrabatts angekündigt, dass die volle Steuersenkung bei den Kunden ankommen soll. Die Branche hatte zuvor aber auch darauf hingewiesen, dass sich in den Tanks vieler Tankstellen noch Kraftstoff befindet, der nach den alten Steuersätzen abgerechnet wurde. Entscheidend für den Steuernachlass ist nicht der Verkauf an der Tankstelle, sondern der Moment, in dem der Kraftstoff das Tanklager beziehungsweise die Raffinerie verlassen hat. Der Wirtschaftspsychologe Florian Bauer sagt dem SPIEGEL: "Der Spritpreis steht für alles, was ökonomisch in Deutschland falsch läuft". Das ganze Interview lesen Sie hier.