Datum02.05.2026 09:56
Quellewww.spiegel.de
TLDREine neue Podcastserie "Der Fall Freud" untersucht, ob Sigmund Freuds Ideen zum Unbewussten und zur Selbstanalyse heute noch relevant sind. Trotz Kritik an seiner Person prägen seine Theorien Psychotherapie und Geisteswissenschaften. Parallel dazu werden Sicherheitsbedenken im österreichischen Nationalrat thematisiert: Mitarbeiter der FPÖ, die der rechtsextremen "Identitären Bewegung" nahestehen sollen, haben ungeprüften Zugang zum Parlament. Dies wirft Fragen nach der Sicherheit und der Ideologie an der Schwelle der Volksvertretung auf.
InhaltDer Erfinder der Psychoanalyse wäre im Mai 170 Jahre alt geworden. In einer neuen Podcastserie fragen wir, wie aktuell seine Gedanken zum Unbewussten und zur Selbstanalyse heute sind. Kommenden Mittwoch jährt sich der Geburtstag eines weltbekannten Österreichers zum 170. Mal: Sigmund Freud wurde am 6. Mai 1856 in Freiberg (heute Příbor) geboren. Wenige Jahre später übersiedelte seine Familie nach Wien – jene Stadt, in der der Begründer der Psychoanalyse fast sein gesamtes Leben verbrachte. Bis ihn die Nationalsozialisten aufgrund seiner jüdischen Herkunft zwangen, hochbetagt ins Exil nach London zu gehen. Obwohl Freuds Verhältnis zu seiner Heimat zeitlebens ambivalent blieb, war das Wien der Jahrhundertwende der Nährboden für seine revolutionären Ideen. Eine Stadt im Umbruch: Die alten Stadtmauern fielen – und mit ihnen ein überkommenes Weltbild. Von seiner Praxis in der Berggasse aus setzte auch Freud zum gedanklichen Vorschlaghammer an. Seine vielleicht radikalste These: Dass wir nicht Herr im eigenen Haus sind, sondern von unserem Unbewussten gelenkt werden. Nicht nur mit dieser "Entdeckung" veränderte Freud die Welt. Begriffe wie Libido, Trieb, Über-Ich, Penisneid oder Ödipuskomplex prägen bis heute unser Denken über uns selbst – und über Gesellschaft. Wer heute in sozialen Netzwerken nach Freud sucht, stößt allerdings häufig auf vernichtende Urteile über den "alten, weißen Mann". Seine Theorien gelten vielen als misogyn, narzisstisch und überholt. Und doch bilden sie die Grundlage moderner Psychotherapie, haben Generationen von Denkerinnen und Denkern beeinflusst und tiefe Spuren in Medizin, Geistes- und Sozialwissenschaften hinterlassen. Diese Spannung nehmen wir zum Anlass für unsere neue Podcastreihe: "Der Fall Freud". In einer komplexen Welt stellen wir uns die Frage: Kann Freud uns helfen, zumindest uns selbst besser zu verstehen? Oder hat er uns mit seinen Ideen erst recht in die Irre geführt? Um das herauszufinden, haben wir mit Historikern, Psychoanalytikerinnen und Wissenschaftsjournalisten gesprochen. Wir haben Psychotherapeuten unsere Träume deuten lassen – und uns selbst bei Hypnotiseuren auf die Couch gelegt. Das Ergebnis hören Sie ab heute: jede Woche eine neue Folge. Abonnentinnen und Abonnenten von SPIEGEL und "Standard" hören die Episoden jeweils eine Woche früher. Das innenpolitische Thema der Woche beschreibt mein Kollege Oliver Das Gupta, Autor beim SPIEGEL und beim "Standard": "Der Standard" und der ORF "Report" machten publik, dass bis zu zwanzig mutmaßliche Rechtsextremisten ständigen Zugang zum Nationalrat haben: Sie sind Parlamentarische Mitarbeiter, kurz Pamis. Diese Personen sind von der FPÖ engagiert und sollen der "Identitären Bewegung" nahestehen. Die Truppe wird vom Verfassungsschutz DSN als zentrales Sammelbecken der Neuen Rechten eingestuft. Diese Strömung strebe die "Überwindung der herrschenden demokratischen, rechtsstaatlichen und gesellschaftlichen Ordnung" an. Seitdem Herbert Kickl die FPÖ führt, grenzt sich die Partei nicht mehr von "Identitären" ab. Kickl pries sie gar als "NGO" und übernahm die Kampfvokabel "Remigration". "Identitäre" gehen im Parlament offenbar ein und aus: Wie Abgeordnete können sie das Nationalratsgebäude und andere sensible Bereiche ohne jede Kontrolle betreten, auch ihr Gepäck muss keinen Check durchlaufen. Eine Sicherheitslücke in der Hausordnung der Volksvertretung hat sich als Einfallstor für mutmaßliche Verfassungsfeinde erwiesen. Im Gegensatz zu Reinigungskräften, dem Kantinenpersonal und Mitarbeitern der Parlamentsdirektion durchlaufen Pamis keine Sicherheitsüberprüfung, bevor sie ihre Zutrittskarte erhalten. STANDARD und SPIEGEL erklären, was Österreich bewegt, ordnen politische Debatten ein, erzählen unbekannte Besonderheiten und analysieren die Hintergründe der Macht. Inside Austria erscheint jeden Samstag als Newsletter und Podcast. Für Inside-Austria Hörer- und Leserinnen gibt es jeweils ein besonderes Angebot: 4 Wochen SPIEGEL+ für 1 €, danach 5,99 € pro Woche sowie 1 Monat STANDARD Smart für 1 € statt 14,90 € . Anders in Deutschland: Erst Anfang des Jahres berichtete der SPIEGEL, dass die Verwaltung des Bundestages sieben Mitarbeitern der FPÖ-Schwesterpartei AfD die Hausausweise verweigerte, weil sie einschlägig aufgefallen waren. Würde in Österreich die Sicherheitsüberprüfung ausgeweitet, dürfte das Ergebnis ähnlich ausfallen. Die "Standard"-Kollegen Colette M. Schmidt und Fabian Schmid vermuten , dass einige FPÖ-Mitarbeiter Probleme mit der Frage 4A der Sicherheitsüberprüfung hätten. Sie lautet: "Haben oder hatten Sie ein Naheverhältnis zu einer Gruppierung oder Organisation, die Bereitschaft zu ideologisch oder religiös motivierten Straftaten zeigt?" Die Sicherheitslücke dürfte vorerst nicht geschlossen werden. Schließlich stellt die FPÖ in der laufenden Legislaturperiode nicht nur die meisten Abgeordneten, sondern auch den Nationalratspräsidenten Walter Rosenkranz. Und der hatte die rechtsextremen "Identitären" schon 2019 als "erfrischend" bezeichnet . Mit freundlichen GrüßenIhre Antonia Rauth,Redakteurin Podcast, DER STANDARD Und noch einmal der Hinweis in eigener Sache: Dieses Briefing als Newsletter in Ihr E-Mail-Postfach können Sie hier bestellen.