Reaktion auf Trumps Zollankündigung: Deutsche Wirtschaft kritisiert Trump und warnt vor Ende des Zolldeals

Datum01.05.2026 20:49

Quellewww.zeit.de

TLDRDie deutsche Wirtschaft kritisiert Trumps geplante Erhöhung der Autozölle auf 25%. Branchenvertreter warnen vor erheblicher Belastung und einer Verschlechterung der transatlantischen Beziehungen. Sie fordern von beiden Seiten Deeskalation und die Einhaltung des bestehenden Handelsabkommens. Experten bemängeln Trumps unzuverlässiges Verhalten und fordern eine konsequentere Verteidigung europäischer Interessen.

InhaltDie Autobranche und Wirtschaftsvertreter warnen vor einem neuen Aufflammen des Zollstreits. Trumps geplante Zollerhöhung sei eine schwere Belastung. Wirtschaftsverbände und Vertreter der Automobilindustrie kritisieren Donald Trumps überraschende Ankündigung zur Erhöhung der Zölle auf Autos und Lkw aus der EU. "Die Ankündigungen des US-Präsidenten, die Zölle ​auf Lkws und ⁠Autos, die aus der ​EU in die USA eingeführt werden, ‌auf ⁠25 Prozent ​zu erhöhen, sind eine erneute und schwerwiegende Belastung der transatlantischen Beziehungen", ​teilte die Präsidentin des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, mit. Die Kosten durch zusätzliche Zölle wären für die deutsche sowie europäische Automobilindustrie in ohnehin sehr herausfordernden ⁠Zeiten enorm, so Mülle weiter. Das zwischen den USA und der EU vereinbarte Handelsabkommen müsse ​von beiden Seiten eingehalten werden. "Das bedeutet daher auch, dass die EU ihren ‌Teil der bereits im letzten ​Sommer getroffenen Abmachungen nun endlich ⁠umsetzen muss", ​so Müller. Die Autoindustrie ‌rufe beide Seiten dringend zur Deeskalation und zu ‌zügigen Gesprächen auf.  Trump hatte zuvor angekündigt, die aus der Europäischen Union in die USA eingeführten Autos und Lkw ab kommender Woche mit einem Zoll von 25 Prozent belegen zu wollen. Die EU und die USA hatten im September 2025 ein umfassendes Handelsabkommen ⁠für zahlreiche Bereiche ​geschlossen. Damit sollte auch eine rückwirkende Senkung der Zölle für EU-Autoexporte ‌in die USA auf ‌15 Prozent von zuvor 27,5 Prozent einhergehen. Das Europäische Parlament gab im März bekannt, die weitere Umsetzung des Abkommens mit den USA an strenge Bedingungen knüpfen zu wollen. Nach Angaben des Vorsitzenden des Handelsausschusses im Europäischen Parlament, Bernd Lange, werde die EU die entsprechende Gesetzgebung voraussichtlich ​im Juni abschließen. Lange nannte Trumps Verhalten "inakzeptabel". Dieser jüngste Schritt zeige, wie unzuverlässig die US-Seite sei. Der deutsche Außenhandelsverband BGA kritisiert ​die Ankündigung des US-Präsidenten ebenfalls. "Einseitige Zolldrohungen untergraben Vertrauen und belasten den transatlantischen Handel erheblich", sagte der ​Präsident des Bundesverbandes Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), ⁠Dirk Jandura, der Nachrichtenagentur Reuters. ​ Völlig unklar sei zudem, auf welcher rechtlichen Basis Trump die angekündigte ‌Zollerhöhung ⁠umsetzen wolle. Umso wichtiger seien ​künftig durchsetzbare Schutzklauseln, die Verlässlichkeit schafften und schnelles Handeln ermöglichten. "Europa muss kooperationsbereit bleiben, aber seine Interessen konsequent ​verteidigen", sagte der BGA-Präsident. Für den ​Ökonomen Marcel Fratzscher kommt die erneute Eskalation im Handelskonflikt mit den USA durch die Zolldrohungen von Präsident Donald Trump nicht überraschend. "Denn Präsident ​Trump nutzt Deutschlands und Europas ⁠stetiges Nachgeben als Schwäche ​aus", sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) der Nachrichtenagentur Reuters. "Es ​rächt sich nun erneut, dass die Europäische Union und auch die Bundesregierung im ​Konflikt mit Trump immer wieder nachgegeben und ihn gewähren lassen haben." Obwohl die US-Gerichte Trumps Zölle als unrechtmäßig eingestuft hätten, versuche er, auf Kosten Europas und insbesondere der deutschen ⁠Autohersteller innenpolitisch in ​den USA wieder an Popularität zu gewinnen. "Die ‌Bundesregierung und die Europäische Kommission ‌müssen nun endlich Rückgrat zeigen und ​Trump Paroli bieten", forderte der Ökonom. "Nur so werden sie eine stetige Eskalation verhindern ​können."