US-Soldaten: Verteidigungsminister Pistorius: Abzug war »absehbar«

Datum02.05.2026 10:50

Quellewww.spiegel.de

TLDRDeutschland muss mehr Verantwortung für seine Sicherheit übernehmen, erklärt Verteidigungsminister Pistorius, nachdem die USA 5000 Soldaten abziehen. Der Abzug war absehbar und die Verlegung eines Raketenbataillons kommt nicht zustande. Die Truppenstärke in Europa sinkt auf das Niveau vor dem Ukraine-Krieg. Deutschland bleibt dennoch wichtiger US-Stützpunkt. Pistorius fordert eine stärkere europäische Verteidigung.

InhaltVerteidigungsminister Boris Pistorius versucht, in der Debatte über den Abzug von US-Soldaten die Wogen zu glätten: Für beide Länder seien die Truppen in Deutschland wichtig. Doch es gibt eine andere Entwicklung, die größere Folgen haben könnte. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat nach dem angekündigten Abzug von 5000 US-Soldaten aus Deutschland die Bedeutung von US-Soldaten in Deutschland hervorgehoben. "Die Präsenz amerikanischer Soldaten in Europa und besonders in Deutschland ist in unserem Interesse und im Interesse der USA", sagte Pistorius der Nachrichtenagentur dpa. Zugleich machte er deutlich, dass die Entscheidung nicht unerwartet komme. Dass die USA Truppen aus Europa und auch aus Deutschland abziehen würden, "war absehbar", sagte der Politiker. "Mit den Amerikanern arbeiten wir eng zusammen, in Ramstein, in Grafenwöhr, in Frankfurt und anderswo, für Frieden und Sicherheit in Europa, für die Ukraine und zur gemeinsamen Abschreckung", sagte Pistorius. Mit dem geplanten Abzug geht laut Nachrichtenagentur Reuters und "New York Times"  eine weitere Entscheidung einher: Demnach soll ein Fernraketen-Bataillon doch nicht mehr nach Deutschland verlegt werden. Die Biden-Regierung hatte die Verlegung für dieses Jahr geplant gehabt. Die Maßnahmen werden die US-Streitkräfte in Europa auf den Stand von 2022 zurückführen – also auf die Truppenstärke vor Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine, sagten Beamte der "New York Times". Selbst wenn das Pentagon 5000 Soldaten aus Deutschland abzieht, wäre das Land mit mehr als 30.000 stationierten US-Soldaten weiterhin der zweitgrößte amerikanische Truppenstützpunkt weltweit – nur übertroffen von Japan. Verteidigungsbeamte erklären, dass die Vereinigten Staaten auf ihre Stützpunkte in Deutschland angewiesen sind, um viele ihrer Operationen im Nahen Osten, in Europa und in Afrika durchzuführen. Klar sei, dass die Nato europäischer werden müsse, um transatlantisch bleiben zu können, sagte Pistorius. "Wir Europäer müssen mehr Verantwortung für unsere Sicherheit übernehmen." Deutschland sei dabei auf einem guten Weg. Die Bundeswehr werde größer. Material werde schneller beschafft und Infrastruktur geschaffen. Die Soldaten sollen innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate verlegt werden. Der Schritt markiert eine Verschlechterung der deutsch-amerikanischen Beziehungen und könnte spürbare Folgen für die betroffenen Regionen haben. Ausgangspunkt war offenbar Merz’ scharfe Kritik am Vorgehen der USA im Irankrieg. Nun steht die Frage im Raum, ob auch das Beistandsversprechen der USA in der Nato erodieren könnte. Die Frage nach der Sicherheit ist auch davon abhängig, welche Truppen aus Deutschland abgezogen werden sollen. Details dazu waren zunächst nicht bekannt. Zu den militärisch bedeutsamsten gehört die Ramstein Air Base (Rheinland-Pfalz). Für die USA ist sie die zentrale Luftdrehscheibe für Europa und den Nahen Osten. Das größte US-Militärkrankenhaus im Ausland befindet sich im rheinland-pfälzischen Landstuhl. US-Soldaten, die in Auslandseinsätzen verwundet werden, müssen für eine schnelle und hochwertige Behandlung also nicht den weiten Weg bis in die USA gebracht werden. Der größte US-Truppenübungsplatz außerhalb der USA liegt nahe Grafenwöhr in Bayern. In Stuttgart befinden zudem sich die Hauptquartiere des Europa-Kommandos (Eucom) und des Afrika-Kommandos (Africom) der US-Streitkräfte, in Wiesbaden die Zentrale des US-Heeres in Europa.