Datum02.05.2026 09:18
Quellewww.spiegel.de
TLDRDonald Trump plant eine deutliche Erhöhung der Zölle auf EU-Autos und -Lkw. Die EU droht mit Gegenmaßnahmen zum Schutz ihrer Interessen. Ökonomen und die deutsche Wirtschaft warnen vor erheblichen negativen Folgen für den transatlantischen Handel und die europäische Automobilindustrie. Deutschland, als großer Autoexporteur, wäre besonders betroffen. Experten fordern von der EU mehr Entschlossenheit und eine klare Reaktion auf Trumps Verhalten.
InhaltUS-Präsident Trump will die Zölle auf Autos und Lkw aus der EU deutlich erhöhen. Sollte die Maßnahme greifen, behält sich Brüssel "alle Optionen vor, um die Interessen der EU zu schützen". Ökonomen warnen vor weitreichenden Folgen. Die neuen Zollpläne von Donald Trump sind eine weitere Belastung für das transatlantische Verhältnis. Nach der Ankündigung höherer Zölle für Autos aus der EU durch den US-Präsidenten droht Brüssel nun mit Gegenmaßnahmen. Eine Sprecherin der für die Handelspolitik der Staatengemeinschaft zuständigen EU-Kommission teilte mit, man bekenne sich weiter "zu einer berechenbaren, für beide Seiten vorteilhaften transatlantischen Beziehung". Sollten die USA Maßnahmen ergreifen, die im Widerspruch zum gemeinsamen Handelsabkommen stünden, behalte man sich jedoch "alle Optionen vor, um die Interessen der EU zu schützen". Die Sprecherin versicherte, die EU setze die eingegangenen Verpflichtungen im Einklang mit der üblichen Gesetzgebungspraxis um und halte die US-Regierung dabei stets umfassend auf dem Laufenden. Trump hatte zuvor eine deutliche Zollerhöhung angekündigt. "Da die Europäische Union unser vereinbartes Handelsabkommen nicht einhält, werde ich in der kommenden Woche die Zölle für aus der Europäischen Union in die USA eingeführte Pkw und Lkw erhöhen", schrieb er in seinem Onlinedienst Truth Social. "Der Zollsatz wird auf 25 Prozent angehoben." Der US-Präsident machte keine Angaben dazu, inwiefern die EU seiner Meinung nach gegen das vereinbarte Handelsabkommen verstößt. Scharfe Kritik an den Zollplänen kommt von der Vorsitzenden des Handelsausschusses im EU-Parlament, Bernd Lange. "Dieser jüngste Schritt zeigt, wie unzuverlässig die US-Seite ist", sagte der SPD-Politiker am Freitag. So gehe man nicht mit engen Partnern um. Trumps Verhalten sei inakzeptabel. Die Europäische Union müsse nun mit äußerster Klarheit und Entschlossenheit aus einer Position der Stärke heraus reagieren, forderte Lange. Während sich die EU an das sogenannte Schottland-Abkommen halte und die entsprechende Gesetzgebung voraussichtlich im Juni abschließen werde, hätten die USA die Vereinbarung wiederholt gebrochen. Auch die deutsche Wirtschaft kritisierte die Zollpläne scharf. "Einseitige Zolldrohungen untergraben Vertrauen und belasten den transatlantischen Handel erheblich", sagte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Dirk Jandura, am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Vollkommen unklar sei zudem, auf welcher rechtlichen Basis Trump die angekündigte Zollerhöhung umsetzen wolle. Umso wichtiger seien künftig durchsetzbare Schutzklauseln, die Verlässlichkeit schafften und schnelles Handeln ermöglichten. "Europa muss kooperationsbereit bleiben, aber seine Interessen konsequent verteidigen." Der deutsche Verband der Automobilindustrie (VDA) bezeichnete Trumps Vorstoß als "erneute und schwerwiegende Belastung der transatlantischen Beziehungen". Die zusätzlichen Abgaben würden die deutsche und europäische Automobilindustrie in einer ohnehin angespannten Lage hart treffen, sagte die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie, Hildegard Müller. Zugleich könnten die Maßnahmen auch Auswirkungen auf Verbraucherinnen und Verbraucher in den USA haben, hieß es weiter. Müller forderte beide Seiten auf, das zwischen der EU und den USA geschlossene Handelsabkommen einzuhalten und mahnte insbesondere Fortschritte auf europäischer Seite an. Die Automobilindustrie rufe sowohl Washington als auch Brüssel zu einer Deeskalation und zu raschen Gesprächen auf. Die EU und die USA hatten im September 2025 ein umfassendes Handelsabkommen für zahlreiche Bereiche geschlossen. Damit sollte auch eine rückwirkende Senkung der Zölle für EU-Autoexporte in die USA auf 15 Prozent von zuvor 27,5 Prozent einhergehen. Trumps Ankündigung erfolgte kurz nachdem Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) den US-Präsidenten scharf kritisiert hatte. Trump forderte Merz auf, sich auf die Beendigung des Ukrainekriegs zu konzentrieren, anstatt sich in die Angelegenheiten Irans "einzumischen". Zudem solle Merz "sein marodes Land in Ordnung bringen", erklärte Trump am Donnerstag in Onlinemedien. Deutschland ist für einen großen Teil der Autoexporte aus der EU verantwortlich und würde von höheren Zöllen vermutlich hart getroffen werden. "Die Effekte wären substanziell", sagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Moritz Schularick, am Samstag mit Blick auf den deutschen Automobilsektor. IfW-Handelsexperte Julian Hinz sagte: "Kurzfristig werden Produktionsverluste auf fast 15 Milliarden Euro geschätzt, die langfristig auf etwa 30 Milliarden Euro ansteigen würden." Das bedeute einen Verlust an realer Wertschöpfung von etwa 0,3 Prozent. "Deutschlands ohnehin schon langsames Wachstumstempo würde schwer getroffen werden", lautet das Fazit von Hinz. So erwarten die Kieler Forscher bislang ein Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent in diesem Jahr. Auch andere europäische Volkswirtschaften mit einer starken Automobilbranche – darunter Italien, die Slowakei und Schweden – dürften der IfW-Modellrechnung zufolge nennenswerte Einbußen verzeichnen. Für den Ökonomen Marcel Fratzscher kommt die erneute Eskalation im Handelskonflikt mit den USA nicht überraschend. "Denn Präsident Trump nutzt Deutschlands und Europas stetiges Nachgeben als Schwäche aus", sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) "Es rächt sich nun erneut, dass die Europäische Union und auch die Bundesregierung im Konflikt mit Trump immer wieder nachgegeben und ihn gewähren lassen haben." Sie müssten nun endlich Rückgrat zeigen und Trump Paroli bieten. Nur so könnten sie eine stetige Eskalation verhindern. "Sie können und dürfen sich nicht länger erpressen lassen, sonst steigen die Kosten für die europäische Wirtschaft und insbesondere für die deutschen Exportunternehmen weiter an", warnte Fratzscher.