Datum02.05.2026 10:46
Quellewww.spiegel.de
TLDREin jüdischer Mann hat in der Jerusalemer Altstadt eine Nonne angegriffen und zu Boden gestoßen. Der Tatverdächtige wurde festgenommen und ihm wird ein rassistisch motivierter Angriff vorgeworfen. Der Vorfall hat breite Verurteilung von israelischen Behörden und ausländischen Vertretern ausgelöst. Die Tat reiht sich ein in jüngste Anfeindungen und Gewalt gegen Christen in Israel.
InhaltEr stößt sie von hinten zu Boden und tritt auf sie ein: In Jerusalems Altstadt hat ein offenbar jüdischer Mann eine Nonne angegriffen. Der Tatverdächtige wurde festgenommen, ihm wird laut Medienberichten ein "rassistisch motivierter Angriff" vorgeworfen. Der Angriff auf eine französische Nonne in der Altstadt von Jerusalem sorgt für Entsetzen. Laut einem Bericht des israelischen Sender N12 soll ein jüdischer Mann die Ordensfrau attackiert haben, weil er sie als Christin erkannt habe. Eine Kamera hat den Vorfall festgehalten. Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie ein Mann einer Nonne nachrennt und sie von hinten mit Wucht zu Boden stößt. Anschließend entfernt sich der Angreifer zunächst, kehrt dann jedoch zurück und tritt die am Boden liegende Ordensschwester. Dann kommt ein Passant der Frau zu Hilfe und schubst den Angreifer weg. Der Angriff ereignete sich Berichten zufolge bereits am Dienstag. Noch am selben Tag meldete die israelische Polizei eine Festnahme. Bei dem Tatverdächtigen soll es sich um einen 36 Jahre alten jüdischen Mann handeln. Laut der "Times of Israel" wird ihm ein "rassistisch motivierter Angriff" vorgeworfen. In einer Erklärung betonte die Polizei, Angriffe auf Angehörige religiöser Gemeinschaften würden mit "Null Toleranz" verfolgt. Ein von den Behörden veröffentlichtes Foto der Ordensfrau zeigte eine Verletzung am Kopf. Bei der Nonne handelt es sich übereinstimmenden Berichten zufolge um eine 48-Jährige, die bei der French School of Biblical and Archeological Research beschäftigt ist. Deren Leiter, Olivier Poquillon, verurteilte die Gewalt in einem Post auf X scharf. Man erwarte ein rasches, entschiedenes Handeln der Behörden. Auch das französische Konsulat in Jerusalem verurteilte den Angriff scharf. Israels Außenministerium sprach von einer "beschämenden Tat", die den Werten von Respekt, Koexistenz und Religionsfreiheit widerspreche. Jerusalem müsse ein Ort bleiben, an dem alle Gemeinschaften sicher leben und ihren Glauben ausüben könnten, hieß es. In Israel, vorwiegend in Jerusalem, sind Christen zunehmend Anfeindungen ausgesetzt. Die Hebräische Universität sprach von einem beunruhigenden Muster zunehmender Feindseligkeit gegenüber der christlichen Gemeinschaft und ihren Symbolen. Bereits 2025 verzeichnete das Rossing Center, eine interreligiöse Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Jerusalem, einen Anstieg offener Feindseligkeit gegenüber dem Christentum – begünstigt durch Polarisierung und ultranationalistische Trends. Das Center dokumentierte im vergangenen Jahr 155 Vorfälle von Belästigung und Gewalt gegen Christen in Israel und Ostjerusalem, darunter Spuckattacken, Vandalismus, Hausfriedensbruch und Beschimpfungen. Im März gab es einen internationalen Aufschrei, nachdem die israelische Polizei den obersten römisch-katholischen Führer in Jerusalem, Kardinal Pierbattista Pizzaballa, daran gehindert hatte, am Palmsonntag die Grabeskirche für eine private Messe zu betreten. Vergangenen Monat wurde ein israelischer Soldat dabei gefilmt, wie er eine Statue von Jesus mit einem Vorschlaghammer im Südlibanon zerstörte. Er und ein anderer Soldat, der den Angriff gefilmt hatte, wurden für 30 Tage inhaftiert. Premierminister Benjamin Netanyahu sagte, er sei "fassungslos und traurig" über den Vorfall. "Der hinterhältige Angriff auf eine Nonne in Jerusalem und wiederholte Angriffe auf Christen auch im Westjordanland sind unerträglich", kommentierte Nikodemus Schnabel, Oberer der Benediktinergemeinschaft auf dem Zionsberg in Jerusalem, die jüngste Attacke in Jerusalem. Wichtig sei, dass Sicherheitsbehörden gegen diese Gewalt konsequent vorgehen.