Meinung: Die Lage am Morgen - US-Truppenabzug aus Deutschland, Große Koalition in Rheinland-Pfalz, möglicher neuer FDP-Generalsekretär

Datum02.05.2026 06:38

Quellewww.spiegel.de

TLDRDie US-Regierung zieht 5000 Soldaten aus Deutschland ab, was Spannungen zwischen den USA und Europa verschärft und für Deutschland logistische Nachteile bringen könnte. In Rheinland-Pfalz bildet sich eine Große Koalition aus CDU und SPD unter Gordon Schnieder. Die FDP könnte sich neu erfinden: Mit Wolfgang Kubicki und Martin Hagen an der Spitze, der eine liberal-konservative Ausrichtung und eine Neubewertung der AfD-Beziehung befürwortet.

InhaltDie US-Regierung will 5000 Soldaten aus Deutschland abziehen. Rheinland-Pfalz bekommt die GroKo. Und die FDP vielleicht einen Mann namens Hagen. Das ist die Lage am Samstagmorgen. Heute geht es um die Ankündigung der US-Regierung, Soldaten aus Deutschland abzuziehen, um die GroKo in Rheinland-Pfalz sowie um die Neuaufstellung der FDP. Tja, wie geht es weiter in Berlin? Kanzler Friedrich Merz und Vize Lars Klingbeil inszenierten sich nach ihren Streitereien zuletzt wieder versöhnt und ließen es am Donnerstag beim Truppenbesuch in Niedersachsen krachen. (Lesen Sie hier  mehr). Bei einer 1.-Mai-Kundgebung nahm Klingbeil den Kanzler jetzt in Schutz, verteidigte ihn gegen Angriffe des US-Präsidenten: "Wir brauchen nun wirklich keine Tipps von Donald Trump. Der soll sehen, welche Scherbenhaufen er angerichtet hat." Aus Amerika wiederum kam es gestern doppelt dicke. Beleg für die "Kluft" und den "tiefen Graben" (Merz), der sich zwischen den USA und Europa aufgetan hat. Erst kündigte Trump trotz des 15-Prozent-Abkommens mit der EU einen höheren Zollsatz von 25 Prozent auf Autos und Lastwagen an (hier dazu mehr ). Dann ließ Amerikas Verteidigungs- und Trumps Kriegsminister Pete Hegseth einen Truppenabzug aus Deutschland verkünden: 5000 US-Soldaten sollen das Land verlassen. Der US-Präsident drohte das zuletzt im rhetorischen Fernduell mit Merz an. Der Kanzler hatte Trump zuvor vorgeworfen, "ohne jede Strategie" in den Irankrieg gezogen zu sein und gesagt, die ​Iraner würden die USA in den Verhandlungen zur Beendigung des Krieges demütigen. Es folgte eine Trump-Tirade via Social Media gegen Merz ("keine Ahnung", "kaputtes Land"). Laut US-Angaben waren im April 2026 ​etwa 39.000 US-Soldaten in Deutschland stationiert, die US-Basen spielen logistisch für die globale Einsatzfähigkeit der amerikanischen Streitkräfte eine zentrale Rolle. Ein Teilabzug könnte also nicht nur Deutschland, sondern auch den USA schaden (Lesen Sie hier  mehr Details dazu). Hier heißt ein Bündnis aus CDU und SPD nicht mehr nur profan Schwarz-Rot, sondern noch immer: Große Koalition. Denn die Partner verfügen über eine Zweidrittelmehrheit im Mainzer Landtag. Vergangene Woche haben sich die beiden Parteiführungen in Rheinland-Pfalz auf einen Koalitionsvertrag verständigt, heute sollen die Gremien zustimmen, wie es so schön heißt. Bei der CDU übernimmt das der Landesparteiausschuss in einem Mainzer Hotel, die SPD lädt zum Parteitag in Nieder-Olm. Das liegt zwischen Ober-Olm, Zornheim und Sörgenloch. Den Ministerpräsidenten soll künftig Gordon Schnieder (CDU) aus Birresborn machen, Vorgänger Alexander Schweitzer von der SPD hat den Koalitionsvertrag ausgehandelt, will aber nicht selbst in Schnieders Kabinett eintreten. (Lesen Sie hier  mehr über Schnieder). Schwarz-Rot, Pardon: eine Große Koalition gab es noch nie in Rheinland-Pfalz. Nur in einer Allparteienregierung der direkten Nachkriegszeit begegneten sich Christ- und Sozialdemokraten einst beim Regieren. Vielleicht nehmen sich die Neuen ein Vorbild an ihren Vorgängern von der Ampelregierung: Die setzte sich von der großen Schwester in Berlin durch geräuschloses Regieren ab. Schafft diese Abgrenzung von der Bundeshauptstadt nun auch die GroKo in Mainz? Was haben Ihre Großeltern Ihnen erzählt? Welche Mythen kursieren in Ihrer Familie? Der SPIEGEL sammelt Ihre Geschichten (hier mehr dazu). Schreiben Sie uns unter: MeinGrossvater.Reporter@spiegel.de  Sollte Wolfgang Kubicki im Mai zum neuen FDP-Vorsitzenden gewählt werden, möchte er einen Mann namens Martin Hagen zu seiner Nummer zwei machen: Der 44-Jährige soll Kubickis FDP-Generalsekretär werden. Jetzt mögen Sie denken: na und? Sie wissen ja auch nicht, wer etwa der Generalsekretär der ÖDP ist. Gut, das mag sein (der Mann heißt Claudius Moseler). Aber was da gerade mit der FDP passiert, das ist wirklich interessant. Womöglich erfindet sich diese abgeschriebene Partei mit einem Duo Kubicki-Hagen noch einmal neu: Nach rechts verschoben, politisch angesiedelt zwischen Union und AfD. Könnte das die Lücke sein für Lindners Erben? (Lesen Sie hier  mehr). Der Bayer Martin Hagen, so beschreibt es mein Kollege Florian Gathmann in seinem lesenswerten Porträt, galt sogar mal als Progressiver in der FDP. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hatte ihn entdeckt, die Grande Dame des Linksliberalismus. Heute sagt sie: "Martins Positionen sind liberal-konservativer geworden." Hagen sagt: "Ich bin mit der Zeit und der wachsenden Erfahrung sicher kantiger geworden und weniger vorsichtig." Er ist Geschäftsführer der Denkfabrik Republik 21 (R21), die sich "Thinktank für neue bürgerliche Politik" nennt. Chef von R21 ist CDU-Mann Andreas Rödder. Eine seiner zentralen Forderungen: Die Unionsparteien sollten den Umgang mit der AfD überdenken. Wie Kubicki lehnt er Koalitionen oder sonstige Zusammenarbeit ab, die Brandmauer will Rödder allerdings abreißen. Und Hagen? Der sehe das genauso, schreibt Florian. Noch mehr Rätsel wie Viererkette, Wordle und Paarsuche finden Sie bei SPIEGEL Games. … wird heute wohl der 1. FC Heidenheim werden. Der Bundesliga-Underdog ist zu Gast beim FC Bayern. Verlieren die Heidenheimer, ist ihr Abstieg besiegelt. Wer in der vergangenen Woche das Spiel der Bayern gegen eine katarische Mannschaft im Pariser Prinzenpark gesehen hat, kann den Heidenheimern nur bon voyage in die zweite Liga wünschen. Wie die russische Regierung junge Afrikaner täuscht, um sie als Kanonenfutter in die Ukraine zu schicken . Ich wünsche Ihnen trotz alledem einen guten Start in den Tag. Ihr Sebastian Fischer, Autor im SPIEGEL-Hauptstadtbüro