«Planetarium der Musik»: Klang in Kuppel: Warum ein Planetarium zum Konzerthaus wurde

Datum02.05.2026 04:00

Quellewww.zeit.de

TLDRDie Tonhalle Düsseldorf, einst ein Planetarium der Weimarer Republik, wurde nach Kriegsschäden und Abriss in ein Konzerthaus umgewandelt. Die kuppelförmige Architektur, die ursprünglich für eine Megaschau konzipiert war, erforderte spezielle akustische Anpassungen. Künftige Konzerte thematisieren Musik aus dem Eröffnungsjahr 1926, darunter Béla Bartóks "Der wunderbare Mandarin", dessen Uraufführung wegen kontroverser Inhalte verboten wurde. Das Gebäude selbst, mit seiner hängenden Konstruktion und ehemaligen Planetariumstechnik, wird für ein breites Publikum geöffnet.

InhaltHier finden Sie Informationen zu dem Thema „"Planetarium der Musik"“. Lesen Sie jetzt „Klang in Kuppel: Warum ein Planetarium zum Konzerthaus wurde“. Die Tonhalle Düsseldorf, das ist schon ein ganz besonderer Ort. Intendant Michael Becker spricht über die Akustik, die er nach der Eröffnung der Tonhalle 1978 auf der Bühne erlebte: "Ich dachte immer, ich bin nackt und keiner spielt mit." Er war Student und spielte im Orchester mit. "Das war ein ganz komischer Zustand, man hörte die anderen kaum und nur sich selber." Das alles hatte mit der Kuppelform des Gebäudes zu.  Denn die heutige Tonhalle ist vor 100 Jahren am 8. Mai 1926 als Planetarium in Düsseldorf eröffnet worden. Sie gehörte zu einer Megaschau, der Ausstellung für "Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen". Mit 7,5 Millionen Besuchern auf einem Gelände von 400.000 Quadratmetern war die Schau laut Historikern die größte Ausstellung der Weimarer Republik.  "Rummelplatz und Volksbildung": Statt eines Medizinkongresses konnten mit der Ausstellung breite Bevölkerungskreise angesprochen werden, beschreiben Historiker der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Neben der Präsentation von Errungenschaften aus Wissenschaft und Wirtschaft lockten Vergnügungsbereiche, Vorträge, Konzerte und Sportvorführungen Besucher an. Der erste Autoscooter Europas und eines der ersten Wellenbäder Deutschlands gehörten zu den Attraktionen. Auch Menschen waren Teil der Ausstellung. So traten in einem Alpendorf bayrische Blaskapellen auf. Für das Planetarium seien über 400.000 Tickets verkauft worden, sagt einer der Projektleiter, Historiker Matthias Krischel. Es sei für 3.000 Sitz- und 1.000 Stehplätze geplant worden. Die Schau sollte acht Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und der Spanischen Grippe Aufbruchstimmung erzeugen und zeigen: "Wir sind wieder wer", erklärt Krischel. Auf den Straßen waren damals viele Kriegsversehrte und Menschen mit Hungerschäden zu sehen. Wie das Planetarium entstanden auch das NRW-Forum, der Kunstpalast und die Rheinterrasse zu der großen Schau.  Das klassische Konzerthaus Tonhalle wurde im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt und später abgerissen. "Das war ein Riesending. Die hatten zwei Säle, die beide größer waren als dieser hier", verdeutlicht Becker. Die Düsseldorfer Symphoniker hätten mal hier, mal dort gespielt. Das Planetarium diente nur noch als Mehrzwecksaal. Hieraus wurde dann der Konzertsaal der Stadt gemacht.  "Also rund ist Mist", erklärt Becker. Holzpaneel habe zudem harte Reflexionen erzeugt. Dieses doppelte Problem sei mit Stahlgitternetz gelöst worden. "Dann ist hier 2006 ein ganz großartiger Saal eröffnet worden", sagt er. Der Schall nehme den längstmöglichen Weg über die Kuppel, damit der Lautstärkepegel ausgeglichen werde in dem Raum. "Sonst fliegt einem das alles um die Ohren." Musik aus dem Jahr 1926 spielt in jedem der Konzerte eine Rolle. Rund um das Jubiläumswochenende ist es Béla Bartóks Ballettmusik "Der wunderbare Mandarin" geplant, die vor 100 Jahren nach der Premiere in Köln abgesetzt wurde. Der damalige Oberbürgermeister Konrad Adenauer verbot weitere Aufführungen. Die Handlung um Prostitution und Gewalt rief damals Empörung hervor.  Die Konzerte "Mahler 1" mit Gustav Mahlers erster Symphonie ("Titan") und Bartóks Ballettmusik stehen am 8. Mai (20.00 Uhr), 10. Mai (11.00 Uhr) und 11. Mai (20.00 Uhr) an. Sie heißen Sternzeichen-Konzerte in Anlehnung an das Planetarium. Am 8. Mai (19.00 Uhr) spricht Dramaturg Uwe Sommer-Sorgente vor dem Konzert mit Planetariumshistoriker Andreas Scholl über Besonderheiten des Gebäudes.  Der Konzertsaal ist auf Stahlträgern gebaut, die zur Mitte hin aufeinander zulaufen. "Architekten haben ja manchmal so eine bildliche Sprache und gesagt, das sind die Krampen, mit denen der Diamant gehalten wird auf dem Ring", erzählt der Intendant. Der Konzertsaal hänge mit dieser Konstruktion quasi in der Luft: Die Konzertbesucher können darunter hindurchgehen. Im Zentrum unter dem Konzertsaal sind kreisförmig Sitzplätze angeordnet. An der Position, vielleicht aber auch etwas höher, hat einst der Projektor gestanden, um den herum Besucher des Planetariums saßen. Im Konzertsaal können Lampen für blaues Licht und Sterne sorgen. Das Grüne Gewölbe, wo heute Getränke und Imbiss in der Konzertpause angeboten werden, diente einst als Eingang.  Wasser ist ein Problem. Für die Bauarbeiten ist die Seite zum Rhein eingerüstet. Im Entwässerungssystems der Terrasse sind Rohre weggebröselt. "Das ist alles in die Substanz reingelaufen", erklärt Becker. Feuchte Wände waren die Folge. Zum Teil kommt Wasser von unten, weil die Bodenplatte nicht dicht sei. Fenster und Fugen werden neu gemacht. Der Konzertsaal ist nicht betroffen. Der Intendant setzt für das Haus mit knapp 400 Mitarbeitern und rund 10 Millionen Euro Jahresbudget auf ein breites Publikum. Gleich drei Kinder- und Jugendorchester gehörten zur Tonhalle."Wir sind kein Musentempel, sondern wir sind eigentlich ein sehr offenes und durchaus selbstbewusstes fröhliches Haus, das glaube ich auch Qualität ganz gut erkennen und durchsetzen kann." © dpa-infocom, dpa:260502-930-22604/1